Liveaboard-Pantry: Kochen auf 22 Fuß

Leben an Bord – das heißt auch Kochen an Bord. Wie hier schon zu lesen spielt Essen eine signifikante Rolle in meinem Leben. Besonders seit ich auf mein Boot gezogen bin. Ein Grund dafür sind schlicht die Möglichkeiten – bzw. deren Fehlen: Keinen Backofen und auch keine Strom betriebenen Küchengeräte. Die einzige Ausnahme ist hier eine batteriebetriebene Küchenwaage. Noch komplizierter wird die Verproviantisierung allerdings durch etwas anderes: Ich habe keinen Kühlschrank – und erst recht kein Tiefkühlfach. Im Winter war dies noch denkbar einfach, zu kühlende Lebensmittel wurden einfach am Rumpf oder draußen – gerne neben der Schiebeluke – gelagert. Doch bereits mit meinem Einzug an Bord habe ich darauf geachtet primär Lebensmittel zu konsumieren die ich auch im Sommer eine Zeitlang einlagern kann. Ohne mir eine Kühlmöglichkeit zuzulegen. Den stärksten Einfluss auf meine Backschaft hat mittlerweile aber mein durch die Nähe zur Natur stark gewachsenes Bewusstsein was meine eigene Ernährung betrifft.
Doch dies soll heute nicht das Thema sein. Nein, heute geht es um den rein praktischen Aspekt des Kochens an Bord. Denn während manches eigentlich gar nicht so anders ist, gibt es doch einige signifikante Unterschiede.

Pfefferminze und Chilies hängen neben dem Niedergang an der Decke…

Doch was habe ich? Zunächst habe ich zum Kochen schlicht einen Zweiflammenkocher. Betrieben wird er mit Spiritus. Anders als häufig zu lesen konnte ich noch keinen deutlichen Spiritusgeruch beim Kochen wahrnehmen. Aber vielleicht hängt dies auch daran, das es dann recht schnell nach dem, was da gekocht wird riecht…

Das was am häufigsten gekocht wird ist: Wasser. Einen Tee morgens und – mindestens – einen am Abend. Den ersten Monat habe ich das in einem „kleinen“ Kochtopf gemacht. Nur dumm das mein kleinster Kochtopf noch immer geschätzt 2 Liter fasst. Wer das schon mal so gemacht hat weiß, wie nervig das ist. Einerseits tendiert man dazu zu viel Wasser aufzukochen. Das frisst Brennstoff. Und dann, beim Umschütten in die Tasse muss man aufpassen, da es ja keinen Auslauf gibt. Und um das ganze nicht zu einfach zu machen brutzelt das Wasser beim Ausgießen am heißen Topf, so das man vor lauter Wasserdampf eigentlich gar nichts mehr sieht. Nach langer Suche vor Ort bestellte ich mir einen kleinen Wasserkessel aus dem Outdoorbereich. Dieser reicht um zwei Tassen Wasser zu kochen und eignet sich somit ideal für meine Zwecke. Der Wasserkessel steht fast immer auf dem Kocher. Sobald es wieder ans Segeln geht wird er unterwegs zu den Töpfen im Schrank wandern.

Mein kleiner Wasserkocher

Zum eigentlichen Kochen habe ich mittlerweile ganze vier (!) Töpfe an Bord. Das verrückte: Obwohl ich ja nur zwei Flammen habe, brauche ich zum richtig Kochen alle vier. Und das, obwohl ich meistens nur die zwei Kleinsten nutze. Es handelt sich bei den Töpfen um ein hochwertiges Topfset das ich bereits an Land benutzt hatte, das aber auch geeignet für den Einsatz auf einem Brenner ist. Jeder Topf hat einen Deckel der auch nach Möglichkeit genutzt wird. Ursprünglich hatte ich den größten Topf – irgendwas zwischen fünf und zehn Liter Volumen – nicht mit an Bord nehmen wollen. Was soll ich mit so einem großen Pott? Die Antwort ist einfach: Einkochen. Entweder um die Gläser abzukochen, oder aber um das was rein soll zuzubereiten. Beispielsweise Apfelmus. Hier könnte der Topf noch mehr Volumen haben – dies würde aber einerseits zu Stauproblemen, andererseits auch noch zu Heizproblemen führen. Der größte Topf hat die Maximalgröße für den Brenner. Und noch höher würde auch nicht unbedingt etwas bringen…

 

Ebenfalls wichtig: Die Pfanne. Hier habe ich mir eine mit abnehmbarem Griff besorgt. Dies ermöglicht ein bedeutend leichteres verstauen und spart somit Platz. Ansonsten war so eine Pfanne für mich schon immer etwas geniales: Ein Gericht vom Vortrag, wenn es nicht gerade Suppe ist, kann durch einmal Braten zu einem neuen Gericht werden. Und wenn man am Tag zuvor das ganze schon gebraten hat? Einfach noch etwas Neues dazu werfen: Neues Gericht. Einfach genial so eine Pfanne. Übrigens benutze ich die Pfanne auch häufig um Soßen zu machen. Für die Mehlschwitze nehme ich statt Butter oder Margarine einfach Öl. Nein, nicht das aus dem Motorraum. Natürlich Sonnenblumenöl. Wasser drauf, etwas rühren, würzen und weitere Zutaten nach Bedarf rein. Einfach und bequem.

