Achtung, Polizei!

Die Nacht war nicht mehr so kühl wie die vergangenen. Zugegeben, es mag geholfen haben, das ich mich allmählich daran gewöhne. Aber es war nicht nur das. Morgens, nach dem Aufstehen bemerke ich, das die Frostschicht deutlich dünner ist.

Doch der Hauptgrund, warum ich überglücklich bin ist ein anderer: Die Sonne scheint! Blauer Himmel – einfach toll. Schon wieder! Da ist mir der Wettergott wirklich gut gesonnen – immerhin ist gerade mal März, und ich habe ständig Sonne… Da muss man einfach sich freuen.

Bei einem gemütlichen Frühstück fällt mir auf, das meine Brotvorräte zur Neige gehen. Hier im Ort gibt es aber weder Bäcker noch Supermarkt. Es muss also bis heute Abend reichen. Könnte noch gerade so hinkommen.

 

Etwa um neun Uhr löse ich die Leinen und setze meine Reise fort. Wie schon gestern bewegen wir uns stetig gen Norden, aufs Meer zu. Obgleich ich aufgrund der Häufigen Brücken noch nicht segeln kann, bin ich guter Dinge. Heute, da bin ich mir sicher, schaffe ich es ans Meer. Und das Wetter ist gut. Und ich bin auf dem Wasser. Unterwegs. Alles ist gut und so stört es mich nicht sonderlich paddeln zu müssen. Die Sanfte Briese wird zu einer nicht ganz so sanften Briese, aber noch ist alles im grünen Bereich. Plötzlich entdecke ich eine Windmühle, nicht weit von mir entfernt. Ich bin entzückt. Warum kann ich beim besten Willen nicht sagen, aber die Teile faszinieren mich einfach. Immer wieder freue ich mich, so eine zu sehen. Nach einer Kurve muss ich gen Osten paddeln. Doof nur, das genau von dort der Wind pustet. Verdammt, ist das anstrengend. Mit aller Kraft steche ich das Paddel ins Wasser, ziehe durch und hebe es dann, knapp über der Wasseroberfläche wieder nach vorne. Solange der Wind nicht von vorne kommt ist paddeln okay. Von hinten sogar recht gemütlich. Aber mit Wind von vorne wird es anstrengend, ich muss hart arbeiten um nicht rückwärts zu treiben. Immerhin bin ich mittlerweile recht gut darin, mit meinem Hintern die Pinne so zu halten, das ich nur auf einer Seite paddeln muss. Ich sitze irgendwie lieber auf Steuerbord. Da paddelt es sich schlicht besser – finde ich.

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Während ich mich Stück für Stück durchkämpfe fallen mir zwei Polizeibeamte auf, die mich vom Ufer aus beobachten. Seltsam – was wollen die von mir? Oder sind die einfach nur neugierig? Wollen vielleicht nur BEA bewundern? Dafür hätte ich vollstes Verständnis. Sie ist aber auch wirklich eine tolle. Ich mag sie, ist sie doch die tapfere von uns beiden. Oder vielleicht einfach nur so alt, das sie alles gelassen nimmt? Egal, erstmal muss ich weiter paddeln. Denn den Moment, den ich aufgehört habe und nach den Beamten gesehen habe bin ich schon wieder zurück getrieben. Der Wind ist noch etwas stärker geworden, aber noch könnte ich sogar segeln – wäre da nicht gleich schon die nächste Brücke. Es dauert etwa fünf Minuten bevor ich in rufreichweite der Polizisten bin. Auf schreien habe ich keine Lust. Da sie aber bisher gewartet haben, bin ich mir fast sicher das sie irgend etwas wollen. Die werden doch nicht etwa mich bitten den Törn zu beenden? Ich muss gestehen: Das fände ich echt doof. Andererseits: Mit welcher Grundlage. Zugegeben, es ist etwas ungewöhnlich was ich hier mache. Aber verboten ist es nicht, da bin ich mir sicher! Und andere Boote hab ich auch schon auf dem Wasser gesehen – wenn auch nicht heute. Gibt’s vielleicht eine ganz neue Unwetterwarnung die sie mir mitteilen wollen? Oder doch nur Neugierde?

Nach einem tiefen Luftzug rufe ich gegen den Wind, frage ob sie etwas von mir wollen. Ein deutliches Nicken bestätigt das, was mir bereits klar war.

Ich werde freundlich gebeten rechts ran zu fahren – also zu den Beamten. Es dauert noch mal, bis ich dort angekommen bin. Denn natürlich geht es weiterhin gegen den Wind.

Zunächst bitten sie mich um einen Ausweis. Da es das erste ist, was ich in der Hand habe drücke ich ihnen meinen Sportbootführerschein Binnen in die Hand. Ein Lächeln huscht über die Lippen des Beamten – ich hoffe, es ist ein gutes Zeichen. Er sieht sich das Papier kurz an und notiert sich dann mehrere Daten. Vorsichtig hake ich nach, worum es ginge. Mit einem leichten Grinsen erklärt man mir, das sie im März ehr selten Leute in einem gelben Gummiboot sehen würden, die voller Gepäck, eindeutig auf einem Törn, durch Friesland paddeln würden. Ob es nachts nicht kalt sei? Meine antwort ist simpel: Mit der richtigen Ausrüstung – die ich habe – nicht. Da ich wohl auch fit aussehe, akzeptieren sie die antwort und geben mir den Führerschein zurück. Dann reicht mir einer der Beamten seine Visitenkarte mit der Handynummer und bittet mich, ihm auch die meine zu geben. Ich soll mich bei ihm melden, wenn es ein Problem gebe. Nett. Ich komme aber nicht drumrum zu vermuten, das sie meine Daten aus einem ganz bestimmten Grund haben wollen: Um mich auszuschließen bzw. schnell zu identifizieren, wenn sie eine Wasserleiche oder ein gelbes Gummiboot finden sollten. Auch wenn ich mir vor dem Törn sehr viele Gedanken darüber gemacht habe – so eine Kontrolle, bei der man diesen Hintergrund vermutet ist nicht das angenehmste was einem passieren kann. Eines war daran aber angenehm: Ich Polizisten waren wirklich, wirklich freundlich und hilfsbereit, ich hatte den Eindruck als würden sie sich trotz allem für mich freuen, das ich hier meinen Spaß habe. Und das war es, was ich von dieser Begegnung mitnahm. Das – und die Telefonnummer eines Polizisten für Notfälle.

Mit kräftigen Ruderschlägen geht es weiter Richtung Meer.

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 13.03.2015

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Sebastian