Buchrezension: Shrimpy, Weltumsegelung im Kleinboot

Wieder so ein Weltumsegler? Barfußroute? Und er hat ein Buch geschrieben? Klar hat er das. Könnte man meinen. Stöbert man durch Segelliteratur stößt man ständig auf Bücher von Weltumseglern. Zumeist mit Boote von 30 oder mehr Fuß länge, relativ gut ausgerüstet. Ich selbst lese diese Bücher gerne. Sofern sie gut geschrieben sind nehmen sie einen mit in ferne Länder, zu anderen Kulturen. Und erzählen von dem einen oder anderen Wetterphänomen, mit dem sich Segler auf Langfahrt herumplagen. Alles in allem kann ich aber vielen dieser Bücher nicht so recht das große Abenteuer entnehmen – das es mit Sicherheit war!

Mit 22 Jahren – also in meinem Alter – kaufte sich Shane Acton sein Boot. Super Shrimp – kurz Shrimpy. Zwar hatte er schon Erfahrung auf dem Wasser, diese beschränkte sich aber auf Motorboote und war somit bei seinem Motorlosen Kleinkreuzer nur bedingt hilfreich. Mit 18 Fuß gehört Shrimpy zu der Sorte Boot für die ich mich interessiere – für die Küste. Shane Acton hingegen hatte etwas größeres vor. Nicht nur das die Englische Küste nicht schon ungemütlich genug gewesen wäre – nein, er wollte um die Welt.
Wie bei einem 22 jährigen nicht anders zu erwarten ist Geld bei ihm knapp und so dauert es etwas, bis er wirklich los kommt. Doch stört dies nicht weiter – denn mit Leidenschaft berichtet er von seinen Vorbereitungen.
Bereits hier dürfte so manchem Segler der Kopf platzen. Noch bevor es richtig los geht ist es schwer zu sagen, ob das was Shane dort tut nun Abenteuermut und Seemannschaft – oder einfach nur noch Leichtsinn ist.

Das Buch nimmt Fahrt auf, Shane verlässt England. Kurs: Süd. Da ihm der Sprung von Portugal direkt zu den Kanaren etwas groß erscheint, geht es über die Afrikanische Westküste weiter. Bereits an diesem Punkt ist nicht nur dem Leser sondern auch ihm selbst klar geworden, das Shane Acton ein Glückshase ist.
Anschaulich berichtet er von Begegnungen mit anderen Menschen, Problemen mit dem Boot – und einer praktisch immer leeren Bordkasse.
Nach einem Zwischenstopp auf den Kanaren geht es über den Atlantik. Eine lange Überfahrt – zum einen da so ein kleines Boot nun mal nicht sonderlich schnell ist. Zum anderen holt Shane bei Nacht die Segel ein um in Ruhe zu schlafen. Anbetracht der eingeschränkten Seegängigkeit – vielleicht gar nicht mal so eine schlechte Entscheidung?

Während Shane durch die Karibik segelt ist er immer wieder damit beschäftigt seine Bordkasse aufzufüllen. Die knappe Bordkasse sorgt aber Zeitweise auch für Amüsement beim Leser. So kann Shane beim Einklarieren auf einer Insel die Gebühren nicht bezahlen – und bietet daraufhin an sogleich wieder abzulegen. Doch auch das würde Geld kosten – das er nicht hat. Also darf er nicht bleiben und nicht gehen. Nach einem Bürokratischen Marathon erhält er schließlich die Erlaubnis sich still und heimlich vom Acker zu machen. Nur um dann, man tut sich schwer an dieser Stelle ein Grinsen zu verkneifen, den Beamten zu erklären er hätte nun das Geld beisammen und würde gerne noch etwas bleiben.
Schließlich lernt er Iris kennen. Die Schweizer Backpackerin und er verstehen sich gut und so beschließt sie kurzerhand, dass sie Shane weiter begleiten mag. Und so tun sie das geradezu unerhörte. Mit 18 Fuß um die Welt zu segeln muss einem schon ein wenig Verrückt erscheinen. Doch dann auch noch den unglaublich großen Pazifik zu Zweit auf so einem kleinen Boot? Nein, selbst als begeisterter Kleinbootsegler scheint es unmöglich sich dies auch nur im Ansatz vorzustellen.
Über den Pazifik mit seinen Inselparadiesen geht es schließlich nach Australien, wo mal wieder Arbeiten angesagt ist.
Das sorgt zwar zunächst für einige Probleme – doch an dieser Stelle weiß man bereits, das sich der Skipper nicht so leicht aufhalten lässt.
Den Indik überquert Shane wieder alleine. Er und Iris haben sich im guten voneinander vorübergehend verabschiedet.
Und schließlich geht es durch den Suez Kanal ins Mittelmeer. Die Segler wollen kaum glauben das er den „Langen Weg“ von England hier her genommen hat. Mit so einem kleinen Boot von England um Gibralter bis ins östliche Mittelmeer? Statt über die Kanäle in Frankreich?
Seine Versuche zu erklären, das der Lange Weg über die Karibik, Südsee und Australien geführt hat werden zunächst nicht geglaubt. Zunächst.
Im Mittelmeer stößt auch Iris wieder zu Shane die ihn, auf dem letzten Stück durchs Mittelmeer, über die Kanäle durch Frankreich und schließlich wieder nach England begleitet.
Als Shane Acton mit Shrimpy nach 8 Jahren wieder in England ankam, war Shrimpy das kleinste Boot das zu diesem Zeitpunkt die Erde umrundet hatte.

Das Buch ist ein Meisterwerk. Obwohl ich es auf Englisch gelesen habe war es für mich gut verständlich. Man spürt die Leidenschaft und Begeisterung zwischen den Zeilen, den Sinn für Humor. Und vor allem: Wie wenig man braucht um glücklich zu sein. Mehrfach hatte Shane Acton unterwegs die Möglichkeit sein kleines Boot gegen ein größeres, wohl für solch eine Reise besser geeignetes Boot zu tauschen. Nur um doch stets abzulehnen um seiner kleinen treu zu bleiben. Es ist ein Buch voller Abenteuer, das auch beim zweiten, dritten, vierten…. Mal noch Spaß macht.

Aber: Zumindest im deutschen Raum ist Shrimpy leider nur zu recht hohen Preisen gebraucht zu bekommen (Etwa 50€). Aktuell wird es meines Wissens nach nicht verlegt. Wer allerdings des englischen Mächtig ist, der findet im Internet auf bluemoment.com das Buch als kostenloses PDF.

Sebastian

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