Flucht auf See

Es ist kurz vor sechs als Ich aus dem Schlaf schrecke. Motorengeräusche – ganz in der Nähe!

Nur in Unterhose springe ich auf, haste zum Niedergang und reise ihn auf.

Langsam, ganz langsam dämmert es mir. Ich liege nicht vor Anker sondern im Hafen. Die Motorengeräusche kommen von den auslaufenden Fischkuttern. Bea Orca liegt, vollkommen sicher, in ihrer Box. Alles ist gut. Ich bin im Hafen. Kein Grund für den Schrecken.

Es dauert lange bis sich mein Herzschlag wieder normalisiert hat. Der Schock hat gesessen, an Schlaf ist für mich im Moment nicht mehr zu denken. Beim Aufwachen hatte ich doch ernsthaft gedacht ich läge vor Anker und ein Boot würde sich uns zügig nähern.

Langsam wieder etwas ruhiger lasse ich mich zurück in meine Koje sinken. Alles ist gut. Doch jetzt bin ich wach. Kurzerhand schnappe ich mir ein Buch und lese.

Leuchtturm in Dorum

Eine Stunde später geht es zum Supermarkt, einkaufen. Die Preise sind fast so hoch wie auf Neuwerk, zusammen mit den Liegegebüren im Hafen hätte ich wahrlich Geld gespart hätte ich mich beim Inselkaufmann verproviantisiert. So kommt es das ich nur das nötigste Kaufe. In ein paar Tagen endet mein Urlaub. Bis dann will ich versorgt sein – aber auch nicht länger. Das nächste Mal eingekauft wird erst wieder in Cuxhaven.

Zurück an Bord verdrücke ich ein Frühstück. Anschließend gibt es einen Abstecher zum geschlossenen Leuchtturm. Immerhin: Hübsch anzusehen. Es ist erst Vormittag doch bereits jetzt knallt die Sonne unbarmherzig vom Himmel. Mein Weg führt mich weiter zum Grünstrand, nur um den nächsten Schock zu erleben: Für eine einfache Wiese am Wattenmeer will man hier unglaubliche 6 Euro Eintritt! Nein, nicht mit mir. Ich lass ja vieles mit mir machen. Aber das ist mir zu doof. Heute Nachmittag, sobald das Wasser hoch genug ist, verschwinde ich hier.

Auf dem Weg zurück zum Boot kaufe ich mir noch eine Kugel Eis. Immerhin: Das Essen in den Buden am Hafen ist echt lecker.

Die Hitze setzt mir zu

Die kommenden Stunden verbringe ich KO unter deck. Es ist heiß und ich liege gefangen in einer Touristenhochburg. Kann es kaum erwarten wieder auf See zu sein. In mir hat ein richtiger Fluchtinstinkt angeschlagen. Ob ich Dorum damit nicht unrecht tue? Ich weiß es nicht. Aber angefangen vom Fischkutter der mich fast überfahren hätte über Schwimmer im Kanal, den falschen Öffnungszeiten des Supermarktes, seinen Preisen bis zum hohen Eintritt für eine Wiese am Meer hat mich doch alles geärgert und abgeschreckt. Dazu noch die tropischen Temperaturen… ich mag einfach nur weg, mich nach dem Grund umsehen warum Menschen hier ihren Urlaub verbringen, dafür fehlt mir jede Motivation.

Kurz bevor Bea Orca aufschwimmt geht es ein letztes Mal aufs Klo, dann zu den Buden. Eine Kugel After-Eight Eis. Lecker. Aber jetzt nichts wie weg.

Fischerkutter im Hafen von Dorum

Zurück an Bord merke ich sofort das es an der Zeit ist. Bea Orca bewegt sich. Der Motor springt an und ich löse  die Leinen. Auf, auf meine Große! Raus zur See, raus in die Freiheit!

Gerade als ich die Box verlassen habe läuft ein Kutter in den Hafenpriel ein. Und so lasse ich den Rückwärtsgang einfach drinnen und lege Pinne um Platz zu machen.

Aber jetzt. Fahrt voraus.

Beim Verlassen des Hafens muss ich höllisch aufpassen. Zwar ist kein Fischkutter in der Nähe, doch auch jetzt sind wieder Schwimmer im Fahrwasser. Heute vor allem Eltern mit ihren Kindern. Natürlich, das Wattenmeer vor Dorum ist sehr flach, richtig schwimmen ist schwierig bis unmöglich. Doch dafür die teils kleinen Kinder zum schwimmen in ein gut befahrenes Fahrwasser zu bringen kann ich kein Verständnis zeigen.

