Unwetter in Ijylst

 

In der Ferne sehe ich eine dunkle Wolkenfront, die der Wind in meine Richtung treibt. Wie dunkelgraue Vorhänge sieht der Regen aus, den die Wolken bringen. Übel. Und ungemütlich. Immerhin, BEA ist gerefft, das sollte schon klappen. Besonders da ich auf dem Kanal bin.

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Außerdem: Ijylst liegt voraus. Vielleicht schaffe ich es ja in die Stadt bevor die Front ankommt. Dann kann ich fest machen, gemütlich was essen und warten bis sie vorüber zieht.

Und wenn nicht – nun, dann kann ich daran auch nichts ändern. Für den Moment ist das Wetter noch gut und so genieße ich es über das Easterhimmer Mar zu segeln. Die Landschaft ist ein Traum und vor mir liegen einige atmosphärische Häuser mit ebenso schönen Booten die leise im Wasser schwimmen.

Als die Eisenbahnbrücke vor mir ist kann ich es kaum fassen. Die ist ja auf!

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Nicht das sie normalerweise nie auf währe. Aber durch die festen Fahrzeiten der Züge ist sie eben doch recht häufig geschlossen. Und das nicht nur für paar Minuten sondern durchaus länger – wenn man zur falschen Zeit ankommt kann man schnell eine ganze Zeit lang warten. Da lohnt es sich schon festzumachen und das Segel zu bergen. Denn auf so eine akrobatische Aktion wie bei meinem ersten Törn hätte ich keine Lust mehr.

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Zwischen den Häusern geht es durch zur nächsten Brücke. Auch wenn ich eigentlich gehofft hatte vor der Regenfront im Ort bei der Brücke zu sein – das hier muss ich genießen. Die Häuser vermitteln einem das Gefühl durch ein Freilichtmuseum zu segeln. Einfach toll.

 

Die nächste Brücke ist geschlossen. Und geschlossen. Und geschlossen. Muss ich jetzt etwa doch vorklettern? Ein Blick auf die Tafel zeigt, das ich noch in der Zeitspanne bin, in der sich die Brücke gewöhnlich öffnet. Nicht wirklich begeistert von der Idee den Mast abbauen zu müssen erlaube ich mir einen mittellauten Ruf. Kann ja nicht schaden.

 

Und tatsächlich! Man hat mich schlicht übersehen – so kleine Boote, selbst wenn sie kunterbunt sind, ist der Brückenwärter einfach nicht gewohnt! Und so bin ich kurz darauf wieder unterwegs. Kurs: Ost

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Ich hab gerade die ersten Häuser von Ijylst hinter mir gelassen als sich die Pforten des Himmels über mir öffnet. Es Schüttet als würde jemand Eimer auslehren.

 

Eilig schlüpfe ich in mein Ölzeug. Zum ersten Mal beweise ich mir selbst, das es richtig ist auch die Ölzeughose immer griffbereit liegen zu haben. Hätte die jetzt in einem der Seesäcke gesteckt, meine Hose kltisch nass gewesen bevor ich sie auch nur gefunden hätte.

Doch auch so bedarf es einer gewissen akrobatischen Übung um auf meiner kleinen die Hose anzubekommen. Denn die ist begeistert von meinen Bewegungen und den Winden – und schwingt hin- und her. Nur der auffrischende Wind verhindert, das Baum und Segel dabei gegen mich schlagen.

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Dafür macht BEA, kaum ist wieder ruhe in meine Bewegungen gekommen richtig Fahrt. Die Häuser, bei denen ich mich frage ob sie nicht besser als Mittelmeer gepasst hätten, liegen schon bald hinter mir und ich segle unter der nächsten Brücke hindurch. Wie ein kleines Kind freue ich mich. Ich finde es einfach toll, das ich hier in Friesland unter (fast) allen Brücken durchsegeln darf – und sie auch für mich geöffnet werden. Wobei – bei dieser speziellen war ich ja jetzt doch nicht alleine.

