BEAs erste Nachtfahrt

Schließlich bin ich fertig mit fluchen und fange an nachzudenken. Viele Möglichkeiten habe ich nicht, ich muss hier durch. Also kommt das Schwert hoch und ich rudere weiter. Schon nach wenigen Minuten bin ich so durchschwitzt, das man denken könnte ich hätte gerade ein Bad genommen. Trotzdem komme ich kaum vorwärts. Immer wieder rudere ich rückwärts und in Kreisen um wenigstens etwas von dem Schilf unter BEAs Rumpf loszuwerden. Ich komme Voran, aber nur langsam. Wie soll ich es da schaffen Workum vor Sonnenuntergang zu erreichen?

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Es bringt alles nichts, ich fluche noch mal und schiebe BEA weiter durch diesen Mist.
Langsam aber sicher kommen wir voran. Nach einer Stunde bin ich durch. Hier und da sehe ich noch Schilfballen im Wasser aber ab jetzt kann ich um sie wie im Slalom herum paddeln. Der Blick zurück ist frustrierend. Die Vergangene Stunde habe ich etwa einhundert Meter gemacht.

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Und mittlerweile ist die Sonne gefährlich nah am Horizont. Aber was bringt es sich darum Gedanken zu machen, das einzige was ich jetzt noch machen kann ist weiter zu rudern. Und genau das mache ich.

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Ich wechsele den Kanal und rudere in Richtung eines kleinen Dorfes. Es sieht süß aus, kaum mehr als ein paar Häuser. Direkt am Kanal liegen Gärten und in einem der Gärten sehe ich etwas, das man schon fast als kleinen Zoo bezeichnen könnte. Hier treffe ich nicht nur Enten, Hühner, einen Hahn, sondern auch ein Schaf und eine Ziege.
Wie eine Familie teilen sie sich den Garten, scheinen sich gut zu verstehen.
Ein Blick zum Horizont erinnert mich an die Zeit. Es ist kurz vor Sonnenuntergang.
Kurz darauf biege ich auf den nächsten Kanal ab, der mit einer Brücke beginnt. Der Kanal soll 50 cm Tief sein doch die Messlatte neben der Brücke ist anderer Meinung. 30 Zentimeter.
Kaum sehe ich dies, geht ein Ruck durch BEA, wir stehen still. Wir sind aufgelaufen. Immerhin ist das schnell geklärt, ich ziehe das Schwert wieder hoch und rudere weiter. Das Rudern ist ehr ein vom Boden abdrücken, aber solange wir gut vorwärts kommen ist es mir egal. Die Chance Workum vor Sonnenuntergang zu erreichen liegt bei null.

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Denn während ich langsam das Dorf verlasse nähert sich die Sonne rasend schnell dem Horizont, in einigen Minuten wird sie wohl untergehen. Soll ich Wild Campen? Schon wieder?
Aber nein, heute ist die Situation eine andere. Der nächste Hafen ist nicht viele Stunden entfernt sondern schon fast in Sichtweite. Naja, oder zumindest die Stadt in der ich den Hafen zu finden gedenke.
Während ich von Brücke zu Brücke rudere geht die Sonne langsam unter. Der Himmel färbt sich rot, die eben noch farbenfrohe Landschaft wird dunkel. Es ist wunderschön. Um von anderen Booten erkannt zu werden mache ich meine Stirnlampe an. Aber welche anderen Boote? Wenn überhaupt, dann können vielleicht Kanuten auf diesen Kanal. Wenn überhaupt.
Aber es ist schön hier, die einbrechende Nacht zeigt mir eine weitere, neue Seite der Landschaft. Es ist einfach doch ein Unterschied ob man die Natur von festem Boden oder dem leichten Schwanken eines Bootes aus bewundern darf.

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Gelegentlich komme ich an Bauernhöfen vorbei, ansonsten umgeben Felder den Kanal.
Die Sonne ist gerade untergegangen als ich Workum erreiche. In die Stadt hinein geht es zwischen hohen Häusern die jegliches Restlicht verschlucken. Abgesehen vom Schein meiner Stirnleuchte ist es hier finster. Wäre das hier eine Gasse, dann würde sie wohl unter die Kategorie „Dunkle, gruselige Gasse“ fallen.
Plötzlich bin ich mitten in Workum. Auf der anderen Seite des Kanal sehe ich im Hafen einen Mann. Schnell bin ich rübergepaddelt und spreche ihn an. Es stellt sich heraus das er der Hafenmeister ist. Und natürlich kann ich bleiben – aber doch besser auf der Anderen Kanalseite, hier wären die Sanitäranlagen noch geschlossen. Im Schein einer Straßenlaterne und der Stirnleuchte stelle ich das Zelt auf was überraschend gut geht. Zum Glück hab Ichs in der Frühe trocken eingepackt, ansonsten hätte ich jetzt wohl ein Problem.
Ich muss lächeln. Auch wenn es nicht lange gedauert hat, BEA hat soeben ihre erste Nachtfahrt absolviert.

 

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 17.03.2015

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Sebastian