Inselleben

Ich konnte ausschlafen. Ein unglaublicher Luxus. Kein Wecker weckt mich am Morgen des 19. August 2016. Wir, also ich mit Bea Orca, liegen im Bauernhafen von Neuwerk. Und wollen hier noch ein paar Tage bleiben. Die kommenden Tage soll das Wetter schlecht werden, Starkwind und Regen möchte ich auf Neuwerk abwettern, bevor wir den Törn fortsetzen. Räkelnd strample ich mich aus dem Schlafsack und stehe auf. Durch meine großen Salonfenster kann ich die Sonne scheinen sehen. Schon so spät! Und doch: Kein Grund sich zu beeilen. Ich mache mir ein Frühstück das ich genüsslich verzehre, bevor ich Bea Orca verlasse.

Neuwerk, die grüne Insel vor Cuxhaven…

Nach einem Zwischenstopp im Nationalparkhaus schlendere ich durchs Inselinnere. Irgendwo gackern Hühner, doch ich kann den Ursprung des Geräusches nicht ausmachen. Auch egal.

Natur pur im Ostvorland

Zutiefst entspannt erreiche ich das Ostvorland. Es ist einfach so schön hier. Im Nordosten, da wo Zone 2 ist, sehe ich einige Pferde auf ihrer Weide grasen. Im Osten erstreckt sich die Natur, mitten drinnen die Ostbake. Mein Ziel. Gemächlichen Schrittes begebe ich mich zur Bake und setze mich auf die Bank gleich daneben. Mit einem mitgebrachtem Buch vertreibe ich mir die Zeit. Ich bin alleine, niemand stört die Ruhe. Das lauteste Menschgemachte Geräusch zu dieser Zeit an diesem Ort ist das Tippen meines Fingers auf den ebookreader und mein Atem.

herrlich…

Das Wetter heute ist ein Traum. Wenn ich wollte, ich könnte einen perfekten Segeltag haben. Aber wo hin? Cuxhaven? Nein, da mag ich meinen Urlaub nicht verbringen. Und die nächsten Tage muss ich wegem Wetter dort bleiben, wo ich da bin. Nicht das Cuxhaven nicht schön wäre – ist es – aber ich wohne schließlich dort…

Und sonst? Spieka-Neufeld? Hübsch, ich war dort mehrfach mit dem Rad, hatte sogar, als ich noch erwog mir eine Jolle zu kaufen, den Hafen als möglichen Heimathafen gehändelt. Aber dort gibt es sonst nichts. Einzige weitere Möglichkeit wäre wohl Dorum. Aber ob es mir dort so gut gefällt wie hier? Kaum vorstellbar.

Das Vorland – einfach toll…

Der wichtigste Grund zu bleiben ist aber ein anderer: Ich habe mich längst in dieses Juwel von einer Insel verliebt.

Schließlich, nach etwa einer Stunde, stehe ich wieder auf und mache mich langsam auf den Rückweg. Der Segler des Jollenkreuzers möchte um 12 rum den Hafen verlassen. Dafür muss ich vor Ort sein, denn im Moment versperren meine langen Leinen ihm den Weg.

Meine langen Leinen sind eigentlich eine ganze Reihe kürzerer, zusammen geknoteter Leinen. Nicht ideal, doch in diesem Fall ausreichend. Und in Ermangelung von langen Leinen an Bord von Bea Orca ist es mir auch gar nicht anders möglich.

Zunächst möchte ich die Leinen einfach untergehen lassen, so das der Jollenkreuzer problemlos über sie hinweg segeln kann. Dummerweise sind meine Festmacherleinen Schwimmleinen: Sie gehen nicht unter. Zudem sind die Leinen auch knapp bemessen, sie vernünftig schwimmmen zu lassen kaum  möglich. Schließlich erhalte ich vom Segler des Jollenkreuzers einen Tipp: Ich soll einfach eine lange, dünne Leine an die langen Leinen binden, die langen einholen und nur die dünne im Wasser lassen. Über diese könnte er dann einfach drüber hinweg treiben.

