Mein erster Winter als Liveaboard

Mein erster Winter an Bord ist vorbei. Während ich den Beitrag veröffentliche sitze ich gerade im Cockpit in der Sonne.

Durch meinen Einzug mitte Januar habe ich zwar schon den Anfang verpasst, trotzdem habe ich einen gefrohrenen Hafen, (etwas) Schnee auf den Stegen und Sturm erlebt. Im großen und Ganzen kann ich sagen: Alles gut. Auf Bea Orca kann man auch bei niedrigen Temperaturen sehr gut leben. Und doch: Es wäre etwas kurz gegriffen.

Warum ist der Winter so wichtig?

Ja, warum eigentlich? Im Sommer leben etliche Menschen auf ihren Booten. Doch kaum wird es kalt, dunkel und feucht leeren sich die Häfen. Dafür, das ich mitten im Winter auf mein Boot gezogen bin, habe ich immer wieder Kopfschütteln kassiert. Doch: Für jemanden, der ganzjährig auf seinem Boot in Norddeutschland (oder auch Nordeuropa allgemein) leben will, halte ich den Winter für ungemein wichtig. Da wäre das Thema Eis. Können sich dicke Eisschollen in den Hafen schieben? Zwar hat Bea Orca dickes Laminat – toll fände ich es trotzdem nicht. Und auch ein Sturm an Bord, obgleich im geschützten Hafen halb so wild, ist etwas das einem im Voraus Sorgen bereiten kann. Häufige Sorgenmacher sind auch Kälte und Schwitzwasser – und damit Schimmel. Trotz aller Empfehlungen war ich gespannt ob mein Ecomat 2000, eine elektrische Heizung, Bea Orca warm halten könnte. Und zu welchem Preis!

Und dann natürlich das leidige Thema Schwitzwasser. Wo sich Schwitzwasser bildet, ist auch Schimmel nicht weit. Und wo bildet sich Schwitzwasser? An kalten Oberflächen. Die Lösung ist hier eigentlich einfach: Isolation. Und doch: Hat man genug isoliert? Dies lässt sich wohl nur durch ausprobieren feststellen.

Der größte Knackpunkt könnte aber ein ganz anderer sein: Ist es wirklich zu verkraften, bei Minusgraden und Starkwind, nachts um drei über die Stege zum Klo zu laufen wenn man mal muss?

Ihr seht, so einiges will bedacht werden. Ich habe in meinen FAQ ja schon über das Thema Isolation und Heizen geschrieben. Zum Abschluss es Winters kann ich sagen: Für den Anfang habe ich gute Arbeit geleistet. Und ich könnte es auch so belassen. Eine zusätzliche Dieselheizung wünsche ich mir primär um auch im Winter autark unterwegs zu sein.

Beim Thema Isolation ist es ähnlich. Sie reicht. Allerdings gibt es doch noch ganz klar Schwachpunkte. So gehöre ich zu den Menschen, die sich ständig irgendwo anlehnen müssen. Ich sitze hier gerade auf der Salonbank, vor mir der Laptop. Allerdings nicht ganz gerade. Ich lehne mich nicht nur nach hinten an, sondern auch zur Seite – und damit an den Rumpf. Bei den steigenden Temperaturen ist dies zunehmend nicht mehr so das Thema. Trotzdem habe ich eine Decke da, um nicht das kalte Laminat zu spüren. Dies ist für mich der Hauptgrund, über eine Komplettisolation meines Bootes nachzudenken. Nicht ganz einfach, nicht ganz billig – aber gerade im Winter ein Komfortgewinn. In diesem Kontext erwäge ich auch gleich Nägel mit Köpfen zu machen: Die Fenster isolieren. Isolationsglas einzubauen erscheint mir weder vom Aufwand noch von den Kosten wirklich sinnvoll zu sein. Zunächst hatte ich es mit Luftpolsterfolie probiert, einen Tipp den ich auf Facebook bekommen habe. Aber: Anlehnen ist da natürlich doof. Ob es wirklich viel bringt? Ich weiß es nicht. Und rausgucken, die Aussicht genießen? Schwer. Doch dies sind nicht die Gründe, warum die Luftpolsterfolien schon nach wenigen Tagen entsorgt wurden. Der Grund? Ich finde es sieht einfach doof aus. Mal ehrlich: So Luftpolsterfolien, die schreien Abfall und Baustelle. Monatelang auf einer Baustelle wohnen? Nicht mit mir.

