Ein Boot für die Nordsee

Das brauche ich. Eindeutig – schließlich bin ich gerade nach Cuxhaven gezogen. Und mit BEA von hier aus Törns unternehmen? Lebensgefährlich. Da sind zum einen die Winde. Die würden BEA regelmäßig an ihre Grenzen bringen. Und natürlich die Strömung. Egal ob Wattenmeer oder Elbmündung: Für ein Boot, das ein Durchschnittstempo von knapp über einem Knoten hat könnte das übel ausgehen. Klar, im Wattenmeer kann man praktisch überall einen Anker werfen. Aber dann sind da immer noch die Seegatten. Und ganz abgesehen davon: Überall darf man ja gar nicht hin – schließlich ist das hier Nationalpark mit Schutzzonen.

Und die Elbmündung? Naturschutz ist da ja nicht das Thema. Aber zwischen den großen Pötten mit BEA zu segeln? Dann doch lieber im Wattenmeer…

Also, ein neues Boot muss her. Neu muss es natürlich nicht sein. Ein Boot aber schon.

Nur was? Der Markt gibt viel her, von der Rennziege zum gemächlichen Fahrtenschiff ist alles dabei. Kleine Jolle oder Weltumsegler, ein, zwei oder drei Rümpfe? Die Auswahl ist riesig. Mit einem Blick aufs liebe Geld schrumpft sie schon einmal ein wenig zusammen. Den heißen Aluminium Kimmkieler der nebenbei auch noch hochseefähig ist und so viel Wohnkomfort bietet wie so manche Wohnung? Da müsste ich noch viele Jahre sparen. Mag ich aber auch nicht. So ein großes Boot… was soll ich damit?

Klein soll es sein. Nicht so klein wie BEA – ich würde schon gerne drauf schlafen können. Ankern – alleine bei dem Gedanken fange ich an zu träumen.

Klein also.

 

Jolle oder Kleinkreuzer?

Entweder oder. Ich mag Jollen, Jollenwandern ist toll. Sehr gerne würde ich das auch weiter machen. Aber dafür müsste ich eine Jolle finden mit der ich an einem Wochenende mal gemütlich über die Elbmündung segeln könnte. Oder in die andere Richtung, nach Ostfriesland. Zumindest aktuell tu ich mir mit der Vorstellung schwer mich auf die Häfen in direkter nähe – sprich Hamburger Wattenmeer – zu beschränken. Wäre doch ein wenig doof? Hinzu kommt, das ich ein Boot will das sich entweder alleine aufrichtet oder aber von einer Person bei gutem Wind und Seegang wieder aufgerichtet werden kann. Somit fallen tolle Boote wie der Schwertzugvogel gleich raus.

 

Seegängig

Das soll es sein. Auf jeden Fall. Ich mag mir nicht schon bei 4 Windstärken genau überlegen müssen ob der Wind nicht zu stark ist. Da könnte ich ja auch gleich mit BEA lossegeln. (Okay, nicht ganz….)

Mir ist klar, das es gerade auf der Elbmündung schnell ungemütlich werden kann wenn der Wind aus der falschen Richtung weht – und natürlich gegen den Strom. Aber ein bisschen was sollte das Boot dann doch aushalten können.

 

Kiel

Also wohl ein Kielboot. Kiele gibt es viele. Langkieler, Kurzkieler, Schwertkieler, Kimmkieler, Hubkieler…

Mein persönlicher Favorit wäre wohl ein Kimmkieler. Damit kann ich wohl am bequemsten trockenfallen. Alternativ könnte ich mir aber auch ein Hubkieler vorstelle. Wichtig: Ich mag keinen Plazebokiel. Da soll schon was drinnen sein, ein ordentlicher Ballastanteil fände ich nicht schlecht.

 

Segeleigenschaften?

Juckt mich recht wenig. Ob ich jetzt einen halben Knoten mehr oder weniger segle ist mir… egal. Doch, wirklich. Ich bin lieber länger unterwegs oder unterteile einen Schlag in zwei Schläge, die ich dafür auch dann noch machen kann, wenn der Wind sich mal erlaubt über 3-4 Beaufort zu steigen als immer wieder zitternd den Wetterbericht zu überprüfen und mich ständig im Hafen zu verstecken. Regattasegler bin ich nicht. Und wenn ich eben nicht ganz so nah an den Wind komme… dann mache ich eben einen Kreuzschlag mehr.

 

Wohnkomfort?

Hm. Ich will an Bord schlafen können – auch vor Anker. Ideal wäre natürlich, besonders mit Hinblick aufs Ankern, wenn man auch mal was kleines Kochen könnte. Ansonsten ist das aber zweitrangig. Luxus beim Segeln ist für mich der Wind in den Haaren, das Blau um mich herum und das leise Rauschen der Wellen. Und dafür brauche ich weder einen Backofen, noch einen Kühlschrank…. oder ein Klo.

