Meine Boot 2016

Boot 2016 Sebastian Janotta

Auf der Bühne auf der größten Wassersportmesse der Welt

Bereits kurz vor der Hanseboot bekam ich eine Mail. Ob ich nicht Lust hätte auf der Boot in Düsseldorf über meine Törns zu sprechen? Ein solches Angebot bekommt man nicht alle Tage – erfreut sagte ich zu.

Am letzten Januarwochenende war es dann so weit. Auf dem Weg in meine neue Heimat – Cuxhaven – legte ich einen Stopp in Düsseldorf ein. Am Eingang traf ich mich mit Susanne von Millemari. die mir meine Karten gab, dann ging es zunächst zu den Segelrebellen. Diese hatten einen eigenen Stand – unverkennbar am pinken Teppich. Neben netten Gesprächspartnern gab es hier auch die Single von Claus, die ich mir mit Freuden kaufte. Besonders sein Lied „Ich geh segeln“…. toll. Und das, obwohl es eigentlich gar nicht mein Stiel ist!

Doch schließlich war es an der Zeit, ich wollte ja auch noch anderes von der Messe sehen. Also ab, zu den Booten. Bereits im Voraus hatte ich erfahren, das mehrere Hersteller von Schlauchsegelbooten auf der Messe vertreten waren. Doch als ich dann, kaum hatte ich die Halle mit den Booten betreten über den ersten Stolperte war ich dann doch überrascht. Ein, zwei, drei, nein vier Hersteller von Schlauchsegelbooten beziehungsweise Besegelungen für Schlauchboote vielen mit innerhalb von kürzester Zeit auf. Es folgten interessante Gespräch mit den Verkäufern.

Boot 2016

Und damit auf Langfahrt um Europa…?

Neben den Schlauchsegelbooten standen dort auch noch andere – etwas ungewöhnliche – Boote. So der Katamaran von Andreas Gabriel bestehend aus zwei zusammengebauten Kanus! Mit diesem Selbstbau ist er rund Europa gesegelt. Etwas das bereits so ein Abenteuer ist wusste er noch zusätzlich anspruchsvoller zu gestallten indem er das ganze ohne Geld machte!

Jedenfalls hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit Andreas. Auch er wohnt an der deutschen Nordseeküste und wusste mir einige Anregungen zum passenden Boot für mich für mein neues Revier zu geben. Das Problem dabei: Ich hatte doch gedacht ich wüsste was ich wolle! Und jetzt waren meine Vorstellungen vom passenden Boot wieder geschrumpft!

Schließlich erreichte ich die Bühne des Segel Centers. Wow! Das war größer als ich erwartet hatte. Sicher, ich hatte Bilder gesehen. Aber das… Nun doch etwas nervös beschloss ich mich abzuwenden und erstmal anderes anzusehen. Hier sollten doch irgendwo die Sailing Conductors sein! Und die Bio Bente. Nur wo….? Zwischen auf hochglanz pollierten Plastikdampfern die mich nicht so ganz ansprechen wollten ging es hindurch, auf der Suche nach den etwas anderen Booten.

Schließlich war es an der Zeit. Ich war mit Susanne und Holger Peterson verabredet. Denn auch er durfte heute auf die Bühne des Segel Centers. Ein, soviel sei gesagt, vollauf gelungener Vortrag. Obwohl ich ihn bereits auf der Hanseboot gehört hatte machte es viel Spaß seinen Worten zu lauschen.

Etwas später fand ich mich in der Halle fürs Zubehör wieder. Meine Suche nach Bente und den Sailing Conductors hatte ich für heute aufgegeben. Ich brauchte noch eine neue Jacke. Mein Ölzeug, mit dem ich bereits 2012 meinen Sportbootführerschein Binnen bei der DJH Segelschule gemacht hatte und das mich somit während meiner gesamten Seglerischen „Karriere“ begleitet hatte war durch. Die drei Törns mit BEA hatten es geschafft. Marken wie Helly Hansen und Gill lagen außerhalb meiner Preislichen Möglichkeiten. Also suchte ich die Stände der großen Händler auf. Dort würde man sicherlich die günstigeren Hausmarken anprobieren und auch kaufen können!

Aber was war das? Die Stände bestanden aus einem Showroom. Verschiedene Größen, Anprobieren…? Fehlanzeige. Und dabei wollte ich doch eine neue Jacke für Cuxhaven! Doch was nicht da ist kann man nun mal nicht kaufen. Ich zog unverrichteter Dinge ab. (Wenig später habe ich dann eine reduzierte Jacke im Netz bestellt. Seit einigen Tagen renne ich hier jetzt mit einer Helly Hansen Jacke rum.)

Langsam wurde es Zeit, ich begab mich zur Segel Center Bühne. Bald würde ich dran sein. Da oben.

