Rezension: Allein über den Atlantik – Johannes Erdmann

Rezension

Am Abend vor dem Beginn meines ersten Seetörns traf ich mich mit Johannes und Cati Erdmann (zu-zweit-auf-see.de) auf ihrer Yacht Maverick, kurz bevor sie ihre Atlantikrunde beendeten. Im laufe des Abends bekam ich auch Johannes Buch über seine erste Atlantiküberquerung. Eigentlich war ich gerade ein anderes Segelbuch am lesen und legte es daher zur Seite. Doch dann übermächtigte mich die Neugierde: Ich liebe Bücher über Segelreisen allgemein. Doch besonders begeistern mich jene Bücher, die von jungen Erwachsenen geschrieben wurde, Menschen die (annähernd) in meinem Alter sind. Und so wurde dieses Buch das erste Buch, das ich auf meinem ersten Seetörn lesen sollte. Und – soviel sei vorweg gesagt: Ich bin nach wie vor begeistert von dem Buch!

Es beginnt mit Johannes Ankunft in der Karibik. Schlechtes Wetter, Probleme über Probleme – man wird sofort hineingezogen, Der Anfang ist ungewöhnlich. Nicht nur, das man mitten in der Reise einsteigt – statt traumhaften Wetter und Cocktails im Cockpit erzählt er von Problemen bei denen dem Leser Angst und Bange wird. Nach dieser kurzen Aussicht geht es endlich zum eigentlichen Anfang. Wir erfahren mehr über ihn, über seine Vorerfahrungen, seine Pläne. Besonders gefreut hat mich hier sein detaillierter aber nicht langweiliger Bericht über die Vorbereitungen. In viel zu vielen Büchern über Langfahrtsegeln bleiben die Monate, wenn nicht Jahre der Vorbereitung unerwähnt. Es scheint geradezu als würde so mancher Langfahrtsegler zu einem Wochenendtörn aufbrechen und spontan etwas weiter segeln. Und sei es einmal um die Welt.

Das Buch nimmt seinen Lauf, zieht den Leser weiter und weiter in seinen Bann. Fast hat man das Gefühl auf dem Beifahrersitz zu sitzen während Maverick quer durch Europa gezogen wird. Denn statt wie so viele andere durch Ärmelkanal und Biskaya legt er die ersten tausend Kilometer mit dem Boot an der Anhängerkupplung zurück. Mit einer guten Portion Selbstironie berichtet er von kleinen und großen Pannen – und auch von so manchem Erlebnis, bei dem er einfach mal Glück hatte.

Über die Kanaren geht es in die Karibik, wo das Boot mit zahlreichen Schäden an Land gehoben werden muss. Am Ende der Atlantiküberquerung ist es beim besten willen nicht mehr Seefähig und man atmet erleichtert auf, das Johannes es trotz all der Pannen tatsächlich lebend auf die andere Seite des großen Teichs geschafft hat.

Nun beginnt das, was man aus den meisten Langfahrtbüchern kennt: Reparieren, reparieren, reparieren. Ersatzteile müssen besorgt werden. Und viel zu schnell ist das Geld alle. Doch der Leser hat Glück, Johannes bekommt finanzielle Unterstützung von den Eltern und es geht weiter. Nach Abschluss der Reparaturen besegelt Johannes Teile der Karibik.

Hier bin ich persönlich hin- und hergerissen. Einerseits ist seine Vorsicht gegenüber den Einheimischen schwer zu verkraften. Immerhin kennt man doch die anderen Bücher, in denen die Segler offen mit den Einheimischen umgehen. Doch andererseits: Wer von uns Daheimgebliebenen kann darüber urteilen? Auch wenn etwas mehr vertrauen in das Gute der Menschen für uns Leser sicher angenehmer gewesen wäre, so mahnen die regelmäßigen Berichte über Überfälle in diesem Traumrevier vieler Segler zur Vorsicht. Und so bin ich Johannes dankbar, das er ehrlich über seine Sorgen geschrieben hat. Schließlich geht es nach Norden, über die Bahamas in die USA. Sein Ziel war New York – doch er sollte es nicht erreichen. Doch irgendwie schafft er es doch: Eine Freundin von ihm war für ein Jahr in den Staaten, sie wollte er in New York treffen. Wie es der Zufall so wollte war sie genau zur gleichen Zeit wie er weiter im Süden, so das es tatsächlich klappte.