Etwas selbstgekochtes – jeden Tag.

Das letztes Utensil auf dem Kocher wäre dann noch mein Omnia-Campingbackofen. Den kann ich einfach auf eine Flamme stellen und schon habe ich auf meinem 22 Fuß Boot einen Backofen. Nachdem ich letztes Jahr nur Brötchen aufgebacken habe, experimentiere ich mittlerweile zunehmen mit ihm. Angefangen mit Apfelbrot und Apfelkuchen über ein Pfefferminzbrot (Jami!) bis hin zu einer Pizza Calzone Hawaii war schon alles dabei. Um das Gebackene am Ende vernünftig wieder raus zu bekommen hat sich bei mir auf Anhieb ein Schuss Öl mit etwas Mehl bewehrt. Einfach mit dem Pinsel in der Form verteilen. Böse ist nur, wenn man dies vergisst. Passiert bei meiner ersten Pizza im Omnia. So köstlich diese auch war: Sie aus der Form zu bekommen war nicht ganz einfach.

Backen an Bord: Alles wird Rund. Auch Brot.

Wichtig sind mir auch noch meine Teller. Hier handelt es sich um die schweren Porzellanteller die ich aus meiner Wohnung mitgenommen habe. Warum das?

Nun, zum einen Bin ich nicht unbedingt ein Fan von Plastik. Es gibt Ausnahmen – beispielsweise bei meinem Boot – doch tendenziell versuche ich es zu vermeiden. So habe ich beispielsweise extra mehr ausgegeben um ein Sieb ohne so einen doofen Plastikgriff zu kaufen. Der Hauptgrund ist aber ein anderer: Die aller meisten Plastikteller vermitteln mir ein Campingfeeling. Und auch wenn Camping etwas tolles ist: Ich campe nicht irgendwie auf meinem Boot. Ich wohne hier. Und da, wo ich wohne, mag ich „richtige“ Teller. Also sind sie an Bord – für das Lebensgefühl. Bei Tassen sehe ich dies hingegen nicht so eng. Und Gläser? Nun: Wer braucht Gläser, wenn man Tassen hat…?

Sieht voll aus. Aber da geht noch was!

Wirklich viel habe ich wohl nur beim Besteck. Hier habe ich einfach das, was in der Wohnung war zu dem was an Bord war geschmissen. Man kann sowieso NIE zu viele Messer, Gabeln und Löffel haben!

Wichtig sind mir hier noch die scharfen Messer: Ein Langes Brotmesser sowie zwei extrem Scharfe Klingen. Eine ist etwas länger, die andere ein Obstmesser. Beide waren ein Geschenk von meinem Bruder. Und wenigstens eines davon kommt täglich zum Einsatz.

Fließend Wasser!

Alles in allem geht auch mit diesen einfachen Mitteln extrem viel. Etwas Körpereinsatz, beispielsweise beim Kneten von Teig mag zwar erforderlich sein. Doch es lohnt sich. An Bord gibt es (fast) jeden Tag frische, köstliche Gerichte, selbst zubereitet. Und ich rede hier nicht von Halbfertig- oder Fertigprodukten, sondern komplett selbst zubereitet. So weiß ich, was drinnen ist. Und, je bewusster ich einkaufe, auch wo es hen kommt. Denn ich lebe hier nicht nur in, sondern auch mit der Natur. Und das verändert mich jeden Tag ein bisschen mehr.

Leben an Bord. Das klingt für dich spannend? Dann abonnier doch meinen Blog per Mail und verpasse keinen Beitrag mehr. Noch mehr gefällig? Dann Besuch mich doch auf Facebook!

[jetpack_subscription_form]

Sebastian

4 Kommentare

  1. …..Omnia + Origokocher…..
    auch bei uns schon jahrelang im Einsatz !!
    hat sich bewährt !
    … und: die Weihnachtsgänse gibt`s bei uns nur
    an Land.
    Beste Grüße
    Jürgen

    • Bei mir gibts die garnicht. 🙂 Bisher konnte ich alles was ich wollte mit Origo + Omnia bewerkstelligen. 🙂
      Viele Grüße,
      Sebastian

  2. Für mich als Freund des Kochens klingt das alles super. Und den Omnia + Origokocher habe ich auch jahrelang als ausreichend betrachtet. Es gibt nur wenig, was damit nicht machen kann. Weihnachtsgans z.B. :).

Kommentare sind geschlossen.