Sebastian Janotta Boot 2016

Foto by Point of Sailing Marketing GmbH — Es its offiziell…

Ich hörte noch das Ende des Vortrags von Jimmy Cornell. Jimmy Cornell! Auf einer Bühne, auf der ich gleich stehen würde! Zwischen uns war nur noch Boris Herrmann. Der war allerdings Krank und Wurde von einem PR-Menschen vertreten. Gut war der Vortrag trotzdem. Zwischendurch lies ich mich verkabeln. Das heißt eigentich wurde ich nicht verkabelt sondern bekam nur kurz gesagt wo ich Mikrofon und das Klick-Ding für die Bilder finden würde. Natürlich könne man mir auch so ein Headset geben damit ich freie Hände hätte. Doch dabei sei die Sprachqualität deutlich schlechter. Und die freien Hände brauchte ich nun ja nicht wirklich.

Dann war es so weit. Die Bühne war frei, ich wurde angekündigt. Und dann… gings los.

Nach einer kurzen, ungeplanten Fragerunde versuchte ich meinen Vortrag auf die Reihe zu bekommen. Man, war ich nervös. Extrem nervös. Zu meiner Rechten zeigte ein Bildschirm mir, welches Bild gerade auf der Leinwand angezeigt wird. Doch das vergaß ich immer wieder und blickte doch nach hinten. Viel schlimmer war allerdings die Anzeige auf der linken Seite. Denn die zeigte mir die Uhrzeit. Und als ich mit meinem Vortrag durch war, blieben mir noch mehr als zehn Minuten. Einen Teil davon schaffte ich zu überbrücken doch dann…

…Rettete mich die Moderatorin, indem sie mich noch einmal interviewte. So schafften wir es letztlich das es doch gut wurde.

Nervlich fertig ging ich von der Bühne. Nur um die hören das der Vortrag toll gewesen wäre. Und tatsächlich. Man hatte mir aufmerksam zugehört. Bei der einen oder anderen Geschichte von Unterwegs herzlich gelacht. Trotzdem schwor ich mir vor dem Vortrag am nächsten Vormittag noch mal alles durchzugehen. Aufgrund der Umzugsvorbereitungen war ich kaum dazu gekommen den Vortrag zu üben.

Abends ging es dann zu meiner Heldin des Sloter Meeres. Die Crew der Lilith, jener Yacht die mir 2014 aus der Patsche geholfen hatte, hatte mich 2015 über den Blog wieder entdeckt, auf der Hanseboot hatten wir uns wieder getroffen.

Gemeinsam gingen wir was essen und verbrachten einen tollen Abend.

Am nächsten Morgen, als ich alleine in der Küche saß packte ich meine Notizen aus. Es war der gleiche Zettel, den ich schon auf der Hanseboot genutzt hatte. Nur das er mittlerweile deutlich zerfleddert und stark blau gefärbt war. Aber egal. Alles war lesbar. Dabei fiel mir einer der Gründe auf, warum es zeitlich nicht geklappt hatte: Ich hatte ja mehrere Stellen vergessen!

Ich markierte mir diese zusätzlich und nahm mir eine halbe Stunde Zeit. Mit 29 Minuten war es fast eine Punktlandung. Dann ab zur Straßenbahn, einmal quer durch die Stadt, einmal Umsteigen in die U-Bahn, dann noch ein paar Meter laufen und ich war auf der Messe. Was sollte ich heute eigentlich machen? Ich war absolut unentschlossen was mein nächstes Boot werden würde. Was hier ausgestellt wurde passt größtenteils nicht. Und was tatsächlich gepasst hätte, war neu zu teuer. Und ohne zu wissen was für ein Boot es werden würde gab es auch nicht sonderlich viel Interesse an den ganzen Ausrüstungsteilen. Außerdem, wenn eines klar war dann das: Ich wollte ein möglichst simples Boot, ohne viel schnick schnack. Je einfacher, desto besser.

Aber warte! Ich wollte doch mal zu den Sailing Conductors! Und mir ein paar Vorträge anhören!

Bei den Sailing Conductors und Marianne… :)

Bei den Sailing Conductors und Marianne… 🙂

Anders als am Tag zuvor fand ich sie heute recht schnell. Zwar war Marianne am Rand der Halle schon etwas abseits, doch zwischen all den hochpolierten weißen Yachten war sie eine angenehme abwechslung. Doch spätestens als ich hörte das man besser Überschuhe anziehen sollte wenn man an Bord gehen wollte winkte ich ab. Denn diese dienten nicht etwa dafür das Boot sauber zu halten. Sondern die Halle! Denn Angeblich hatten die beiden Segler Marianne in all den Jahren die sie unterwegs waren nicht ein mal gesäubert. Das kann doch nur ein Märchen sein! Oder?

Bei den Sailing Conductors traf ich auf zahlreiche Segler, die mir aus verschiedensten Facebookgruppen bekannt waren. Etwas überrascht war ich, als die Sailing Conductors mich nach BEA fragten. Doch dann fiel mir ein, das wir uns auf der Hanseboot kurz unterhalten hatten.

Schließlich machte ich mich auf in Richtung Segel Center Bühne.

