Abenteuer Sneek

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Vor dem Waterpoort biege ich ab. Ein schmaler Kanal führt um die Altstadt herum, immer wieder erlauben es Brücken den Fußgängern das Wasser zu überqueren – als Segler muss man warten. Aber immerhin: Das überhaupt mitten in so einer großen Stadt regelmäßig die Brücken geöffnet werden – selbst wenn man nur mit einem Schlauchsegelboot da ist – ist einfach toll.

IMG_1232Die Zeit auf dem Kanal genieße ich, beeindruckende Gebäude stehen auf beiden Seiten des Wassers. Dann, ich habe gerade die letzte Brücke erreicht, werde ich von einem Beamten der Stadt angesprochen. Ich soll bitte am Kanalrand festmachen. Gleich würde hier ein großes Schiff durch fahren.

Hä? Groß – und hier durch? Nun gut, werde ich ja sehen. Zunächst passiert… nichts. Gut das ich nicht richtig fest gemacht habe. Statt einem Knoten halten meine Hände die Leine. Reicht doch auch.

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Dann sehe ich was da kommt. Unglaublich. Ein großes Frachtschiff – kein Hochseetanker aber doch, ein ausgewachsener Binnenfrachter, schiebt sich in Richtung Brückenöffnung. Unwillkürlich wird mir klar, das ich mit meiner Kleinen noch nie so nah an so einem Riesen gewesen bin. Naja – zumindest während die sich bewegen. Aber dieser ist langsam. Extrem langsam. Selbst BEA wäre schneller. Doch kein Wunder – zwischen den Yachten die am Kanalrand festgemacht haben passt er ja nur gerade so durch. Was wohl die Eigner davon halten? Ich finde ja schon die ein bis zwei Meter die meine Kleine von dem Kollos trennen beängstigend wenig. Bei den Yachten dürfte der Abstand stellenweise deutlich unter einem Meter liegen. Ich würde vermutlich einen Anfall bekommen. Wenn da was passiert… so schnell kann doch niemand reagieren. Und – wie auch? So eng wie das ganze ist….

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Ein großer Vorteil der Langsamen Fahrt des Frachters wird mir erst klar, nachdem dieser fast schon an mir vorbei ist. Kein Sog. Kein Wellenschlag. Nun, oder zumindest fast keiner.

Statt noch alle Wassersportler passieren zu lassen schließt sich die Brücke, kaum hat sich der Riese hindurch gequält. Bei den Menschenmassen, die über sie strömen wird der Grund aber auch schnell klar.

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Doch schon bald geht es für mich weiter, die letzten Meter segle ich quer über eine Art Kanalkreuzung, bevor BEA an einer ruhigen Stelle festgemacht wird.

Ab in die Innenstadt. Noch habe ich ja ein paar Stunden Zeit. Mein endgültiges Ziel für heute ist der Marrekrite-Platz gleich vor den Toren der Stadt. Ich kenne ihn schon, bereits im Winter habe ich dort eine Nacht verbracht. Auch wenn es vielleicht nicht der idyllischste ist, die Lage gleich vor den Toren der Stadt ist einfach toll. Aber jetzt heißt es erst mal Sideseeing.

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Die Stadt ist überwältigende. Alte Bauten in beeindruckendem Zustand bilden den Stadtkern. Geschäftsmäßig gibt es wohl alles was man gebrauchen kann – nur das ich eigentlich nichts kaufen will. Außer vielleicht ein paar Lebensmittel im Supermarkt. Aber genau den kann ich hier nicht finden. Wobei ich ehrlich zugeben muss: Sooo sehr habe ich ihn auch nicht gesucht. Stadtdessen flaniere ich die Straßen entlang, bewundere die Gebäude, werfe einen Blick ins Tourismusbüro und gönne mir schließlich ein leckeres Eis. Schokolade. Und wie Schokoladig das ist! Man kann ja vieles über die Niederländer sagen. Aber süß – das können die einfach. Während ich in der Sonne sitze und mein kühles Eis genieße erfreue ich mich des munteren Treibens um mich herum. Ich mag ruhe und Einsamkeit auf dem Kanal. Menschenmassen… brauche ich nicht unbedingt. Aber jetzt, hier zu sitzen, die Massen zu beobachten… das macht irgendwie Spaß. Ganz besonders dann, wenn mal wieder eine hübsche Frau in meinem Alter vorbei kommt.

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Und jetzt? Eigentlich ist es noch zu früh. Ich habe noch Zeit. Ein Museum? Aber nein, dafür bin ich nicht der Typ. Nochmal durch die Stadt laufen? Hm… nein, dafür bin ich gerade zu faul. Auch der Markt, an dem ich eben vorbei gekommen bin kann mich nicht so recht locken.

Erschrocken stelle ich fest das ich mit der unerwarteten Zeit nichts anfangen kann. Natürlich könnte ich sie nutzen um weiter zu segeln. Und sei es auch nur einmal über das Sneeker Meer. Denn auf der anderen Seite gibt es einen wirklich tollen Marrekrite Platz an dem ich auch zelten darf. Eine verlockende Vorstellung, doch dann müsste ich morgen den ganzen weg zurück paddeln. Denn morgen kommt der Wind auch Westen – alles was ich heute nach Osten segle wird mich morgen teuer zu stehen kommen. Schließlich stehe ich auf und mache mich auf den Weg zurück zu BEA. Nur… wo bin ich noch mal?

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Schnell ist das Problem gelöst, der Kanal gefunden und sich an ihm orientiert. Zwar muss ich noch ein ganzes Stück laufen um zur richtigen Brücke zu kommen – BEA liegt auf der anderen Seite – aber dann bin ich wieder bei ihr.

Das Segel gesetzt, die Leinen gelöst nehme ich Kurs Süd. Oder doch eher Südost….

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Hier liegen statt Yachten überwiegend große Plattbodensegler, wie immer ein toller Anblick. Es ist Klassenfahrtsaison wie es scheint – auf mehreren der Boote tümmeln sich Schulklassen. Und eine ist ganz besonders begeistert von meiner Kleinen.

Doch der Wind schiebt uns immer weiter nach Süden, raus aus der Stadt und weg von den Menschenmengen. Die großen Gruppen verschwinden und dann, kurz bevor ich in Richtung Marrekrite-Platz abbiege bin ich fast alleine.

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BEA wird festgemacht, das Zelt aufgebaut. Dabei hätte ich noch Stunden Zeit. Eine neue Erfahrung für mich. Spät dran sein? Sich fragen ob man es noch vor Sonnenuntergang ans Ziel schafft? Klar, immer doch. Aber… zu schnell gesegelt zu sein? Plötzlich viel zu früh festmachen? Zu viel Zeit haben? Das ist neu.

Und so nutze ich die Zeit für einen Spaziergang über die Insel und mehrere Kapitel zu lesen. Abends gibt es mal wieder Tütenfutter, bevor ich einen tollen Segeltag ausklingen lassen werde. Etwas wehmütig. Denn ich bin mir nicht sicher ob ich noch mal die Segel während dieses Törns setzen werde. Ob dies schon der letzte Tag war, den ich mit BEA auf Törn gesegelt habe?

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Die Ereignisse in diesem Beitrag geschahen am 02.09.2015

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Sebastian