Kurzerhand krame ich eine dünne Leine aus der Backkiste. Bea Orca würde ich mit so einem Faden nie fest machen. Doch hierfür erscheint sie mir ideal. Schnell sind die langen Leinen eingeholt, dank der dünnen Leine werde ich nachher auch kein Problem haben sie wieder auszubringen. Dann legt der Jollenkreuzer ab. Kurz vor der Leine wird die Schraube gestoppt, der flache Rumpf schiebt sich über die Leine, dann verlässt er den Hafen.

Nachdenklich sehe ich dem Segler hinterher. Wie lange man wohl hier segeln muss um die Erfahrung dieses Segler zu haben? Lange, da bin ich mir sicher. Verdammt lange – was ich gestern Mittag und heute so ganz nebenher an Tipps erhalten habe… unglaublich. Der Skipper des Jollenkreuzers war das erste Mal in den 70ern auf Neuwerk. Ob ich auch eines Tages einen Hafen anlaufen werde, den ich seit 40 und mehr Jahren kenne? Und wie es wohl ist, so lange in einem Revier gesegelt zu sein?

Der Neuwerker Bauernhafen (oder auch Bauhaufen)

Ich raffe mich auf, ziehe die langen Leinen zurück an Land und belege sie auf dem hölzernen Wall. Jetzt liegt Bea Orca wieder fest. Da auch sie mittlerweile schwimmt nutze ich die Gelegenheit und ziehe den Bug etwas näher an Land. Ich mag die nächsten Tage vernünftig an Land kommen.

Bevor ich mir auch nur überlegen könnte wieder an Land zu gehen läuft ein neuer Jollenkreuzer in den Hafen ein. Schnell stehe ich bereit, nehme die (passenden) Heckleinen des Neuankömmlings an. Meine eigenen Probleme vom Vortag sind mir noch gut im Gedächtnis. Hier Anlegen, selbst mit Crew, ohne Hilfe von Land stelle ich mir nicht ganz einfach vor.

Kaum ist der Jollenkreuzer fest gemacht kommt einer der wenigen Einheimischen auf uns zu. Warum wir nicht aufrücken?

Und tatsächlich, würden wir aufrücken, im Hafen wäre gleich Platz für zwei weitere Boote. Kurzerhand packen wir die Leinen und ziehen die Boote durchs Hafenbecken. Da ich vor habe am längsten zu bleiben liege ich nun ganz hinten – gleich neben dem einzigen Boot im Hafen mit Heimathafen Neuwerk.

Ein Boot steuer den Bauernhafen an…

Nach einer kurzen Mittagspause an Bord mache ich mich auf dem Weg. Ich mag die lokale Gastronomie probieren. Von dem Segler, der vor kurzem den Hafen verlassen hat bekam ich den Tipp für ein Restaurant, ‚Das alte Fischerhaus‘ das auch Eis anbietet. Da will ich hin.

Kaum bin ich angekommen, machen zwei andere Gäste mich auf sie aufmerksam. Es sind die Segler vom Jollenkreuzer, der vorhin angekommen ist. Ich setze mich zu ihnen und wir unterhalten uns. Wir essen zusammen etwas, bevor die beiden sich zurück zum Boot begeben. Ich bleibe noch etwas sitzen, genieße meinen Platz in der Sonne. Wollte ich nicht eigentlich Eis? Auf der Karte hatte ich nichts gesehen…

„Entschuldigen sie, haben sie eine Eiskarte?“

„Ja, natürlich. Ich bringe sie ihnen gleich.“

Es dauert nicht mehr lange, und vor mir steht ein leckerer Apfelstrudel mit Vanilleeis. Bereits beim Anblick läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Einfach lecker…

Jamjamjam

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Die Ereignisse in diesem Beitrag geschahen am 19.08.2016.

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Sebastian

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