Und wehe an Bord gibt es einen Fernseher. Der fliegt dann aber in hohem Bogen raus…

 

Das liebe Geld…

…Setzt natürlich Grenzen. Oh, wäre da nicht der Autounfall im Januar. Und die Umzugskosten. Das Boot könnte wohl fast das Doppelte kosten – und ich könnte es sofort haben. Natürlich mag ich gerne bald ein Boot kaufen um möglichst schnell und unabhängig auf dem Wasser zu sein. Aber: Ich warte lieber noch ein, zwei Monate um mir dann ein Boot zu kaufen das mich wirklich längerfristig glücklich macht als jetzt etwas zu kaufen, bei dem ich von vornherein sage: Für ein, zwei Saisons okay. Mehr aber auch nicht.

Also mag ich statt Geld lieber ein paar Boote nennen die mich ansprechen und in meiner Preisspanne liegen – oder es bald werden.

 

Beispiele

 

Natürlich schon mal eine Leisure. Selbstverständlich als Kimmkieler. Die 17er ist putzig und eine Option. Für ein Kajütboot ist sie aber für mich an der Untergrenze von dem, was ich als Seegängig genug für mich erachte. Schließlich ist das Revier vor Cuxhaven nicht das gemütlichste. Und dann sind da natürlich noch Törn(traum)pläne für die Zukunft. Da wird es irgendwann eng werden.

Oder eine Etap. Ich mag Etap. Ich weiß, die Meinungen gehen da weit auseinander. Von richtigen Fans bis „Langsame, langweilige Enten“ gibt’s alles. Ich mag sie. Ich hab ein großes Vertrauen zu den Etaps – auch den Kleinen. Außerdem finde ich sie gemütlich, innen wie außen.

Bei den Etaps kommt für mich aus preislichen Gründen nur die erste Generation in Frage – also die ohne Buchstaben. Und zwar entweder die 20er oder die 22er. Beide Boote habe ich schon einmal live gesehen, beide haben mir sehr gut gefallen. Oh – und natürlich beide nur aus Hubkieler.

Oder eben doch eine Jolle. Immer mal wieder wandern meine Gedanken z.B. zu einem Kielzugvogel. Auf einem SZV habe ich segeln gelernt, den kann man aber nun mal nicht alleine (und bei mehr Wind auch nicht mit Crew…) aufrichten. Bei einem KZV kann ich mir das hingegen vorstellen. Es gibt ihn als Hubkieler – somit könnte man wohl auch trockenfallen.

Letztich werde ich mich irgendwann entscheiden müssen. Ein erstes Boot – eine Leisure 17 – habe ich mir schon angesehen, da hat aber der Zustand nicht gepasst.

Denn der sollte schon vernünftig sein. Ich will dieses Jahr schon segeln. Und nicht schrauben. Streichen. Basteln.

Falls also einer von euch ein Boot, das für mich passend ist rumstehen hat, jemanden kennt oder einfach eine Idee hat, welcher Bootstyp noch passen könnte: Nur raus damit! Gerne in den Kommentaren oder per Mail (Kontaktformular).

 

Sebastian

8 Kommentare

  1. Wenn’s preislich knapp ist, evt. holländische Stahlboote. Kosten fast nichts, wird man allerdings auch nicht wieder los. Sind nicht schnell, Können allerdings auf Sand nicht aufrecht trockenfallen, und machen mehr Arbeit.

    • So schön die Stahlboote auch sind… Die Seegängigen sind mir zu groß – und haben zu viel Tiefgang. Daher ist das leider keine Option :s

  2. Hallo Sebasian,
    Das Revier von Cuxhaven ist sicher ein schönes, aber auch ein anspruchvolles. Da hat nur ein seegehendes Boot etwas zu suchen. Bei Wind gegen Strom auf der Außenelbe hat man ganz schnell eine Situation wie bei wesentlich mehr Wind weiter draußen. Plus dichtete n Berufsverkehr. Ein Jolle (auch KZV) unter diesen Umständen ist schon fast ein Notfall schon bevor etwas passiert. Meiner Meinung nach sind 22 ft arg wenig, 25 oder 26 sind da entschieden besser. Selbstlenzendes Cockpit, und möglichst Einbaudiesel – im Hack der Außenelbe hilft ein Außenborder nichts, wenn die Schraube die Luft quirlt. Und für Neuwerk etc. nicht mehr als etwa 1.0 – 1.1 m Tiefgang. Hubkiel oder Kimmkiel ist Geschmackssache, ich mag keine klappernden Sachen unterm Schiff und keine Stellen, an die man nicht ran kommt, aber das sollte kein entscheidendes Kriterium sein, wenn einem das Boot ansonsten gefällt. Und in der Größenklasse gibt es reichlich auf dem Markt. Sogar in den Anzeigen der Tageszeitungen. Heute (22.3.) z.B. eines im Weserkurier. Ansonsten mal in NL suchen, da ist das Angebot noch größer. Achte auf end Zustand der Segel, kann in der Preisklasse in KO-Kriterium sein.

    • Danke für deine Hinweise. Mir ist bewusst das gerade das Revier vor Cuxhaven sehr ungemütlich werden kann. Doch damit werd ich mich arrangieren müssen. Ein Boot, das meinen Anforderungen entsprich in der von dir genannten Größenordnung und Ausstattung gibt es in meinem preislichen rahmen kaum. Und ehrlichgesagt… Ich mag kleine boote lieber… ?
      Grüße,
      Sebastian

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