Was ich von meinem 8 Fuß Schlauchsegelboot gelernt habe

Jetzt, nachdem mein letzter (schnief) Törn mit BEA hinter mir liegt, möchte ich ein paar Sachen weitergeben die ich von meiner kleinen gelernt habe. Natürlich gibt’s da noch einige mehr – aber das würde zu weit führen…

Cappie-über-Bord am 24.08.2014

  1. Ich kann nicht gegen das Wetter kämpfen

Ernsthaft – es ist unmöglich. Irgendwann verliert diesen Kampf jeder. Klar, ein wirklich seegängiges Boot mit dem passenden Skipper kann vieles ab. An den Wind, Stürme, eine extrem raue See… aber am Ende? Egal wie seefest Boot und Crew sind, irgendwann ist einfach Ende. Jedes Boot und jeder Segler hat diesen Punkt – selbst wenn viele Boote und einige Segler ihn noch nicht erreicht haben.

Zugegeben – BEA erreicht diesen Punkt recht früh. Windstärke 5, wenn es sein muss 6 – dann muss das Segel ganz schnell runter und gepaddelt werden. Vor dem Wind – natürlich. Gegen an? Viel spaß bei dem Versuch, selbst wenn es „nur“ auf einem See ist.

Was ich tun kann? Mich anpassen. Klar hab ich Orte die ich besuchen will. Zum Beispiel wollte ich immer ans Meer. Und ich bin immer hin gekommen. Aber nicht indem ich mich gegen das Wetter aufgelehnt und irgendwie durchgeboxt habe, sondern indem ich es genutzt habe bis es mich zum Meer gebracht hat. Naja, mehr oder weniger.

 

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  1. Es ist egal wie groß das Boot ist

Ich war immer das kleinste Boot im Hafen – die meisten Hafenmeister haben mir sogar gesagt, das ich das kleinste Boot hätte das je den Hafen besucht hätte. Auch unterwegs habe ich nie ein kleineres Boot gesehen – also, im Fahrtenmodus unterwegs. Aber: Ich habe mir die gleichen Sonnenauf- und Untergänge angesehen wie all die anderen auf den größeren Booten. Ich habe mir die selben Städte und Landschaften (jedenfalls soweit ich übers Schilf sehen konnte) angesehen, die selben Menschen getroffen und die selben Seen und Kanäle besegelt wie all die andere. Ich habe sogar einige Orte erkundet, in die all die anderen nicht konnten. Zu hoch die Masten, zu tief der Kiel. Der Fairness halber: Es gibt verdammt viele Orte die BEA nicht ansteuern kann – weil sie nicht seegängig genug ist. Aber nur weil die meisten anderen Boote die ich getroffen habe all diese anderen Orte erkunden könnten, heißt das noch längst nicht, das sie es auch machen. Genug von ihnen bleiben in den gleichen sicheren Gewässern wie ich. Es ist nicht wichtig wie groß oder klein dein Boot ist. Wichtig ist, was du damit machst.

 

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  1. Fahrtensegeln ist nicht teuer

Ich höre immer wieder das Fahrtensegeln so teuer wäre. Bootsbesitzer zu sein wäre, als würde man unter einer kalten Dusche stehen und 100$ Scheine zerreisen. Und ich glaube es – es kann bestimmt so sein. In manchen Orten der Welt ist es vielleicht so, ohne jede alternative. Das weis ich nicht – ich war bisher nur in den Niederlanden auf fahrt. Und dort stimmt das eindeutig nicht. Bestimmt kann es auch da teuer sein – muss es aber nicht!

Ich habe BEA für etwa 300€ gekauft. Während meines letzten Törns (7 Tage) habe ich 21€ für Liegeplätze bezahlt. Nicht am Tag – für die ganze Woche. Auf dem Törn davor war es etwa die gleiche Summe – für zwei Wochen inkl. Parkplatz. Für die Bootspflege habe ich in einem Jahr etwa 30€ investiert – und meine kleine ist für ein 37 Jahre altes Schlauchboot in einem verdammt guten zustand. Unterwegs habe ich für Essen nicht mehr bezahlt als ich auch zuhause hätte. Und das war’s. Eine Woche am Strand wäre teurer gewesen. Du hast das Geld für „Party“? Oder einen „normalen“ Urlaub? Dann HAST DU das Geld zum Fahrtensegeln. Und bitte, kommt mir nicht mit so was wie „Komfort“. Klar ist das ein Grund nicht so unterwegs zu sein wie ich – aber dann ist nicht Geldmangel der Grund warum du im Urlaub nicht auf Fahrt gehst sondern du selbst. (Auf die Gefahr hin den einen oder anderen zu verärgern…). Das ist absolut okay – aber bitte, behaupte nicht ständig „Es ist soooo teuer!“. Es gibt eine Möglichkeit es billig zu machen. Punkt, aus, Ende.

