Vier Wetterfeen für mich

„Hoi!“, schallt es zu mir übers Watt. Verwundert erblicke ich zwei junge Frauen die mir freudig zuwinken. Unsicher sehe ich mich um – aber da ist niemand in meiner nähe. Was wollen zwei junge Frauen von mir – voller Watt-Matsch, mit ungewaschenen haaren und wahrscheinlich einem Geruch, den man auf drei Meilen gegen den Wind riechen kann. Nun, egal, die strahlen übers ganze Gesicht, da will ich natürlich nicht unhöflich sein. Fröhlich erwidere ich das Hoi und begebe mich auf sie zu. Munter fangen sie an auf mich einzureden. Hört sich nett an. Sympathisch. Ich nehme mir einen Moment zeit – so freundlich von der Seite werd ich nicht jeden Tag angequatscht – bevor ich sie lächelnd unterbreche.

„Do you speak English or German? Sprecht ihr deutsch oder Englisch?“

Ganz überrascht sehen sie mich an. Fast so, als wäre ich ein Alien. Hach, es ist toll außerhalb der Saison hier zu sein. Man wird nicht gleich als Tourist eingestuft… das hat doch was.

„English, no problem. Where are you from?“

„Germany.“

Die Überraschung steht ihnen über die Gesichter geschrieben. Lachend erklären sie mir das die Deutschen gewöhnlich erst später im Jahr wieder einfallen würden. Aber mir einer Tonlage die klar macht, das sie das keineswegs stört. Dann kommen sie wieder zurück zu dem Grund warum sie mich angequatscht haben. Klar, musste ja einen Grund geben…

Sie interessieren sich für Vögel ohne N. Ob ich nicht zufällig erkannt hätte, was das da ganz draußen Gewesen wäre. Etwas verwirrt sehe ich sie an. Zugegeben, ich war etwas weiter draußen als alle anderen… aber SO weit nun auch wieder nicht. Also schüttel ich traurig den Kopf.

„Birds?“, versuche ich es entschuldigend. Was natürlich zu erneutem lachen führt. Jetzt bin ich aber doch neugierig:

„Why do you have to know, which kind of Birds are out there?“

Die Antwort hätte ich eigentlich erwarten können. Sie sind Studentinnen, die hier und in einigen anderen Ecken von Friesland für ihr Studium unterwegs sind. Sie Studieren Tiermanagement – was auch immer das sein soll – und scheren sich eigentlich einen feuchten Dreck um Vögel. Pferde, ja, die finden sie viel interessanter. Aber Vögel gehören eben auch zum Studium. Während sie mir munter erzählen das sie in Leuwaarden studieren werde ich auf einmal erneut von der Seite angequatscht.

Wieder von zwei jungen, natürlich hübschen Frauen.

Und wieder versteh ich nix – denn sie sprechen Niederländisch. Verdammt, ich sollte die Sprache echt mal lernen. Wenn man in der Sprache so lieb von der Seite angequatscht wird… auf Deutsch passiert mir das nie. 😀

Natürlich klärt sich das ganze schnell auf. Sie gehören zu den ersten beiden – die noch bevor ich richtig reagieren konnte erklären, das ich sie nicht verstehe. Die Gesichter der beiden Neuankömmlinge sind fast noch besser als die der beiden ersten. Diese Überraschung ist einfach toll. Hach… die kleinen Freuden des… Egal.

Nachdem sie erfahren das ich mit einem Schlauchsegelboot durch Friesland unterwegs bin wollen sie sogleich wissen, wo ich schon war. Und da ich keine Möglichkeit auslasse von meiner Reise zu erzählen, fange ich natürlich sofort an. Kaum bin ich in der Region Sneek angekommen werden sie richtig neugierig. Ob ich vielleicht Bilder von Vögeln aus der Region hätte? Ach, da sind sie wieder – Vögel ohne N.

Zu fünft stehen wir um meine winzige Kamera und sehen die Bilder durch. Sind ja nur paar hundert. Fast tausend. Egal – einfach mal durchsehen. Schnell finden sich ein, zwei Bilder von Vögeln. Nur: keine ehr seltenen, und größtenteils gar nicht genau bestimmbar, da zu unscharf oder zu klein. Schade – denn mit genug Bildern hätten sie sich Sneek sparen können und mit mir einen schönen Nachmittag verbringen können. So mussten sie langsam weiter Richtung Sneek. Auch ich wollte zurück in die Stadt – wenn auch nur nach Harlingen, nicht nach Sneek – und nachdem ich mich kurz auf den Rasen geworfen habe um wenigstens den gröbsten Schmutz aus Hose und Stiefeln zu bekommen mache ich mich, zusammen mit den Damen auf den Weg zurück nach Harlingen.

Unterwegs habe ich nicht nur nette Gesellschaft und ein wirklich interessantes Gespräch – ich bekomme sogar einen Wetterbericht von vier Wetterfeen. Und in diesem Moment hätten sie genauso gut unfreundliche, alte Ochsen sein können: Für die nächste Woche sagten mir meine vier ganz eigenen Wetterfeen Sonne voraus! Na dann – das hört man(n) doch gerne.

Am Bahnhof gibt es dann einen herzlichen Abschied. Inklusive Küsschen auf die Wange. Ohne dabei die Luft anzuhalten. Sooo übel kann ich gar nicht stinken.

Kaum sind sie weg begebe ich mich zurück zum Hafen. Die Hose ziehe ich aus und fange an sie im Waschbecken auf dem Klo zu waschen. Hier ist es warm und das Wasser ist warm – doch deutlich angenehmer als Wäsche Waschen im Wasser der Kanäle und Meere hier in Friesland… vor allem im März!

Anstatt sofort wieder in die Stadt zurück zu kehren bleibe ich erstmal im Hafen. Kein Grund zur Eile. Notizen machen, lesen. Entspannen.

-Bilder wieder im nächsten Teil. Ich lade keine Bilder von anderen Menschen ohne deren ausdrücke Erlaubnis hoch – und andere Bilder von dieser Episode gibt’s nicht. Dafür war ich zu…. beschäftigt.

 

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 14.03.2015

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Sebastian