Wassersport bei den Lamas

Kaum bin ich hinter der Insel kommt Ruhe ins Boot. Ich bin im Windschatten, vorwärtskommen wird einfach. Meine erschöpften Arme schaffen es gerade noch das Paddel durchs Wasser zu ziehen und so für eine geringe Fahrt zu sorgen. Begierig wandern meine Augen über die Insel. Hoffentlich ist es eine….

Schnell wird klar: Das hier ist nicht eine Insel. Es sind Inseln. Immer wieder gibt es schmale Spalte zwischen den Inseln, über die ich mit BEA wohl auch nach Süden käme. Doch angesichts der deutlich sichtbaren Welle auf der Südseite bleibe ich dann doch lieber hier. Außerdem sind die Inselchen schön. So voller Natur!

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Ja, hier herrscht wahrlich die Natur. Selbst der Wohnwagen der auf einer der Inseln steht – wie er da wohl hin gekommen ist? – ist überwuchert mit Pflanzen. Irgendwie ein schönes Bild.

Doch dann endet die Inselkette und ich bin wieder auf offenem Wasser. Doch führt mich mein neuer Kurs nicht mehr direkt gegen den Wind und so schaffe ich es ohne größere Probleme das letzte Stück bis zum Kanal hinter mich zu bringen. Endlich! Das schlimmste sollte jetzt hinter mir liegen. Zumindest hoffe ich das.

Der Blick nach Norden ist ein wenig frustrierend. Stunden habe ich auf dem See verbracht – und noch immer liegt Sneek gleich im Norden. Selbst zu Fuß wäre ich wohl deutlich schneller gewesen.

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Der Kanal selbst ist gemütlich. Grün, viel Schilf. Die meiste Zeit sehe ich weder Sneek noch Ijylst, die doch eigentlich nur ein kleines Stück im Norden liegen. Feste Brücken führen über den Kanal und verhindern so, das ich auf jenen Abschnitten mit Halbwind segeln kann. Denn ständig Mast stellen und legen – das wäre mir hier zu stressig.

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Doch trotz aller Schönheit die mich umgibt, in erster Linie beschäftigt ich mich mit mir selbst. Dieses mal allerdings weder Gedanken über den Sinn des Lebens und sonstige Philosophische Überlegungen, noch Träume und Pläne. Nein, was mich beschäftigt ist weitaus banaler. Ich habe Hunger. Abgesehen von ein paar Tüten mit Nudeln habe ich nichts mehr zu essen. Und dabei hab ich noch nicht mal gefrühstückt!

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Etwas verdrossen und mit knurrendem Magen schaue ich auf die Wasserkarte. Aber es hilft nicht – der nächste Supermarkt von dem ich weiß gibt es in Heeg. Da kann sich mein Magen noch so sehr beschweren. Früher gibt es nichts zu essen. Und dort werde ich wohl erst am Nachmittag ankommen. Und selbst das nur dann, wenn es mir gelingt auf dem letzten Kanalstück zwischen Ijylst und Heeg zu segeln – was ganz von den dort herrschenden Winden abhängt. Theoretisch solle ich auf halbem Wind mit einer frischen, aber nicht zu starken Briese konfrontiert sein die mich gut bis zum Ortseingang bringen würde. Soweit die Theorie. Doch mich nicht so recht aufs Wetter zu verlassen, dass hatte ich schon letztes Jahr lernen müssen.

Immer wieder fängt es kurz an zu Schütten, nur um wenige Minuten später wieder aufzuhören. Obwohl ich unter meinem Ölzeug fürchterlich schwitze lasse ich es an, das unbeständige Wetter lässt mir keine andere Wahl.

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Endlich erreiche ich Ijylst. Für einen Moment überlege ich mich auf den Weg ins Ortsinnere zu begeben und nach einem Supermarkt zu suchen. Doch ein Blick auf die Wasserkarte hält mich davon ab. Es wäre doch noch einmal ein deutlich Umweg – alles in allem wohl grob eine Stunde. Das Risiko ist es mir nicht wert, am Ende komme ich Erst heute Abend zum Essen. Und das will ich ganz gewiss nicht.

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Wie so häufig liegen Boote neben den Häusern am Kanal, hier sind es ausschließlich Motorboote. In Anbetracht der Brücken eigentlich keine Überraschung.

Schließlich biegt sich der Kanal erneut, jetzt geht es nach Süden. Am Nordufer grasen einige Scha…

Halt, warte. Verdutzt reibe ich mir die Augen und schüttele den Kopf. Das kann doch nicht sein!

Sind das etwa… Lamas?

Schnell halte ich die Kamera in der Hand und drücke wieder und wieder auf den Auslöser. Das kann doch nicht sein!

Und doch, hier, mitten in der niederländischen Provinz Friesland grasen gleich am Kanalrand… Lamas.

Gemütlich kommt eines der weißen, fluffigen Tiere auf mich zugetrotten und starrt mich an. Breit grinsen blicke ich zurück.

Tiere unterwegs? Klar. Kühe, Schafe, Katzen, Hunde, Ziegen, Enten, Pferde – jedes mal schön, aber keine große Überraschung mehr. Man sieht sie eben regelmäßig. Aber ein Lama?

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Laut knurrend erinnert mich mein Bauch daran weiter zu paddeln. Ich will nach Heeg – genauer gesagt: Zum Supermarkt. Und so lege ich mich ins zeug. Trotzdem überholt mich schon bald ein Motorboot. Zu spät komme ich auf die Idee eine Leine hochzuhalten und um ein Schlepp zu bitten. Aber ob ich es gemacht hätte, selbst wenn ich dran gedacht hätte? Vermutlich hätte mein Dickschädel mir am Ende doch wieder im Weg gestanden.

Der Kanal nach Süden hat was, irgendwie ist er gemütlich. Stimmungsmäßig bin ich seit den Lamas wieder bester Laune, selbst das durchsetzte Wetter kann daran nichts ändern. Das hohe Schilf verhindert das ich weit sehen kann und so packe ich die Kamera kurzerhand weg. Von dem Bild hab ich genug Aufnahmen. Kurz vor der Kurve nach Westen wird der Kanal breiter, fast schon ein kleiner See. Auf der Ostseite sehe ich sogar einige kleine Wellen die mich daran erinnern was gleich auf mich wartet: Westwind. Direkt auf die Schnauze. Kaum reckt sich BEA’s Bug aus dem schützenden Schilf packt er mich und zwingt wieder einmal den faulen Skipper dazu, sich mit aller Kraft (und Gewicht) aufs Paddeln zu Konzentrieren. Kurs: West. Doch schon bald, ja schon Bald werde ich auf dem Kanal nach Heeg sein. Nur noch vorbei an einem Marrekrite-Platz, dann hab ich’s geschafft. Dann geht es, vielleicht sogar unter Segel, nach Heeg. Grimmig lächelnd tauche ich das Paddel ins Wasser und ziehe durch.

Die Ereignisse in diesem Beitrag geschahen am 03.09.2015.

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Sebastian