Slow Sailing

 

Slow Sailing? Was soll das sein? John und Marc von 1thingtodo.de haben zu einer Blogparade zum Thema Slow Tavel aufgerufen. Und nach einigen gemütlichen Stunden am Meer kam mir, dass da doch eigentlich meine Törns mit BEA klasse drunter passen. Einfachste Ausrüstung, langsam unterwegs… na bitte! Also ist das, was ich da mache Slow Sailing! Also wie Slow Travel – nur eben viel toller, weil man segelt. Jedenfalls für mich als Segler. So, nachdem das gesagt ist kann’s ja losgehen.

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Schnell, schneller am schnellsten? Macht nur. Aber nicht mit mir. Aktuell mache ich mir mal wieder Gedanken über ein „neues“ Boot. Nach meinem Umzug an die Nordsee wird dies früher oder später nötig. Druck mache ich mir da nicht. Wenn ich mich entschieden habe was ich will und was passendes gefunden habe: Toll. Aber bis dahin habe ich BEA – und wer weiß, vielleicht ergeben sich auch die eine oder andere Mitsegelgelegenheit. Trotzdem unterhält man sich immer wieder mit anderen Seglern über Boote. Welches Boot ist passend für die Nordsee? Früher oder später kommt man dabei scheinbar unweigerlich zum Thema Segeleigenschaften. Gemeint ist nicht nur, wie hoch das Boot an den Wind kann sondern auch schlicht wie schnell es ist. Aber ist das wirklich so wichtig?

Für mich nicht. Nach BEA wird jedes Boot schnell sein. Und tolle Kreuzeigenschaften haben. Ich will nicht schnell sein. Es reizt mich nicht am schnellsten irgendwo zu sein. Ich bin gerne auf dem Wasser. Warum also sollte ich so schnell wie möglich in den nächsten Hafen oder den nächsten Ankerplatz wollen?

Von anderen Booten überholt zu werden war bei meinen Frieslandtörns ganz normal für mich. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 2 km/h nicht verwunderlich. Vor einigen Monaten verfolgte ich in einer internationalen Segelgruppe eine Diskussion darüber, wann die Segler ihre Motoren anwerfen. Bis auf wenige Ausnahmen brummte dieser spätestens bei drei Knoten – teilweise waren aber auch vier oder fünf Knoten den Skippern zu langsam! Eigentlich schade, denn langsam zu segeln ist mindestens so toll wie wenn das Wasser spritzt und man das Gefühl hat über die Wellen zu fliegen.

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Warum nicht einfach langsam sein?

Wer mich durch eine Stadt laufen sieht wird es kaum glauben: Ich bin gerne langsam. Nicht wenn etwas gemacht werden muss. Oder Eilig ist. Aber wenn ich Segel, Reise… dann will ich die Zeit genießen. Alles zu sehen, alles zu erleben ist sowieso nicht zu machen.

Die tollsten Erinnerungen an meine Reisen sind nicht etwa die wenn BEA gefühlsmäßig übers Wasser geflogen ist. Nein, es sind jene Momente wenn die Zeit still zu stehen schien. Sich einfach ans Meer setzen. In die Ferne sehen. Träumen. Oder langsam auf einem Kanal zu segeln.

 

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Planen?

 

Hach, macht es nicht Spaß einen Törn zu planen? All die Orte wo man hin will, all das was man erleben will? Ich liebe es. Unzählige Stunden habe ich schon vor Karten gesessen und mir überlegt, wie ich segeln könnte. Das führte dazu, das ich beim zweiten und vor allem beim dritten Törn die meisten Kanäle in Friesland bereits im Kopf hatte. Ich konnte die Wasserkarte von Friesland annähernd auswendig!

Vor Ort waren diese Überlegungen allerdings nebensächlich. Der Wind bestimmt wo es hin geht. Und wann ich irgendwo bleibe. Im Voraus vom ersten Törn hatte ich mir etliche Informationen über verschiedenste Orte in Friesland herausgesucht. Sich grundsätzlich zu informieren halte ich nicht nur für ein Vergnügen sondern für wichtig. Sonst hätte ich beispielsweise nicht von Marrekrite erfahren – und das man an einigen dieser Plätze zelten darf! Etwas wahrhaft tolles hätte bei meinen Törns gefehlt.

