Mein Friesischer Winter

Laut schlagen die Tropfen des Regens auf die Zeltplane. Im Inneren ist es unangenehm laut, ich werde aus dem Schlaf gerissen. Laut heulend pfeift der Wind durch das Zelt. Ich bleibe liegen, versuche zu schlafen, die Zeit totzuschlagen. Dann, endlich hört es auf zu regnen. Noch immer heult der Wind aber wenigstens kann ich rausgehen ohne nass zu werden. Das Wetter ist nach wie vor schlecht. Selbst auf dem Kanal haben sich deutlich Wellen gebildet, der Himmel ist dunkel. Unter den Bedingungen kann ich nicht ablegen. Denn der Wind bläst aus genau der falschen Richtung, hier gegen an zu arbeiten wäre vergebens. Ich bin eingeweht. Und dabei hatte ich doch für heute nur die letzten Meter von Stavoren nach Warns geplant! Was für eine Welt – kaum hat der Frühling begonnen wird das Wetter schlecht.

In meinem Kopf beginnt es zu arbeiten. Was soll ich machen – abwettern? Ich habe nichts mehr zu lesen. Und Museen, sofern es sie gibt sind auch nicht mein Ding. Ich habe noch ein paar Tage Zeit bevor ich wieder in Deutschland sein muss. Aber ich bin eingeweht – und das soll sich für die nächsten Tage nicht ändern. Also – was jetzt?

Warten, mit etwas Glück schließlich nach Warns, vielleicht noch mal bis zu De Morra?

IMG_2537

Gemächlich mache ich mich auf den Weg zum Ijsselmeer. Schön ist’s hier. Langsam wird mir klar das hier der Törn endet. Es waren traumhaft schöne zwei Wochen. Und so viel Sonne, damit hatte ich nicht im Traum gerechnet. Da hatte ich ja im Sommer schlechteres Wetter! Es war so schön, ich hatte alles in allem riesig Glück mit dem Wetter. Habe traumhafte Landschaften erkundet, faszinierende Menschen kennengelernt. War am Meer. War viel auf dem Wasser. So mag ich diesen Törn in Erinnerung behalten – und nicht eingeweht, ohne was zu lesen wartend um die letzten Meter noch paddeln zu können. Denn viel mehr würde es wohl sowieso nicht werden. Nein, dafür war es zu schön.

IMG_2542

Verträumt sehe ich raus aufs Ijsselmeer. Eine steile See hat sich gebildet, der Wind spielt mit meinen Haaren. So schön.

Schließlich meldet sich mein Magen, er will gefüllt werden und so geht es durch die Stadt zum Supermarkt.

IMG_2551

Nicht viel später mache ich mich dann auf den Weg nach Warns. Die halbe Strecke habe ich zurückgelegt als ein Auto neben mir stark bremst und stehen bleibt. Drinnen sitzt der Hafenmeister – der mir anbietet mich auch gleich mit zum Hafen zu nehmen. Davor muss er zwar noch nach Stavoren, etwas abholen doch bei dem tristen Wetter ist’s mir recht nicht laufen zu müssen. Und so steige ich dankbar ein.

IMG_2574

Schließlich steht das Auto in Stavoren, nur wenige Meter neben der Brücke zur Insel. Kein offizieller Parkplatz, aber wen soll es schon interessieren? Und selbst wenn, ich bin ja da, notfalls parke ich eben um.

Es ist schon alles verstaut als ich mit der Entscheidung hadere. Vielleicht doch bleiben? Es ist einfach so wunderschön hier! Hätte ich noch etwas neues zu lesen wäre die Entscheidung einfach. Doch so… Ich bin eingeweht – für mehrere Tage, wenn ich bleibe. Und danach reicht die Zeit nicht mehr um irgendwo hin zu kommen. Mehrere Tage Zeit absitzen, nein, das mag ich nicht. Besonders wenn ich am Ende doch nirgendwo mehr hin käme.

IMG_2578

Mit einem Grinsen beobachte ich eine Yacht die durch die Schleuse aufs Ijsselmeer hinaus fährt. Die Besatzung dürfte sich über das Wetter freuen. Das hier soll für sie Schwerwettertraining werden. Da dürften stärkere Winde willkommen sein. Ich lasse mir Zeit, beobachte wie die Yacht sich langsam entfernt. Es ist schön hier. Ob ich wohl wieder kommen werde? Ich hoffe es. Nein, ich werde bestimmt irgendwann wieder kommen. Nur wann? Im Sommer? Im Winter? Mit BEA – oder einem anderen Boot? Dieses Jahr? Oder erst in einer ferneren Zukunft? Ich weiß es nicht, alles ist möglich, alles ist offen. Schweren Herzens entferne ich mich vom Ijsselmeer, gehe zum Auto. Es fällt mir schwer Abschied zu nehmen.

IMG_2592

Doch dann denke ich an all die Erfahrungen.

Die Hilfsbereitschaft des jungen Landwirtes, der mit geholfen hat BEA übers Feld zu ziehen und so viele Stunden harter Arbeit erspart hat. Meinen Tag auf der Insel mit dem Geisterboot. Der Wunderschöne Segelschlag von Heeg nach Sneek. Die Unglaubliche Freundlichkeit der Profis auf dem Van Harnixmakanal. Das Wattenmeer. Die Studentinnen die ich nach meiner Wattwanderung getroffen habe. Den Tag auf Vlieland. Die freundliche Radfahrerin in Witmarsum. Mein kurzer Ausflug ans Meer von Makkum aus. Meine erste Nachtfahrt. Der Ausflug nach Hindeloopen. Den überraschenden Segeltag zwischen Workum und De Morra. Das Zusammentreffen mit dem Kanuten. Und, gerade gestern, dieses kleine Naturparadis gleich neben Stavoren, von dem ich, wie von so vielen anderen, nichts geahnt hatte. Es war ein wunderschöner Wintertörn. Mein Friesischer Winter.

10436136_823629044386040_7102848833147434375_n

Damit endete mein zweiwöchiger Törn durch Friesland im März. Ich bin selbst überrascht wie viel ich unterwegs erlebt habe. Nicht im Ansatz habe ich damit gerechnet ganze acht Monate über diesen einen zweiwöchigen Törn zu bloggen. An dieser Stelle möchte ich mich für all die Rückmeldungen bedanken – es hat mich sehr gefreut!

Und umso mehr freut es mich, dass es hier auch wie gewohnt weiter geht. Denn ich war noch ein drittes Mal mit BEA in Friesland unterwegs und habe ein paar Orte besucht, die ich mir bisher noch nicht so genau angesehen habe. Also, bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße,

Sebastian

 

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 21.03.2015

Zurück zum Anfang des Törns: KLICK

Bilder zum Törn: KLICK

Sebastian