Ein Tag auf dem Wasser

Ich musste mal wieder paddeln. Und nicht nur das ich paddeln musste – ich musste auch auf die Zeit achten. Mindestens bis Witmarsum musste ich kommen, davor gab es keinen Ort an dem ich über Nacht bleiben könnte. Und den größten Teil der Zeit würde es gegen den Wind gehen. Und das wiederum bedeutete, das ich nur langsam voran käme. Um das ganze noch ungünstiger aussehen zu lassen wusste ich auch noch, das es gut sein könnte das ich in Witmarsum nicht bleiben könnte. Die Saison hatte noch nicht bekommen, es war nicht unwahrscheinlich das der Campingplatz noch zu hatte. Während ich mich langsam vorwärts arbeitete schmerzten meine Arme. Trotzdem bemerkte ich, das mir die Landschaft gefiel. Schön hier. Wäre da nicht der Wind, ich hätte es ernsthaft genossen hier unterwegs zu sein.

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In einer kleinen Siedlung mit Häusern, die aussahen als würden hier nur wohlbetuchte Menschen leben wurde ich von einer Frau angesprochen. Sie schien nett zu sein – und so ein Gespräch kann dann doch dabei helfen nicht all zu verrückt zu werden wenn man alleine unterwegs ist. Kurz bevor ich mich verabschiedete bot sie an, mir meinen Müll abzunehmen. Die meisten Mülleimer auf den Marrekrite-Plätzen und in Häfen waren noch abgeschlossen, dementsprechend gerne nahm ich an. Dann ging es weiter.

Ich erinnerte mich daran, das es mir hier schon letztes Jahr gefallen hat. Besonders der nächste Ort gefällt mir. Er ist noch nicht großartig vom Tourismus beeinflusst worden und gerade deswegen hat er einen ganz eigenen Charme. Soll ich vielleicht hier eine Pause machen? Aber nein, ich habe keine Zeit. Also weiter paddeln. Und weiter. Bald macht der Kanal eine Biegung. Jetzt kommt das schlimmste stück – recht lange werde ich nun direkt gegen den Wind paddeln müssen. Nicht, wie bisher immer kleine strecken sondern eine lange. Es war anstrengend und, trotz vieler Versuch, gelang es mir nicht mich im Windschatten zu halten. Warum? Nun, weil es schlicht so etwas wie Windschatten nicht gab! Der verdammte Wind kam einfach von vorne!

Zwischendurch begegne ich ein paar Schafen die irgendwie doof aussehen wie sie da am Ufer stehen und Graß kauen. Ich äffe die Kieferbewegung nach – und sehe vermutlich noch bescheuerter aus. Aber hey, ich finde es lustig. Die Schafe dachten vermutlich ich wäre total durchgeknallt – jedenfalls sahen sie mich so an. Und ich erwiderte den Blick genauso. Während ich weiter paddele folgen sie mir so lange, bis ein Zaun ihnen den Weg versperrt.

Ich war müde. Erschöpft. Es war anstrengend gegen den Wind zu arbeiten. Und: Ich musste echt aufs Klo! Oder zumindest irgendwo hin, pissen…

Aber das schlimmste hatte ich hinter mir. Ich würde nicht mehr gegen an müssen. Und darauf freute ich mich ab dem Moment, in dem ich den nächsten Ort sah – obwohl ich wusste, das es noch ein ganzes Stückchen bis dahin war.

Doch kaum bog ich auf den Kanal nach Witmarsum ab, ging es erst ein paar Meter vor den Wind – und dann wieder gegen an… Argh!

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Als ich schließlich Witmarsum erreichte wusste ich bereits, das ich hier bleiben musste. Alles andere war zu weit weg um es zu erreichen bevor es dunkel wurde. Sowohl Makkum als auch Bolsward sind also keine Option. Also mache ich an den Liegeplätzen neben dem Campingplatz fest. Es sieht nicht gut aus – das Tor das von hier auf den Platz führt ist verschlossen. Aber ich will nicht so schnell aufgeben und laufe an der Windmühle (schön!) vorbei, ein Stück durch den Ort zur Pforte. Hier finde ich auch jemanden – aber obwohl ich versichere das ich keinen Strom, keine Dusche, nicht Mals eine Toilette bräuchte, nur einen Platz um mein Zelt aufzustellen: Die Dame lässt nicht mit ihr reden. Es scheint ihr ja leid zu tun – aber so was machen sie hier nicht, ich darf nicht bleiben.

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Für mich war das ein ziemliches Problem, schließlich musste ich ja irgendwo bleiben!

Zurück bei BEA sah ich mir noch mal die Karte an. Aber – logischerweise – war sowohl Bolsward als auch Makkum zu weit entfernt. Und Harlingen logischerweise auch. Während ich noch auf die Karte starre hält neben mir eine junge Frau mit ihrem Fahrrad an und fragt mich, ob sie mir helfen könne. Kurz schildere ich meine Situation und erfahre dann, das es im Ort ein B&B gibt – angeblich sogar gleich neben dem Kanal! Aber wo…? Gemeinsam, sie auf dem Fahrrad, ich in BEA geht’s zurück in den Ort. Obwohl vier Augen nach dem Bed & Breakfast suchen können wir es nicht finden. Und mit der nahenden Nacht werde ich immer nervöser. Schließlich erzählt die Radfahrerin mir, das es ein kleines Stück außerhalb des Ortes eine Stelle gibt, an der sie und auch andere manchmal eine Pause machen. Der Weg, ein einfacher begraster Feldweg, sei dort etwas breiter. Der platz würde wohl für mich reichen – und ich könnte BEA gleich neben dem Zelt festmachen. Immerhin hätte ich ja alles versucht – da sei das ja wohl okay.

Kaum hatte ich an besagter Stelle das Zelt aufgeschlagen kommt die Frau wieder zu mir. Sie wollte nachsehen ob alles gut gegangen war.

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Nachdem sie sich verabschiedet hat genieße ich den Sonnenuntergang. Wirklich schön – die Frau hatte einen tollen Geschmack. Der Ort ist geradezu perfekt. Ruhig, durch einen Wald bei dem aktuellen Ostwind topp Windgeschützt, mitten in der Natur…. Direkt neben dem Kanal so das BEA bei mir ist. Wirklich toll – und mit Sicherheit sogar schöner als der Camping Platz oder das B&B. Alles in allem war es ein toller Abend.

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 16.03.2015

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Sebastian

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