 

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  1. Es ist keine Schande um Hilfe zu fragen

Während meinem ersten Törn fiel es mir schwer andere Menschen um Hilfe zu bitten. Ich habe sogar „Nein“ gesagt, als man mir anbot mich zu schleppen – ich war gerade dabei gegen an zu paddeln… Bescheuert das abzulehnen.

Jeder macht Fehler. Du glaubst mir nicht? Geh mal in einen Hafen und sehe den Leuten beim Anlegen zu. Hafenkino eben. Du wirst recht schnell feststellen das es stimmt. Es gibt fast immer Leute die zusehen – und wenn freundlich gefragt wird, wird auch mit Freuden geholfen. Du musst nur fragen – manchmal bekommt man zwar auch ohne zu Fragen Hilfe, aber darauf verlassen sollte man sich besser nicht. Also: Wenn du Hilfe brauchst (was jeder manchmal tut) – Frag einfach!

 

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  1. Multitasking & Navigation

Als ich angefangen habe mit BEA auf Fahrt zu gehen, musste ich mich voll und ganz aufs Segeln konzentrieren. Navigation? Kaum – das Ergebnis findet man im Törnbericht meines ersten Törns mit ihr (Hier). Mehr als einmal bin ich in die falsche Richtung gesegelt, habe den falschen weg gewählt. Aber mit der Zeit habe ich Navigation gelernt. Tatsächlich habe ich durch „learning by doing“ auf BEA mehr darüber gelernt als aus Büchern und im Internet zusammen! Es gibt noch viel für mich zu lernen, trotzdem…

Aber das ist nicht alles – während ich segele und navigiere (mittlerweile dauerhaft – alle paar Minuten wird die Position via Landmarken bestimmt) mache ich Fotos, ein paar Videos, lese ein Buch (ja, ich lese während ich in einer Jolle aktiv segel), mache mir was zu essen, wechsele meine Kleidung und singe ein paar Lieder. Und, so ganz nebenbei, genieße ich noch meine Umgebung.

 

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  1. Du findest Freude wenn du es am wenigsten erwartest

Ich liebe Segeln. Wenn ich mit BEA unterwegs bin hab ich fast immer ein fettes Lächeln im Gesicht. Fast immer. Aber manchmal, manchmal werde ich launisch. Traurig. Während ich auf dem Wasser bin. Der Wind kommt aus der falschen Richtung und ist zu stark. Die Landschaft ist hässlich (z.B. ganz viel Industrie…), es ist kalt, alles ist feucht, jeder Knochen schmerzt, man ist müde… Sprich, einfach alles ist irgendwie gerade doof. Und dann, ganz plötzlich, passiert etwas. Ein Seemann – also jemand, der das beruflich macht, nicht wir Amateure, der einen mit nichts als einem offenen Lächeln und Respekt grüßt, ein Tier das einem folgt und so einen lustigen Blick drauf hat, die Sonne die hinter den Wolken hervor kommt… einfach irgendwas. Manchmal ist es schwer zu sagen was es ist das plötzlich wieder alles zum guten ändert. Meistens reicht es mir schon, wen ich daran denke was für tolle Abenteuer ich hier erlebe. (Nein, ich bin nicht ständig launisch auf dem Wasser – selbst wenn sich das vielleicht Hier so anhört) Am Ede bin ich immer glücklich. Einige dieser harten Momente, gegen den Wind und hohe Wellen, nass bis auf die Knochen und alles um mich herum nur noch grau…. nun, manche dieser Erinnerungen gehören zu meinen liebsten. Denn – verdammte scheiße noch mal! Ich – ICH! – hab das geschafft! Na wenn das mal nicht geil ist!

Am Ende war ich immer glücklich. Ich habe Fehler gemacht. Aber am Ende haben mich die Fehler dahin gebracht wo ich jetzt bin. Und so wie ich das sehe, hatte die drei verdammt tolle Törns – und freue mich schon auf die, die noch auf mich warten!

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  1. Du weißt nicht was Freude wirklich bedeutet…

…bevor du nicht mindest einmal an Land gegangen bist nachdem du stunden lang gegen starken Wind und hohe Wellen gepaddelt hast, die ganze zeit durchgeschüttelt wurdest und du während all dem nur eines machen wolltest: Pissen!

 

Hat’s euch gefallen? Dann lasst doch ein Kommentar da, Teilt den Beitrag und folgt meinem Blog!

Sebastian

5 Comments

  1. Hallo Sebastian, ich wuerde gerne etwas ueber dich und BEA in meinen Blog (deutsch, italienisch, englisch) schreiben. Beste Gruesse, Andreas

    • Hallo Andreas,
      ich freue mich immer wenn andere über meine Kleine und meine Reisen berichten wollen! Falls du Bilder brauchst, kontaktiere mich bitte über das Kontaktformular und schreibe mir exakt, welche Bilder du gerne nutzen würdest, ich habe nicht bei allen Bildern auf diesem Blog das Recht sie weiter zu geben. Desweiteren würde ich mich über eine kurze Info, solltest du etwas veröffentlichen inkl. Link freuen 🙂
      Grüße,
      Sebastian

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