Doch ebenso wichtig finde ich es unterwegs nicht irgendwelche Listen abzuarbeiten.

 

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Städte erkunden

 

Einfach drauf los laufen. An Land war ich zumeist ohne jegliches Kartenmaterial unterwegs. Bei weiteren Strecken (wie beispielsweise als ich von Workum nach Hindeloopen gelaufen bin) noch eine Wasserkarte die aber auch nur zur groben Orientierung genutzt hat. Denn wie oft navigiert man zu Fuß, an Land schon nach Landmarken auf einer Wasserkarte?

Gerade innerhalb von Orten war mein Vorgehen simple: War das Boot festgemacht und das Zelt aufgebaut ging es los. Einfach mal laufen und sehen wo es mich hintreiben würde. Und ich habe damit beste Erfahrungen gemacht. All die touristischen Ecken findet man auch so. Sie sind zumeist zentral gelegen und nicht selten an einer Menschenmasse zu erkennen. Doch so mancher Schatz bleibt verborgen wenn man nicht die engen Gassen erkundet die von den großen Straßen wegführen.

 

 

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Und auf dem Wasser?

 

Ganz so flexibel war ich auf dem Wasser nicht unterwegs. Täglich machte ich mir einen Plan wo es hingehen würde. Manchmal sogar über mehrere Tage. Geändert wurde der Plan höchstens drei bis fünf Mal am Tag. Dabei war es aber weniger so das ich mir einen bestimmten Ort herausgepickt habe und gesagt habe: Da will ich hin! – als das ich geguckt habe: Wo kommt der Wind her? Und dann eben auf der Karte nachgesehen habe, was möglich ist. Aber auch hier habe ich öfters Kanäle erkundet die Abseits der großen Wasserstraßen verlaufen und die nur von wenigen Wassersportlern erkundet werden. Und viel zu oft hatten sie einen ganz eigenen Reiz. Stunden lang, langsam segeln. Halt slow sailing. Einen Kanal ausführlich erkunden. Die Details aufnehmen. Eine Stelle an der die Kanalbefestigung kaputt ist und hinter der sich ein kleiner Teich voller Pflanzen und Fische gebildet hat. Wer daran zügig vorbei motort oder segelt hätte gar nicht die Zeit es gebührend zu bewundern. Oder das gemeinsame Mähen mit den Schafen. Das Nachäffen ihrer Kaubewegungen. Oder die Freude, wenn ein Pferd neben einem her trottet. Auch einfach mal ein Buch auspacken und sich auf dem Kanal treiben lassen. Und mal ehrlich: Wer nur möglichst schnell voran kommen will – der hat ja wohl mit einem Segelboot das falsche Fortbewegungsmittel gewählt!

Festgemacht :)

Ausrüstung

Wer meine Packliste kennt weiß: Für einen Segler hatte ich recht wenig dabei. Eine Pantry die nicht mehr einfacher sein könnte. Nur wenig Elektronik. Was ich dabei hatte, hatte einen Zweck, war nötig. Beim dritten Törn hab ich es tatsächlich geschafft nichts mehr dabei zu haben das ich nicht benutzt hätte. Einzige Außnahme: Flickzeug. Aber das ich das nicht in der Praxis unterwegs brauchte – nun, da bin ich eigentlich recht froh drum. Aber warum sich einschränken? Ist es nicht schön viele Möglichkeiten zu haben? Viele Segler sind mit einer riesigen Ausrüstung unterwegs. Plotter, AIS, Radar, Kühlschrank, Seetoilette, Heizung, Klimaanlage, Bugstrahlruder….

Aber all das will gepflegt werden. Und geht kaputt – dann muss es repariert werden. Dementsprechend gehört dann auch ein gut bestückter Werkzeugkoffer zur Grundausstattung. Aber mal ehrlich: Im Urlaub mag ich nichts reparieren. Und mich auch nicht darüber ärgern, das was kaputt ist. Was ich nicht habe kann nicht kaputt gehen. Was nicht kaputt geht, ärgert mich nicht. Natürlich sollte man es nicht übertreiben – obwohl rein sachlich betrachtet nicht nötig würde ich nicht auf Bücher verzichten wollen. Doch sieht man sich viele Yachten an muss man sich fragen: Ist das wirklich alles nötig? Die Frage muss natürlich jeder für sich beantworten.