Eine andere Idee hat Klaus hier in den Kommentaren vorgestellt: Eine Plexiglasscheibe vor (bzw. hinter) die Fenster! Dazwischen eine Luftschicht. Hört sich eigentlich logisch an. Keine beschlagenen Scheiben mehr, eine bessere Heizwirkung – und wenn man mal dran kommt ist es nicht (so) kalt. Ich bin mir noch nicht 100% sicher, kann mir aber gut vorstellen dies für den nächsten Winter umzusetzen. Die Vorteile sind aber auf jeden Fall überzeugend: Bessere Isolation, keine kalten Scheiben im Salon – und man lässt eher mal die Gardinen offen und somit mehr Licht ins Innere. Sollte ich das ganze umsetzen, so muss ich mir überlegen ob ich vier einzelscheiben oder zwei große anfertige. Aber: Das ist eine andere Geschichte.

Ein weiterer Wunsch, den ich mir allerdings wahrscheinlich nicht erfüllen werde, ist eine Kuchenbude. Nein, mir geht es nicht um den Platz. Der reicht mehr als aus. Allerdings wäre es doch sehr angenehm so einen Vorraum zu haben. Zum einen wäre da das Auskühlen des Bootes. Klar, ich habe einen dauerhaften Luftaustausch. Das Boot ist nicht 100% Luftdicht, ja soll es auch auf keinen Fall sein! Im Winter kann aber eine kräftige Böe reichen, um fasst die gesamte warme Luft auf einmal aus dem Boot zu pusten. Hier schielt man schon mal neidisch zu so manchen Boot mit Kuchenbude. Leider sind diese recht teuer. Und da es echt selten ist, das so eine Böe im richtigen Winkel zum falschen Zeitpunkt einfällt, ist das ganze zu verschmerzen. Passiert es dann doch mal beim verlassen des Bootes, dann wird es eben warm bis man wieder kommt. Und wenn man gerade zurück kommt? Tja, dann sitzt man die ersten fünf Minuten eben mit einer Decke oder der Jacke im Salon.

Das Abdecken des Bootes mit Planen kommt für mich nicht in Frage. Dies wird häufig von Liveaboard im nördlichen Nordamerika praktiziert. Zugegeben: Bei den dortigen Wettergeschehnissen nochmal ein anderes Thema. Allerdings spricht mich so ein Boot unter Plastikplanen nicht an, es hat wieder etwas von einer Baustelle. Und den ganzen Winter auf einer Baustelle leben? Nein, nicht mit mir.

Zuletzt wäre da noch die Bodentemperatur. Ganz ehrlich? Kalt. Ja, der Boden ist kalt. Kein wunder, darunter ist das Wasser. Und dieses ist, ganz logisch, eisig. Diesen Winter hatte ich die alte Isomatte, die bereits bei meinen Frieslandtörns die Luft kaum gehalten hat am Boden liegen. Dies sieht einerseits eher bescheiden aus, ist kaum sauber zu halten und hilft nur bedingt. Ich erwäge nun für den nächsten Winter etwas UNTER den Teppich zu legen. Oder aber einfach mit den – sowieso an Bord immer getragenen – Hausschuhe auszukommen. Bei Bedarf mit den Wollschlappen von meiner Mama, die bereits in Friesland dabei waren. Denn: Dann ist es sowieso warm.

Fazit: Bea Orca ist bereits jetzt gut für ein Leben an Bord im deutschen Winter ausgerüstet. Das wichtigste – eine isolierte Koje, isolierte Schapps und eine zuverlässige Heizung – ist an Bord. Trotzdem gibt es Verbesserungspotential. Sei es eine zweite, Landstromunabhängige Heizung, doppelte Fenster, eine Kuchenbude oder eine Komplettisolation des Innenraumes. Dies ist aber alles optional. Was ich davon umsetze? Das wird sich zeigen. In jedem Fall muss ich sagen, das ein Winter an Bord etwas tolles ist. Ja, ich freue mich auf den Sommer, genieße den langsam beginnenden Frühling. Und doch: Im Winter an Bord zu sitzen, draußen ein paar Schneeflocken oder eine Eisschicht im Hafen. Ein Wintersturm. Oder auch einfach aus der Kälte aufs warme Boot zu kommen. Dies ist schon etwas ganz besonderes. Und so freue ich mich nicht nur auf Frühjahr, Sommer und Herbst – sondern auch schon auf den nächsten Winter.

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Sebastian