Und nicht nur voraus muss ich aufpassen, jeden frühzeitig zu sehen und im Auge zu behalten. Ich bin noch nicht richtig vorbei, da springen Kinder wie Eltern zurück in den Priel – und das extrem Nah an meinem Heck. Ich will mir nicht vorstellen was passieren würde käme dort ein Arm in meine Schraube…

Flucht ins Blaue

Endlich bin ich vorbei. Es hat lange gedauert, wegen der Schwimmer musste ich extrem langsam fahren. Jetzt lege ich den Gashebel nach vorne und Bea Orca schiebt sich endlich vorwärts.

Von hinten kommt ein Boot aus Dorum auf mich zu. Sie kennen den Priel und sind schneller unterwegs. Als sie mich überholen weiche ich ganz an den Rand aus. Gerade als ich zurück ins tiefere Wasser steuern will geht ein leichter Ruck durch meine Große und wir stehen. Eilig nehme ich die Fahrt raus und steige ins Wasser. Einen Schubs bei den schwachen Winden und wir schwimmen wieder.

Endlich kann ich mich dranmachen Dorum endgültig hinter mir zu lassen. Ob ich wieder komme? Ich kann es mir nicht so recht vorstellen. Daran ändern auch die netten Segler im Hafen und die leckeren Fressbuden nichts.

Mit zwei bis drei Knoten schiebt sich Bea Orca durch den Priel. Wir kommen gut voran.

Segel hoch – aber wenig Wind…

Kaum sind wir in tieferem Wasser setze ich meine Segel. Gemeldet waren bis zu fünf Windstärken, doch was ich im Wattenmeer finde ist ein Hauch von nichts. Zwei Beaufort, das reicht für weniger als einen Knoten Fahrt durchs Wasser. So komme ich nirgendwo hin. Ich vermisse eine Genua. Insgesamt 15 Quadratmeter Segelfläche für sicherlich deutlich über eineinhalb Tonnen Boot sind einfach etwas wenig. Mit einer Genua wären es immerhin schon etwas über zwanzig.

Und doch… soll der Motor doch brummen. Was macht das schon? Ich bin draußen, auf See. Umgeben von unglaublich blauem Wasser, blau wie der Himmel so das man den Horizont kaum zu erkennen vermag. Unglaublich, die Schönheit die einen hier erwartet.

Blau…

Wieder passen die Bedingungen, nein, sind gar besser aufgrund des gerade noch steigenden Wassers und so schnippel ich wie bereits auf dem Hinweg. Doch ist nun die Aufregung weg, ich weiß das hier das Wasser tief genug ist.

Entspsannt sitze ich im Cockpit. Es ist gut wieder auf See zu sein. Nur hier bin ich wahrlich frei…

Die Ereignisse in diesem Beitrag geschahen am 25.08.2016.

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Sebastian

3 Kommentare

  1. Ich finde deine direkte Betroffenheit sehr gut falls du mal Fragen hast 0441201276 ich konnte schon eingen aus mißlichen Lagen helfen und die Ecken wohin man sich bei unerwarteten Schwieigkeiten verpissen kann
    .

  2. So ein Hafen ist doch die ideale Gelegenheit sich mit einem Buch in die Plicht zu setzen irgenwas gegen die Sonne auzuspannen eine gemütliche Tasse Kaffe/Tee. So ein schlickiges Loch hat auch was und unvermutete Muße zu genießen ebenso, wenn die Watvögel ihre bettelnden Jungen ausführen Ein genügender Vorrat Müsli Knäckebrot Dauerwurst Käse zwei Dosen Ravioli usw in der Bilge Bier und Wein Da habe ich schon Tage träumend auf dem Watt verbracht. Habe dabei mal die Anarchistische Ethik von Kropotkin ganz durchgelesen.

    • Klar, geht alles. Ich war da irgendwie einfach genervt. Ist zu viel „doofes“ zusammen gekommen. Vielleicht waren meine Ansprüche nach Ankern im Wattenmeer und Neuwerk auch sehr hoch.
      Aber stimmt, ich hätte mir auch ein Segel als Sonnensegel über dem Cockpit spannen können. Bin ich da garnicht drauf gekommen – muss ich mir unbedingt für nächsten Sommer merken!
      Danke für den Tipp! 🙂
      Viele Grüße,
      Sebastian

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