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Handy/Tablett

 

Bei meinen ersten Törn in Friesland hatte ich noch ein Tablett dabei. Für Recherchen, den Wetterbericht… oder auch einfach mal Surfen. Und zwischendurch wurde auch mal ein Spiel drauf gespielt. Die Möglichkeit führte mich in Versuchung. Und schon saß ich auf einer traumhaften, fast einsamen Insel…. und spielte irgend ein doofes Handyspiel. Für jeden Tatsächlich Nutzen so eines Tabletts gibt es allerdings eine, mir mittlerweile auf Törn sympatischere Alternative: Menschen. Egal ob Tipps vor Ort oder den Wetterbericht, man bekommt sie wenn man nett fragt. Zudem hängt während der Saison in vielen Häfen in Friesland ein Wetterbericht aus.

Ein Handy hingegen hatte ich bei all meinen Törns dabei. Genutzt wurde es kaum. Ein, zwei Anrufe nach Hause um zu sagen, das alles gut ist. Ansonsten wurde es am Körper festgebunden mitgeführt. Denn der Hauptgrund, warum ich das Handy dabei hatte war nicht etwa um ein Lebenszeichen nach Hause zu senden. Das Handy war für mich die einzige Möglichkeit im Notfall Hilfe zu rufen. Es war für mich das, was für andere das Funkgerät ist.

Durch den Verzicht auf einen Internetzugang zwang ich mich selbst dazu mehr den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen. Außerdem: Eigentlich braucht man es unterwegs gar nicht. Ich war keine Sekunde unglücklich darüber keinen Internetzugang zu haben. Eher das Gegenteil.

 

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Einfach mal langsam sein

 

Auch wenn es nicht nötig ist. Muss man immer die maximal mögliche Segelfläche fahren? Alle Segel setzen (wenn man denn mehrere hat)? Obwohl ich mit BEA ja schon ausgesprochen langsam bin habe auch ich teilweise bewusst das Segel gerefft (gelassen), obwohl es Windtechnik auch unter Vollzeug problemlos gegangen wäre. Statt schnell an einem Ziel zu sein wollte ich lieber lange unterwegs sein. Dies mag nun tatsächlich schon etwas „extrem“ sein. Doch denkt man an Anfangs erwähnte Disskusion gibt es auch eine einfachere Lösung: Den Motor eben nur dann anwerfen wenn es nötig ist. Und nicht kaum fällt die Geschwindigkeit mal unter 3, 4 oder gar 5 Knoten… Wobei: Dafür braucht man natürlich einen Motor…

 

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Slow Sailing

Denn Schnell kann jeder. BEA hat es immer wieder gewusst mir zu beweisen, dass Slow sailing toll ist. Ich bin länger auf dem Wasser, nehme viele Details wahr die bereits bei einem Tempo von 3 Knoten verschwinden würden. Immer mal wieder – und das werde ich sicherlich auch in Zukunft machen – thematisiere ich den Unterschied von Segeln mit großen Booten und Booten wie BEA. Doch der wichtigste, damit zugegebenermaßen im Zusammenhang stehende Unterschied, der tatsächlich einen starken Einfluss aufs Reisen allgemein und das Segeln im Speziellen hat ist das Tempo. Wer schnell von Hafen zu Hafen hetzt, auf der Jagd nach einem guten Liegeplatz und einem Platz im nächsten Restaurant mag einen schönen Urlaub und einen Tollen Törn erleben. Doch er wird an vielen wahrhaft wundervollen Orten und Erlebnissen vorbeihechten, zu fixiert auf sein Ziel um das was ihn umgibt zu sehen. Deshalb liebe ich es langsam zu segeln.

Wie seht ihr das? Reizt es euch schnell zu segeln? Sind zwei Boote bei euch eine Regatta? Oder seit ihr lieber langsam unterwegs. Lasst euch treiben? Verratet es mir in den Kommentaren – ich bin gespannt.

Sebastian