Dieser Moment

 

Um etwa acht Uhr löse ich die Leinen. Das Wetter ist gut. Die Sonne scheint, der Wind ist nur schwach und so entscheide ich zu segeln. Zwar lagen vor mir einige Brücken aber ich musste einfach segeln. Es würde sich schon eine Lösung finden. Allerdings greife ich doch immer wieder zum Paddle denn nur mit der schwachen Briese kommen wir praktisch nicht vorwärts. Und meine Pläne für den Tag waren ambitioniert, die wollte ich nicht einfach so aufgeben indem ich tatenlos rum treibe. Schon bald erreiche ich die erste Brücke. Statt nun das Segel zu bergen und den Mast abzuteilen löse ich einfach die Achter an der Schot, klappe Baum mit Segel hoch und ziehe das gesamte Rigg, Kaum sind die Wanten gelöst raus. So passe ich unter der Brücke problemlos durch und kann gleich dahinter das Rigg innerhalb kürzester Zeit wieder aufstellen. Alles was ich jetzt machen muss ist, beide Wanten festzubinden. Bei viel Wind würde ich es nicht machen, aber heute ist ja fast flaute.

Die Landschaft war wunderschön und schon bald erreichte ich das nächste Dorf. Klein, sehenswert und eindeutig nicht touristisch. Einige Gebäude könnten vielleicht etwas neue Farbe und Putz vertragen, die Gärten glichen ehr Kinderspielplätzen als Parkanlagen und das Gesamtbild sah einfach nach einem normalen Dorf aus in dem Menschen leben und nicht nach einer Tourismushochburg. Aber gerade deswegen gefiel es mir auf Anhieb sehr gut. Ich mache ein paar Bilder, dann geht es weiter.

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Doch schon bald gebe ich das segeln auf und nach der nächsten Brücke lasse ich das Rigg direkt liegen. Es bringt nichts, die schwache Briese ist in eine Flaute übergegangen und der Baum hat im Weg gehangen.

Obwohl es natürlich mehr Spaß macht durch eine schöne Landschaft zu segeln als zu paddeln ist es doch schön hier zu sein. Gerne wäre ich hier geblieben, aber ich habe Pläne und muss weiter kommen. Schließlich verlasse ich die schmalen Kanäle des Hinterlandes und entere den Kanal nach Makkum. Kurz vor der Stadt erblicke ich mehrere große Plattbodenschiffe am Ufer. Anders als die in Franeker und Harlingen scheinen diese aber in Privatbesitz zu sein und nicht zu kommerziellen Zwecken eingesetzt zu werden. Es sieht ganz so aus als würden Menschen an Bord leben. Was für eine Lage. Mitten in der Natur und doch direkt bei der Stadt.

Dann bin ich in der Innenstadt. Makkum gefällt mir auf Anhieb. Viele alte Bauwerke und eine ganze Reihe von Postkartenmotiven.

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Doch statt die Stadt zu erkunden begebe ich mich, kaum habe ich fest gemacht auf den Deich. Makkum ist nur eine Zwischenstation. Und das nicht wegen der Stadt selbst sondern ihrer Lage. Ich begebe mich auf eine kleine Wanderung über den Deich nach Norden. Mit gefällt die Landschaft gut. Ich komme an einem alt wirkenden Ruderboot vorbei, sehe viele Vögel und habe eine tolle Aussicht über das Ijsselmeer. Und doch nehme ich mir nicht die Zeit die all dies verdient. Schnell schreite ich vorwärts und lasse all die Schönheit weitgehend links liegen. Mein Ziel ist mir klar. Wann ich auf die Idee für diesen… Ausflug gekommen bin weiß ich gar nicht so genau. Als ich am Zeltplatz in Harlingen abgelegt habe hatte ich die Idee nicht. Aber als ich mich Makkum genähert habe war es mir absolut klar. Und wohl auch schon etwas früher. Denn bei einem Blick auf die Uhr den ich noch vor dem Anlegen gemacht habe, wurde mir klar das ich eigentlich gar nicht die Zeit dafür habe. Aber das Herz hat über den Verstand gewonnen. Nun eile ich eben nach Norden. Schließlich verlasse ich den Deich, und überquere auf dem Fußweg eine Autostraße. Auf meinem Weg komme ich an einem Trainingsfeld für Polizeihunde vorbei bis ich schließlich mein Ziel erreiche. Eilig besteige ich den Deich. Dann liegt es vor mir. Die See. Vor mir erstreckt sich, bei bestem Wetter, das Wattenmeer. Ich war da. Und es ist wunderschön. Ich bin alleine, es ist ruhig. Nur der Schrei einiger Möwen und das rauschen des Meeres erreicht meine Ohren. Die Salzige Luft füllt meine Nase aus, ich lächele. Bin glücklich.

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Das ist der Grund warum ich hier her gelaufen bin. Und es war es wert, obwohl ich doch eigentlich gar nicht die Zeit dafür hatte. Absolut die richtige Entscheidung. Diese Aussicht hatte ich einfach noch einmal gebraucht.

Verträumt sehe ich raus aufs Meer, genieße die Aussicht. Ohne darüber nachzudenken nasche ich einen Eierkuchen.

Irgendwie war es so, als würde ich aufhören zu denken und anfangen zu träumen. Und das, obwohl ich doch seit meinem ersten Törn mit BEA wieder träume. Eine der vielen dinge die mir das Segel beigebracht hat.

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Ich wusste das ich gehen musste. Bald. Nein, nicht bald, jetzt. Es war an der Zeit, es war nötig. Ansonsten würde ich nicht mehr mein Tagesziel erreichen. Ich sehe verträumt raus zur See und rufe: „Ich komme wieder!“

Dann drehe ich mich mit Tränen in den Augen um und begebe mich auf den Rückweg.

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 17.03.2015

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Sebastian