Doch gegen Ende nimmt das Buch ein, für uns Leser trauriges Ende. Maverick wird verkauft. Für die Rückreise fehlt Zeit und Geld, der Transport auf einem Tanker Stände kostenmäßig in keinem Verhältnis zum Wert des Bootes. Als Segler blutete mir das Herz, alleine die Vorstellung ein Boot, mit dem man so viel erlebt hat zu verkaufen – eine schreckliche Vorstellung.

Fazit: Mir hat das Buch gut gefallen. Es ist spannend und ehrlich. Für Bedenkenträger und Träumer allerdings eher ungeeignet. Denn Johannes berichtet ehrlich über seine Erfahrungen.

 

Wie schon eingangs erwähnt: Dies war nicht das Ende von Johannes Seglerkarriere. Pünktlich zum Beginn meines ersten Seetörns beendete er mit seiner (mittlerweile) Frau Cati ein weiteres Atlantikabenteuer. Erneut ging es über den großen Teich bis in die Staaten. Doch dieses mal wurde das Boot – Maverick too – nicht in den Staaten verkauft sondern durfte den Heimweg über die Azoren antreten. Und – pssst: Es wird natürlich wieder ein Buch geben. Ich freue mich schon riesig drauf!

Außerdem produzieren sie aktuell einen Film über ihr Abenteuer. Mehr dazu hier.

Ansonsten wünsche ich Johannes und Cati viel Erfolg mit ihrem Charterunternehmen auf den Bahamas.

Sebastian

2 Kommentare

  1. Au verdammt, über die abgebrochene Weltumsegelung wird von Johannes Erdmann auch ein Buch geschrieben?

    Ich fand ja schon das Buch „Allein über den Atlantik“ so unlesbar das ich es nach dem Getriebeaustausch der in der Karibik stattfand weggelegt habe.

    Nach der Ankunft in der Karibik war es aus meiner Sicht eine banale, kleinteilige Reisebeschreibung. Viel Gejammer über die lokalen Standards, wenig Bereitschaft auf das Land in dem Johannes Gast war einzugehen.

    Unterm Strich empfinde ich Erdmann als einen Autor der sehr von seinen überschaubaren Kenntnissen überzeugt ist. Er schafft es zwar immer irgendwie eine Lösung zu finden. Die aufkommenden Probleme sind allerdings haarsträubend.

    Zugegeben: In großen Worten über wenig content zu schreiben liegt Johannes Erdmann sehr gut – siehe auch sein Job bei der yacht.

    • Hallo,
      wie schon geschrieben: Es ist kein Buch für jeden. Und, da bin ich mir sicher, das wird auch das nächste Buch nicht sein. Was du kritisiert sehe ich teilweise genau von der anderen Seite: Ich bin froh das er ehrlich darüber geschrieben hat, was emotional in ihm los war im „Seglerparadies“. Da ist er sicherlich nicht der einzige, dem es dort so geht. Dies dann aber offen zuzugeben – immerhin hat man ja viel auf sich genommen um hin zu kommen – bedarf einer gewissen Größe. Es gibt genug, die das nicht eingestehen können.
      Was die Probleme unterwegs betrifft: Ich erlaube mir bei so etwas kein Urteil da mir da selbst die Erfahrungen fehlen. Persönlich bin ich allerdings der Meinung, das man besser auch mal ein Risiko eingeht, etwas einfach Probiert als immer auf Nummer Sicher zu gehen. Wo man hier die Grenze zieht ist allerdings individuell. Die Tatsache das Johannes mittlerweile drei Mal über den Atlantik gesegelt ist, ein mal davon den harten Weg von der Karibik über die Azoren nach Europa, spricht für mich allerdings dafür, das er durchaus gewisse Kenntnisse hat.

      Zum Abschluss noch ein mal: Es ist kein Buch für jeden. Das ist – m.M. nach übrigens kein Segelbuch! Wer den Blog nicht mag, wird auch das Buch nicht genießen. Und umgekehrt. Die Gute Nachricht: Niemand muss es kaufen. Ich werde es mir holen und lesen. Da dir Johannes (und Catis) Reise offenbar nicht zusagt: Einfach nicht kaufen, den Blog nicht lesen… ganz einfach 🙂
      Viele Grüße,
      Sebastian

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