Der Traum vom Meer

Rawr…. :D

Rawr…. 😀

Ich stehe unter Beschuss. Ohrenbetäubend prasseln dicke Regentropfen auf das Zelt und reißen mich aus dem Schlaf. Es ist ungemütlich und ich kuschle mich tiefer in den Schlafsack. Bewaffnet mit einem guten Buch versuche ich mich in die Traumwelt zu flüchten. Es ist ungemütlich. Doch schließlich zwingt mich meine Blase das Zelt zu verlassen.

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Brückenöffnung für eine Segelyacht. Da wartet man doch gerne

Draußen erwartet mich eine seltsame Überraschung. Was sich drinnen wie der Beginn einer Sinnflut angehört hatte stellt sich als einfacher Nieselregen heraus. Seltsam. Aber gut, denn davon lasse ich mich nicht aufhalten. Und so finde ich mich schon bald auf dem Weg in die Innenstadt. Ich habe am Vorabend vergessen was für’s Frühstück einzukaufen. Während ich also richtung Supermarkt schlendre bleibe ich plötzlich vor einem Schaufenster stehen. Ein Käsegeschäft! Ob sie wohl Brokkel haben? Im Winter habe ich diesen Käse auf dem Markt hier in Harlingen kennen gelernt. Kösstlich. Ich überlege kurz ob ich das auf Niederländisch hin bekomme, zucke schließlich mit den Schultern und betrete den Laden. Die Verkäuferin lächelt mich an während ich mich abmühe ihr zu sagen was ich gerne hätte. Und tatsächlich: Es klappt, sie versteht mich. Und noch bevor ich weiß wie mir geschieht schneidet sie einen Streifen vom Leib ab und reicht ihn mir zum probieren. Genüsslich lasse ich den Käse auf der Zunge zergehen während ich begeistert nicke. Ja, den meinte ich.

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Moderne Schiffe auf der einen…

Es dauert nicht lange bis ich wieder im Zelt liege und lese, während ich am Käse knabbere. Das Wetter ist irgendwie trist, ich bin nicht sonderlich motiviert größere Ausflüge zu unternehmen. Ich mag es lieber gemütlich angehen lassen. Es wird schon noch aufhören zu regnen. Und so lange kann ich es mir auch hier drinnen gemütlich machen.

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und Strand auf der anderen Seite

Endlich hat es aufgehört zu regnen. Der Himmel ist zwar noch immer grau – aber das war ja auch gemeldet und wird sich wohl heute nicht mehr ändern. Ich hatte ursprünglich mal vor gehabt heute schon weiter zu segeln. Da ich nur eine Woche Zeit habe wäre es die einzige Möglichkeit gewesen um noch richtig Strecke zu machen. Denn der Wind, oh ja, der Wind… und natürlich die Zeit. Aber ich mag mich nicht abstressen. Aber ich will lieber entschläunigen. Gewissermaßen Slow Sailing.

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Und nur wenige Meter weiter die Riggs der Traditionssegler

 

Und so habe ich irgendwann – wann eigentlich? – beschlossen es langsam angehen zu lassen. Ich werde eben nicht Harlingen nach Osten sondern nach Süden verlassen. Und nicht heute sondern morgen. Dafür habe ich einen ganzen Tag in dieser tollen Stadt und am Meer. Immerhin: Ich bin überzeugt das es nicht ewig dauern wird bis ich wieder am Meer bin. Dafür spielt es mittlerweile einfach eine viel zu große Rolle in meinem Leben.

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Was für ein Anblick…

 

Nach einem Selfie mit einem Löwen geht es entlang der Häfen in der Altstadt ans Meer. An der Brücke muss ich kurz warten, sie ist geöffnet und erlaubt so einer Segelyacht den Hafen zu verlassen. Ein klein wenig neidisch beobachte ich die Crew. Wie gerne würde ich es ihnen gleichtun und in See stechen. Ich schließe die Augen und atme tief durch. Bald. Nächste Saison werde ich in See stechen. Bestimmt.

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Ein Fischer auf der Nordsee vor Harlingen

Schließlich erreiche ich den Außenhafen. Statt nach Süden betrete ich den Deich, der den Außenhafen schützt. Hier sind nicht nur weniger Spaziergänger unterwegs, man hat auch eine großartige Aussicht. Auf der einen Seite all die großen Boote. Von modernen Polizei- und Seenotrettungskreuzern bis zu großen Traditionsseglern mit ihren beeindruckenden Gaffel- und Rahsegeln ist alles vertreten. Dahinter Harlingen mit seinen hübschen Häusern.