Kurz begrüßte ich meine Eltern und ihre Freunde, sprach mit einem Blogleser den ich bereits in der Vergangenheit auf dem Silbersee in Bobenheim-Roxheim getroffen hatte (und zwar ohne uns abzusprechen!), dann begab ich mich in Richtung Bühne. Die Düsseldorfer Segler waren fertig, jetzt war ich dran. Also ab auf die Bühne. Und plötzlich ging alles ganz einfach! Ich wusste was ich sagen wollte, schaffte es nicht (oder fast nicht) nach hinten auf die Leinwand zu blicken. Bei den gelegentlich Blicken zur Uhr auf der anderen Seite konnte ich mich entspannen. Ich lag exakt im Zeitplan. Es wurden immer mehr Zuhörer und ich hatte das Gefühl das die Leute mir interessiert zuhörten. Ein echt tolles Gefühl!

Foto by Point of Sailing Marketing GmbH -- alles läuft wie geschmiert...

Foto by Point of Sailing Marketing GmbH — alles läuft wie geschmiert…

Schließlich kam ich zum ende. Es war 11.59. Also praktisch genau pünktlich. Zu meiner Überraschung kam die Moderatorin auf die Bühne und stellte mir Fragen. So wollte sie beispielsweise wissen, was ein junger Segler bräuchte für einen tollen Törn.

Die Zeit verging. Ich konnte es kaum glauben. Sie überzog um mehrere Minuten! Und das, obwohl nach mir Abby Ehler, Skipperin vom Team SCA beim Volvo Ocean Race mit ihrem Mann auf der Bühne war! Wow!

Foto by Point of Sailing Marketing GmbH -- Nach mir ging es etwas rasanter weiter

Foto by Point of Sailing Marketing GmbH — Nach mir ging es etwas rasanter weiter

Unglaublich glücklich verließ ich schließlich die Bühne. Gerade am Ende (Danke Abby Ehler!) war es richtig voll geworden. Überhaupt, ich hatte mich bereits im Voraus über meine Plazierung im Programm freudig amüsiert. Denn an beiden Tage war entweder vor oder nach mir ein erfolgreicher Regattasegler auf der Bühne gewesen. Viel größer kann der Kontrasst im Segelsport nicht mehr werden. Im einen Moment Hochseeregatten. Im nächsten Segeln mit BEA.

Alles Bio oder was?

Alles Bio oder was?

Später schlenderte ich ein wenig über die Messe, sah mir die Bio Bente an, unterhielt mich mit verschiedenen leuten. Ansonsten war ich noch viel im Publikum der Segel Center Bühne. Ganz besonders gefiel mit der Vortrag von Emily Penn. Sie sprach über das Plastik in den Meeren. Ein ausgesprochen großartiger Vortrag. Man lernt was, wird inspiriert, nachdenklich. Und zugleich begeistert sie einen. Wirklich – absolut empfehlenswert. Ich kann nur jedem den Tipp geben: Wenn sich für euch die Möglichkeit ergibt ihr zuzuhören: Macht es! Es ist ein wichtiges Thema und sie weiß, wie man es rüber bringt.

Emily Penn Boot 2016

Foto by Point of Sailing Marketing GmbH — Emily Penn hält einen unglaublich spannenden Vortrag

Schließlich begab ich mich zu einem Seglertreffen bei den Segelrebellen, das in einem Brauhaus in der Altstadt endete. Dort traf ich Zahlreiche Segler und Segelblogger. Es gab spannende Gespräche – nicht nur mit Thorsten vom Smutjeblog und Judith von Einfach Segeln.

Am nächsten Tag ging es dann für mich mit dem Smart nach Norden, in meine neue Heimat Cuxhaven.

Fast zwei Wochen später stolperte ich zufällig über einen Link zur Boot. Was ich da vorfand konnte ich kaum glauben: Da hatte man, zusammen mit Segelprofis wie Emily Penn, Jimmy Cornell Abby Ehler und Boris Herrmann auch auf meinen Vortrag hingewiesen! Und – ich war scheinbar der einzige, der das bisher nicht gewusst hatte! Also wirklich Leute: Wieso haut ihr mir das nicht um die Ohren? Ich sehe sowas doch nicht…

 

Kleine Anmerkung: Ich habe den Beitrag erst zwei Wochen nach der Boot geschrieben. Daher kann es gut sein, das ich in der Reihenfolge Fehler habe und einzelnes vergessen habe. Ein ganz großes Danke an all die tollen Menschen die ich (wieder) treffen durfte! Ebenfalls ein ganz großes Danke an Point of Sailing für die Einladung, Organisation, Betreuung vor Ort und die Bilder sowie meine Lektorin Susanne von millemari. für die Hilfe.

 

Fazit: Es hat mir riesig Spaß gemacht – gerne wieder. Die Boot ist alleine durch ihre unglaubliche Größe eine beeindruckende Messe auf der man viele interessante Menschen treffen kann. Und auf einer so großen Bühne zu stehen war eine tolle, neue Erfahrung für mich. Ich hoffe das eines Tages wiederholen zu können. 🙂 

Sebastian