Nachts am Meer

Es ist mitten in der Nacht als ich aufschrecke. Ein starker Wind pfeift durch den Hafen. Er fällt vom Deich herab, genau auf das Zelt. Und so wird es durchgerüttelt, macht krach. Sofort bin ich hellwach, alleine die Vorstellung in Kürze wieder einzuschlafen erscheint mir unmöglich. Und so schäle ich mich aus dem warmen Schlafsack, schlüpfe in warme Kleidung und verlasse das Zelt. Puh. Ist das windig. Kaum zu glauben. Vor wenigen Stunden war das Meer flach. Flaute. Und jetzt heulen starke Böen durch die Altstadt von Harlingen.

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Als ich mich plötzlich am Deich wiederfinde bin ich selbst einwenig überrascht. Ohne es geplant zu haben, haben mich meine Beine ans Meer getragen. Gemütlich schlendere ich den Schutzdeich des Vorhafens entlang. Dabei ändert sich ganz langsam meine Perspektive. Nicht nur das die wahrhaft majästätische Aussicht aufs Meer immer besser wird. Ein wahres Lichtermeer. Leuchtfeuer und Blinklicht von verschiedenen Bojen. Die Lichter der Schiffe die noch unterwegs ist. Und zwischen all dem heult der Wind. Unglaublich. Fast schon magisch. Ich bin absolut überwältigt. Mittlerweile stehe ich am Ende des Abschlussdeiches. Das Meer ist nur ein Teil des Bildes. Denn auf der anderen Seite des Vorhafens liegt Harlingen. Oh Harlingen…. was für ein traumhafter Anblick bei Nacht. Obwohl ich ihn bereits vergangene Nacht und erst vor wenigen Stunden gesehen habe – ich könnte mich an dem Anblick satt essen. Traumhaft.

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Instinktiv wandert meine Hand zur Kamera – aber die ist nicht da.* Liegt im Zelt. Egal. Nein, fast noch besser. Denn so gehört dieser Moment nur mir. Gemütlich blicke ich hinaus auf’s Meer. Immer wieder schlagen die Brecher gegen den Deich. Und je länger ich bleibe, desto mehr Details kann ich erkennen. Die Wellen sehen böse aus. Brecher stehen in der Hafeneinfahrt. Ich kann nur hoffen das der Wind in einigen Stunden, wenn ich los möchte etwas schwächer wird. Denn solang er so wütet wie in diesem Moment, solang kann ich mit BEA nicht aufs Wasser.

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Doch schon schüttel ich leicht den Kopf. Was mach ich mir für Gedanken. Zum einen: Das Wetter ist, wie es ist. Daran kann ich doch eh nichts ändern. Zum anderen: Selbst wenn heute den ganzen Tag stürmt, ich bin hinterm Deich – nicht vor ihm. Es gibt nur wenige, kurze Strecken die ich gegen den Wind muss. Und ich werde wohl paddeln müssen, bei all den Brücken.

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Schließlich muss ich doch gähnen. Langsam wieder müde werdend reibe ich mir den Sand aus den Augen und mache mich gemächlich auf den Rückweg. Solang ich noch auf den Deich bin genieße ich den Wind, der mir die salzige Luft in die Nase treibt. Ich liebe es hier zu sein. Am Meer.

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Doch auch nachdem ich das Meer hinter mir gelassen habe und durch die Menschenleeren Gassen von Harlingen in Richtung Yachthafen schlendere genieße ich meinen nächtlichen Spaziergang. Denn auch hier ist es wunderschön. Kaum zu glauben, das vor wenigen und in wenigen Stunden hier Menschenmassen unterwegs waren. Jetzt ist hier außer mir niemand. Die alten Gebäude mit ihren festlichen Lichtern und Lampen bieten ein imposantes Bild. Doch dann biege ich in eine der kleinen Gassen ein, lasse die Lichter hinter mir. Und doch… es ist einfach schön hier.

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Am Zelt angekommen kontrolliere ich die Abspannleinen und Heringe. Alles gut.

Nachdem ich wieder im Schlafsack liege dauert es nur wenige Augenblicke bis meine Augen zufallen und ich tief und fest eingeschlafen bin.

 

Die in diesem Beitrag geschriebenen Ereignisse stammen vom 31.08./01.09.2015.

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*Die Bilder in diesem Beitrag habe ich bei meinem Spaziergang am Abend (letzter Beitrag) aufgenommen.

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Sebastian