Unter Segeln in den Sonnenaufgang

Wecker im Urlaub sind doof. Und so drücke ich ihn die ersten zwei mal einfach weg. Schließlich, um 05.45 Uhr verlasse ich das Zelt. Ich habe gestern bewusst wenig ausgepackt und so kann ich schon bald damit beginnen das Zelt abzubauen. Der Horizont beginnt gerade damit sich rötlich zu färben als ich die Leinen löse und das Segel hisse.

Eine angenehme Briese schiebt BEA das kleine Stück den Kanal herunter und raus auf den See. Bald wird die Sonne aufgehen, noch ist nicht viel zu erkennen. Und so lege ich nach Gefühl Kurs an. Ich mag auf den Kanal in Richtung De Fluezen.

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Der Wind ist ein Traum. BEA schiebt sich mit einem angenehmen Tempo durchs Wasser, bestimmt zwei Knoten. Es ist angenehm, ich habe noch genug Puffer um mir keine Sorgen wegen des Windes machen zu müssen. Sie wiegt sich etwas in den kleinen Wellen und sorgt damit für ein wohliges Gefühl bei ihrem Skipper. Ich liebe einfach dieses leichte Schwanken.

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Allmählich geht die Sonne auf doch noch ist sie nicht ganz hinter dem Horizont hervorgekrochen. Da bemerke ich ein Problem mit meinem Kurs. Prinzipiell ist er richtig, ich halte auf den Kanal zu. Allerdings haben Fischer Pflöcke vor der Kanaleinfahrt ins Wasser geschlagen, auf meinem Aktuellen Kurs würde ich mitten in das Feld segeln! Mit Sicherheit gibt es Leinen und Netze unter Wasser, durchsegeln dürfte selbst mit BEA nicht möglich sein. Und da der Wind aus Osten kommt muss ich nun ein Stück gegen an.

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Das Segel wird dicht geholt und steht jetzt fast mittig. Ich bolze gegen die angenehme Briese. Überrascht stelle ich fest das ich tatsächlich ein Stückchen gegen den Wind ankomme. Allerdings wird mir zeitgleich klar das dies so keinen Sinn macht. Einerseits segel ich so vom Sonnenaufgang weg – und ich mag ihn doch beobachten! Andererseits kostet es mich viel Zeit und ich mache nur geringe Fortschritte. Also greife ich zum Paddel und fange beherzt an zu rudern. Das Segel halte ich mit dem Fuß in der Mitte, es killt laut im Wind. Nach einigen Schlägen wird das Paddel wieder verstaut. Vielleicht reicht es ja. Und so richte ich BEA wieder aus, dieses Mal bewusst auf den äußeren Pfahl zuhaltend und segel wieder.

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Der Sonnenaufgang ist traumhaft. Der ganze Himmel hat sich orange rot gefärbt, die Sonnenscheibe erhebt sich langsam über dem Horizont. Ich bin alleine auf dem Wasser und genieße das Naturspektakel aus vollen Zügen. Es wäre ja schon schön das hier mit jemandem zu teilen.

Glucksend schiebt sich BEA weiter in Richtung des Kanals. Immer wieder muss ich den Kurs korregieren. Es scheint als würden wir ganz langsam abgetrieben werde. Mittlerweile kann ich die Pfosten recht deutlich erkennen die mir hier den Weg versperren. Ich werde noch einmal zum Paddel greifen müssen. Aber noch spare ich es mir. Wenn ich da bin kann ich immer noch paddeln, dann weiß ich auch genau wie viel nötig ist. Jetzt genieße ich einfach den Segelschlag mit dem Sonnenaufgang querab. Das Segel ist gut gefüllt und ich nähere mich auf halbem Wind den Netzen. Den Sonnenaufgang beobachte ich unter dem Segel hinweg. Die Geräuschkulisse lullt mich ein. Das leise Glucksen von BEA. Der Wind der über den See hinweg weht und das Schilf beugt. Einzelne Wellen die gegen BEA schlagen. Ein Vogel der in der ferne ruft. Alles ist leise, fast still. Ein Blick zurück zeigt mir die Reihe der Yachten die am Marrekrite-Platz liegen. Sie verpassen etwas.

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Schließlich bin ich kurz vor den Netzen und packe das Paddel aus. Es ist halb so wild, ich muss nur etwa zehn Meter rudern. Doch bei dem tollen Segelwind mag ich keinen Meter unnötig rudern und so passiere ich den äußersten Pfahl so knapp das BEAs Backbordschlauch ihn fast berührt hätte. Fast.

Der neue Kurs ist ganz klar: West. Vorbei an dem Hotel mit Hafen und anschließend noch De Kuliart, dann geht es über die Seen weiter.

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Langsam beginnt der Tag. Noch ist alles ruhig, ich bin alleine. Doch die Sonne ist nun aufgegangen, das orange-rot weicht mehr und mehr dem blau des Tages. Mit einem breiten Lächeln sitze ich auf dem Steuerbordschlauch. Ich kann mir keine schönere Art den Tag zu beginnen vorstellen. Perfekter Segelwind. Ein tolles Revier. Ein traumhafter Sonnenaufgang. So kann es weiter gehen.

Die Ereignisse in diesem Teil geschahen am 29.08.2015

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Sebastian