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Harlingen, oh Harlingen. Es hat einfach seine Gründe warum ich diese Stadt liebe.

Auf der anderen Seite das Meer. Bei gutem Wetter kann man bis zu den Inseln sehen. Aber heute ist das Wetter nicht gut, der Horizont ist grau. Und doch so schön. Immer wieder überrascht es mich wie das Meer es doch schafft alles schön aussehen zu lassen. Über Land hätte ich diesen grauen Himmel mit Sicherheit als trist empfunden. Doch so….

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Im Winter bin ich mit der Fähre noch nach Vlieland gefahren…

Auch die wenigen Spaziergänger habe ich hinter mir gelassen als ich das Ende des Deiches erreicht habe. Die nächsten Menschen sind nun auf dem Wasser, immer dann wenn ein Fischer oder ein Segler den Hafen verlässt. Und von zeit zu Zeit eine Fähre mit ihren Passagieren. Alleine bin ich trotzdem nicht, Möwen treiben sich in meiner Nähe herum. Gemütlich lasse ich mich nieder blicke aufs Meer und auf die Stadt. Die meiste Zeit beobachte ich die Boote bei ihrem Treiben. Den Fischer draußen auf dem Meer mit seinen großen Netzen.

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Eines der vielen Plattbodenschiffe in und um Harlingen. Allerdings eines der wenigen die bei dem wenigen Wind die Segel gesetzt haben.

Die Segelyacht die unter Motor den Hafen verlässt. Oder das Plattbodenschiff das, kaum liegt der Hafen achtern seine Segel setzt, den Diesel ausschaltet und langsam davon segelt. Was für ein toller Anblick. Perfekt um sich darin zu verlieren.

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Genug gefischt. Ab nach Hause.

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Eines der wenigen Bilder von mir von unterwegs, die ich nicht persönlich aufgenommen habe. Danke!

Ich träume. Träume vom Segeln. Vom Meer. Nächste Saison, kaum mehr als ein halbes Jahr in der Zukunft. Irgendwie, irgendwo würde ich in See stechen. Mir Salzluft um die Nase wehen lassen. Delfine, Wahle, Robben oder Seehunde sehen. Oder? Nein, noch besser: Und!

Vor meinem inneren Auge war ich bereits jetzt auf See. Seltsamerweise war dabei das Wetter genau so wie in diesem Moment. Ein grauer Himmel. Nichts mit Gutwettersegeln. Seltsam. Doch irgendwie reizte mich das Raue fast noch mehr.

So vieles war noch offen. Nur eines wusste ich mit absoluter Sicherheit. Ich musste ans Meer. Aufs Meer. Und zwar nicht nur im Urlaub sowie paar lange Wochenenden.

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Hauptsache raus aufs Meer…

Schließlich, ich habe mehrere Stunden am Ende des Deiches gesessen und aufs Wasser raus geschaut erhebe ich mich. Morgen geht es auf jedenfall weiter. Ich will noch ein wenig durch Harlingen streifen. Und außerdem muss ich ja auch irgendwann mal meinen Liegeplatz bezahlen. Und so mache ich mich auf den Weg zurück in die Stadt.

 

Übrigens: Die Stelle an der ich in diesem Beitrag gesessen habe hat es mir so sehr angetan, das ich sie sogar in meinem Harlingen-Artikel empfohlen habe!

Die Ereignisse in diesem Beitrag erlebte ich am 31. August 2015

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Sebastian

2 Kommentare

  1. Harlingen – eine schöne Stadt. Wir waren schon zwei mal da und werden bestimmt wieder kommen. Was sich auch lohnt ist mit der Fähre rüber nach Terschelling und dann mit den Rädern die Insel erkunden.

    • Oh ja, Harlingen ist toll. Im Winter war ich für einen Tag nach Vlieland, tolle Insel. Terschelling kenne ich noch nicht, hoffe aber das zu ändern. Und wer weiß – vielleicht brauche ich ja nächstes mal keine Fähre… ?
      Grüße,
      Sebastian

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