Vlieland im Winter

Gleich nachdem die Fähre angelegt hat steige ich aus und begebe mich zur Tourismusinformation. Ich möchte ein paar Postkarten für meine Familie kaufen – und auf Vlieland, einer Insel die vom Tourismus lebt wird es ja wohl welche geben. Anbetracht dieser Erwartung war ich wirklich überrascht. Da gibt es nur ein paar gemalte Motive – irgendwelche Vögel und so was. Keine Schönen Fotos! Nicht eins! Etwas enttäuscht verlasse ich das VVV. Sicher – es wäre schön gewesen von der Insel, dem vermutlich exotischsten Ort meiner Reise (wenn man so will) ein paar Karte nach hause zu schicken. Aber hey, ich werde bestimmt noch andere tolle Orte, von denen es bessere Postkarten gibt besuchen!

Für heute hatte ich mir drei ziele vorgenommen. Zunächst wollte ich an den Hafen – Ich mag (Sportboot) Häfen ja allgemein und joa… es war mehr ein Gefühl als sonst was das mich dort hin zog. Dann wollte ich auch ans Meer. Also, einfach am Meer entlang laufen – und zwar an der Nordseite der Insel, da wo für hunderte, teilweise sogar tausende Kilometer kein Land kommt wenn man raus sieht. Und drittens wollte ich mich die Natur im Inselinneren ansehen. Zugegeben – das war mir nicht ganz so wichtig wie die beiden anderen, aber warum sollte nicht alles drei klappen? Ich habe zwar nicht unbegrenzt Zeit aber doch hoffentlich genug. Als erstes folge ich dem Meer zum Hafen. Dabei genieße ich das Geräusch der Wellen die gegen das Ufer schlagen. Hach, was für ein schönes Geräusch…

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Der Hafen ist – wunder, o wunder, weitgehend leer. Abgesehen von einem KNRM-Kreuzer liegen hier nur ein paar Segelboote. Die sind dafür echte Schönheiten, eine übertrifft die andere. Und alle sehen sie aus, als könne man mit ihnen gleich in See stechen. Nein, nicht nur das. Als müsse man nur noch etwas zu Essen und zu trinken an Bord bringen und könnte die leinen Werfen für eine Ozeanüberquerung. Oder warum nicht gleich eine Weltumsegelung?

Sowas liegt im März auf Vlieland im Hafen...

Sowas liegt im März auf Vlieland im Hafen…

Natürlich hab ich keine Ahnung davon, was für so was wirklich nötig ist. Aber so wie diese Boote aussehen habe ich gleich vollstes Vertrauen in ihre Seegängigkeit.

Gemütlich laufe ich durch den Hafen. Nur wenige Menschen sind hier unterwegs und diese wenigen hetzen zum Strand. Es ist hier so schön – irgendwie eine Schande, das die meisten diesen Ort nur im Sommer erkunden.

Schließlich gelange ich ans Hafengebäude. Hier sind die Zeiten der Gezeiten (was für ein Ausdruck!) ausgehängt. Und ich dachte, alle Segler müssten das selbst wissen…

Gemütlich geht es weiter an den Strand. Ich bin überrascht wie viele Menschen hier unterwegs sind. Ein paar hatte ich ja erwartet – aber ganz bestimmt nicht so viele!

Ein frischer Wind streicht über den Strand und greift mir immer wieder ins Haar. Angenehm, ist es doch Teil dieses Gefühles am Meer zu sein. Ich bin glücklich. Der Wind, die Wellen, die Meeresvögel, der Strand, die Dünen, das Meer…

Schließlich gelange ich in den Bereich zwischen den Inseln. Der Wind wird innerhalb kürzester Zeit stärker – gefühlt drei bis vier Windstärken. Unglaublich – ich hatte ja von dem Düseneffekt gehört aber ihn hier zu spüren war dann doch was anderes. Was eben noch eine frische Briese war wurde nun zu einem starken wind – und ich konnte nur froh sein das heute der Wind aus Süden kommt. Gegen den Wind anlaufen wäre sicherlich kein Vergnügen. Aber so wurde ich von hinten geschoben – und hätte vermutlich nicht mehr rückwärts umfallen können.

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Etwa zur gleichen Zeit kann ich einen Blick auf Terschelling werfen. Gleich da drüben zeichnet sich die Insel ab. Faszinierend, eine Insel im Meer so zu sehen…

Aus irgend einem Grund – bitte fragt nicht warum, ich weis es nicht – laufe ich so am Meer entlang das mich die Wellen gerade so nicht erreichen. Mit Chucks wäre es doof gewesen wenn die Schuhe nass geworden wären – so schnell trocknen die Dinger ja nicht. Aber letztlich ist’s mir gelungen trockene Füße zu behalten.

Nun wollte ich aber auch eine andere Perspektive aufs Meer erhaschen. Also nix wie rauf auf die Dünen, einem kleinen Pfad folgend.

Da oben…. magisch. Wie in meinem eigenem, kleinen, privaten magischen Wunderland. Auf der einen Seite Wald und Buschlandschaften, in der mitten die Dünen und auf der anderen Seite, gleich neben dem Strand die See… kaum hatte ich geglaubt wieder etwas in die Realität zurück gefunden zu haben beginne ich wieder zu träumen.

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Schnell lerne ich mich nur vorsichtig auf den Dünen zu bewegen. All die Büsche haben Dornen und… AU!

Immer wieder mache ich kurze Pausen um meine Gefühle niederzuschreiben und Bilder zu machen. Ich will es unbedingt später teile – es ist zu schön um es für mich alleine zu behalten.

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 15.03.2015

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Sebastian