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Es schüttet noch immer, meine Motivation bei dem Regen auf dem Wasser sein ist gering. Das ist bestimmt nur eine kleine Front, bald wird die Sonne wieder rauskommen. Da bin ich mir sicher. Und bis dahin, so denk ich mich, kann ich mich doch auch einfach ins Imbiss am Kanalrand verholen. Schnell ist das Segel geborgen, BEA festgemacht. Und ein vor Wasser triefender Segler betritt die Imbissbude.

Mein Magen knurrt. Was Essen? Eine Portie Patat met Mayonaise – Pommes mit Mayo. Ganz klar. Aber wäre es nicht toll auch mal wieder etwas Fleischiges zwischen die Zähne zu bekommen? Denn auch die sogenannten Fleischbestandteile so mancher Pasta und Suppe aus der Tüte kann ich nicht wirklich als Fleisch betrachten. Und so entscheide ich mich dafür noch eine Frikadelle hinzu zu bestellen. Aaah… lecker!

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Meine Annahme bestätigt sich. Bis ich fertig bin mit Essen ist es schon längst aufgeklart. Wieder tolles Segelwetter – genau wie vor der Regenfront. Also raus aufs Boot, Segel setzen und leinen Lösen. So schön Ijylst auch ist – heute geht es für mich nach Sneek. Und das, obwohl ich ja eigentlich noch etwas früh bin… aber dann kann ich mir vielleicht auch heute schon die Stadt ansehen. Kann ja nicht schaden.

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Der Ortsausgang von Ijylst hat zwei Seiten. Links Industrie. Recht ein kleiner Sportbootthafen und eine Windmühle. Ganz klar wo man da hinsieht. Denn so eine Windmühle hat einfach was…

Mit dem gerefften Segel ist BEA nicht übermäßig schnell. Doch ich habe Zeit und genieße es auf dem Wasser zu sein. Der See gefällt mir. Er ist lang, aber nicht übermäßig breit. Zumindest im Vergleich mit den Friesischen Meeren – wenn ich da an meinen heimischen Baggersee denke… aber das ist ja was anderes. Ich habe etwa den halben See hinter mir, als die ersten Stand Up Paddler an mir vorbei eilen. Heute ist hier ein Rennen – irgendwas mit Elf Stedten Tochten… Bisher war mir das nur als Schlittschuhwettlauf bekannt. Doch scheinbar wird die Route auf viellerlei weiße für Rennen benutzt. Und jetzt eben auch für StandUp Paddler.

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Obwohl es ein Wettkampf ist, der auch, den Gesichtern der Teilnehmenden nach zu urteilen, sehr ernst genommen wird lächeln mich fast alle beim begegnen an zu grüßen. Toll.
Der See liegt hinter mir, ich habe Sneek erreicht. Büro- und Industriegebäude heißen mich willkommen. Nur gut das ich auch so weiß, das Sneek einen tollen Stadtkern hat. Zumindest soweit ich das vom Wasser aus gesehen habe. Ansonsten hätten so manche dieser Fassaden wohl das Potential mich abzuschrecken. Andererseits – wäre es in Harlingen nicht ähnlich? Und auch Leuwaarden hat auf mich beim ersten Törn einen schlechten Eindruck hinterlassen – nur damit ich später höre was für eine tolle Stadt das wäre. Aber klar: Wer nur einen Kanal sieht, auf dem Kräftig gebaut wird…

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Doch dann bin ich da. Vor mir liegt das Waterpoort, das Wahrzeichen Sneek’s. Und mit ihm, die historische Altstadt.

 

Die Ereignisse in diesem Beitrag geschahen am 02.09.2015.

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Sebastian

2 Kommentare

  1. Toller Törnbericht. Habe ihn duch Zufall gefunden und begeistert gelesen. Das Datum glaube ich aber nicht. Oder kann Bea auch durch die Zeit reisen? 😉
    Gruß Thorsten

    • Ups… danke für den Hinweis! Sollte natürlich 2015 heißen…
      Freut mich das es dir gefällt 🙂
      Viele Grüße,
      Sebastian

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