Ich kann segeln!

Ich kann segeln! Ein unglaubliches Glücksgefühl übermannt mich. Ich kann segeln! Eine sanfte Briese schiebt BEA durch das Wasser, kleine Wellen hinterlassend. Schilf wiegt, kaum merklich, im Rhythmus des Windes. Neben mir sehe ich einen Fisch im Wasser.

Ich segle.

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Bald schon verlassen wir die Stadt, der Moment lullt mich ein, nimmt mich gefangen und setzt mich frei. Es ist wie ein Traum. Mit einem fetten grinsen im Gesicht ziehe ich leicht an der Schot um die Segelstellung anzupassen. Dann geht es weiter. Genüsslich wandert mein Blick über die Natur. Einige Weiden, viel Schilf. Hin und wieder sehe ich Büsche und Sträucher, Blätter hängen noch keine dran. Das Geäst gibt der Landschaft den Anschein von Wildheit, lässt sie noch schöner wirken. Ein Genuss.

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Das Segel ist gerefft doch auch hier, außerhalb der Stadt und ohne Windschutz ist der Wind weit davon entfernt zu stark zu sein. Mehr als eine angenehme Briese streicht nicht über das Land. Soll ich vielleicht das Reff raus nehmen?

Aber nein, ich habe Zeit. Und ich kann segeln. Warum sollte ich dafür sorgen schneller am Ziel zu sein? Ich bin doch hier zum segeln – und genau das kann ich jetzt gerade machen! Also, kein Grund zur Eile, ich kann ruhig weiter im Schneckentempo segeln. Dann hält es etwas länger an und das ist doch auch toll!

Warme Sonnenstrahlen berühren meine Haut und erhöhen die Glücksgefühle. Es ist einfach toll zu segeln.

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Fasziniert beobachte ich die Spiegelung der Natur im Wasser. Trotz der kleinen Wellen kann man alles gut erkennen. Etwas erschrocken stelle ich fest das ich meine Hygiene wohl doch etwas sehr vernachlässigt habe. Heute Abend wir sich gewaschen – auch wenn das im Kanal nur bedingt Spaß macht.

Plötzlich fallen mir offene Stellen in der Kanalbegrenzung auf. Ein Blick nach hinten zeigt mir, das es nicht die ersten sind. Immer wieder sind die Bretter zerbrochen. Hinter diesen Durchbrüchen bilden sich mal kleine, mal Große Pfützen mit einer ganz eigenen Vegetation. Während vieles hier noch im Winterschlaf zu sein scheint machen diesen einen Lebendigen Eindruck auf mich. Aus der Nähe kann man sogar Fische darin sehen!

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Bei so wenig Wind ist auch das Mast legen an der nächsten Brücke kein Problem. Erst löse ich die Achter und entsichere dadurch die Schot, dann geht’s über die Schläuche nach vorne, die Wanten lösen und das ganze Rigg inklusive Baum und Segel aus der Halterung ziehen.

Gleich kommt noch eine Brücke, also rudere ich kurz. Doch dann kann ich auch schon wieder das Rigg anbauen und segeln. Ein leichter Zug an der Schot, ein schwaches Vibrieren der Pinne. Ich segele.

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Der Kanal macht eine Biegung, jetzt geht es neben einem Radweg nach Süden. Viel zu schnell für meinen Geschmack, liegt dort doch schon Koudum. Und von da ist’s nicht mehr weit bis zum Marrekrite-Platz.

Von Zeit zu Zeit sehe ich ein paar Kinder und Jugendliche auf ihren Rädern und mit Schultaschen. Scheint als wäre die Schule vorbei.

An einer alten Brücke muss ich noch einmal den Mast legen. Es scheint zwar als könne man sie irgendwie öffnen, ich habe aber keine Lust rum zu experimentieren. Geht ja auch so gut.

Der Wind wird langsam stärker und noch bevor ich Koudum erreiche ändere ich meinen Plan. Statt erst in die Stadt zu gehen und dann weiter zu fahren geht’s jetzt direkt zum Marrekrite-Platz. Jetzt gerade kann ich segeln. Wer weiss wie das in ein, zwei Stunden aussieht!

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Anders als zu Beginn des Törns ist es heute keineswegs Windstill hinter dem Deich, der Wind kommt genau aus der richtigen Richtung und schiebt uns nach vorne. Ich genieße die Stadt, wie sie an mir vorbei zieht, die Äcker und das Schilf auf der anderen Seite. Es ist schön. Schon erreiche ich die nächste Kanalkreuzung, muss abbiegen. Gerade so passe ich unter der drei Meter hohen Brücke durch, zwischen Mastspitze und Brücke war fast keine Luft mehr. Es ist wunderschön hier. Ich bin wieder mitten in der Natur. Und ich segle!

Kurz werde ich traurig als mir klar wird, das dies wohlmöglich der letzte Segelschlag dieses Törns sein wird. Doch schon schiebe ich den Gedanken beiseite. Ich segle!

Fast scheint es als wäre ich nicht der einzige dem dies Spaß macht. Angeschoben von einem guten Wind erhebt BEA ihren Bug, beginnt zu gleiten. Sie hat ihren Spaß, stürmt nach vorne, in Richtung De Morra. Lächelnd nehme ich diesen Moment, diese Letzten Meter in mich auf. Es ist wunderschön. Ich liebe meine Kleine, bin ihr so dankbar das sie mir Momente wie diesen ermöglicht.

Ich kann schon den Marrekrite-Platz sehen als sich mir von hinten zwei Motorboote nähern.

 

Lesetipp: Ihr lest gerne Törnberichte? Dann seht unbedingt mal bei Klaus von fahrtenseglers-glück.de rein! Gestern ist der erste Teil seines Berichtes zum vierten Törn herausgekommen. Nach nur wenigen Zeilen saß ich mit einem dicken Grinsen im Gesicht vor dem Bildschirm.

Eigentlich würde der nächste Teil ja Anfang nächster Woche raus kommen. Allerdings bin ich dann auf der Hanseboot, wo ich am Dienstag, dem 03.11. um 13.00 Uhr über meine Törns mit BEA spreche. Daher wird sich der nächste Teil etwas verzögern. Ich freue mich sehr darauf den einen oder anderen auf der Hanseboot zu sehen!

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Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 19.03.2015

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Bilder zum Törn: KLICK

Nächster Teil

Sebastian