Eine traurige Geschichte

Es ist kurz nach vier als ich an diesem Donnerstag Nachmittag von der Arbeit komme. In Vorfreude steige ich hinab zu den Stegen. Der Wasserstand ist recht niedrig und so geht es hinab. Dann einmal eine scharfe Kurve und den Steg entlang in Richtung von Bea Orca. Dabei blicke ich aufs Wasser. Im ersten Augenblick ist es wunderschön. Ein traumhafter Anblick, wie es da leicht in der Sonne funkelt. Einfach toll. Sieht man allerdings genauer hin, so trübt sich das Strahlen in den Augen. An einigen Stellen sieht man leichte Öl- und Dieselfetzen auf dem Wasser. Auch Treibgut ist gerade nahe der Stege ein großes Thema: Unmengen an pflanzlichen Überresten treiben im Wasser. Okay, die dürfen das. Nicht schön, aber Natur. Doch schon nach wenigen Metern fällt mein Blick auf ein Stück Styropor das da schwimmt. Nun runzelt sich meine Stirn. Natürlich, sowas kann auch vom Wind irgendwo weg gerissen worden sein und so in die Natur gelangen. Doch viel zu oft sehe ich wie Menschen unachtsam mit ihrem Müll umgehen. Gerade bei Kunststoff ein riesen Problem, baut es sich doch nur extrem langsam ab. Ob ich es wohl so raus bekomme? Ich mag eigentlich nicht extra den Kescher holen müssen…

Kurzerhand gehe ich in die Knie, lehne mich nach vorne und fische den Müll aus dem Wasser. Gut. Sonst wäre ich wohl gleich mit dem Kescher wieder gekommen.

Schon wenige Meter weiter bleibe ich erneut stehen. Eine Plastiktüte – im Wasser. Traurig sinke ich in die Knie und fische auch dieses Treibgut aus dem Wasser. All der Müll in unseren Meeren, ich könnte heulen. Praktisch täglich sehe ich ihn hier, fische es raus. Dann landet es entweder in dem Mülleimer den der Hafenbetreiber netterweiße für Müll aus dem Wasser neben mein Boot gestellt hat – oder wird von mir gleich an Land entsorgt.

Einerseits betrachte ich die See allgemein und das Hafenbecken im besonderen als „meinen Hinterhof/Garten“. Hier bin ich zuhause. Und wer würde schon einfach so akzeptieren wenn Plastikmüll vor dem eigenen Haus im Garten oder der Auffahrt liegt?

Umso trauriger macht es, wenn man sieht wie andere Menschen mit der Natur allgemein und der See im Besonderen umgehen. Müll wird zu oft einfach ins Wasser geworfen. Die See spült es ja schon weg. Hier an der Nordsee muss man sich da dank der Gezeiten keine Sorgen machen: Verschwindet ja schon. Oder?

Klar. Die Gezeiten spülen es weg. Aus dem Auge aus dem Sinn – so scheint es. Allerdings ist so ein Hafenbecken auch eine wunderbare Auffangwanne, in der so einiges angespült wird. Egal ob Zigarettenstummel, Plastiktüten, Styropor oder anderer Plastikmüll, hier bleibt es leicht hängen. Einerseits ist dies natürlich gut, gibt es mir doch die Möglichkeit wenigens einen winzigen Teil des Mülls der in meinem Heimatrevier herumschwimmt heraus zu fischen. Andererseits: Es trägt nicht unbedingt zur Entspannung bei, wenn man aus dem Fenster sieht und Müll auf dem Wasser treibt.

Der andere Punkt ist Plastik auf unseren Meeren. Egal ob sichtbarer Plastikmüll oder Mikroplastik: Es ist ein globales Problem an dem wir alle unseren Anteil haben. Umso trauriger macht es mich, wie wenige Menschen es ernst zu nehmen scheinen. Da wären diejenigen, die ihren (Plastik)müll noch immer einfach in die Natur, ins Meer werfen. Egal ob Verpackungen oder Zigarettenstummel: Aus dem Auge, aus dem Sinn scheint die Devise! Gerade hier, wo es nun wirklich immer wieder Mülleimer gibt ärgerlich. Doch selbst wenn keine da sind: Man hat den Müll doch von irgendwo mitgenommen. Wenn vor dem Verbrauch Platz für das Plastik war – warum nicht danach?

Doch einfach nur auf die zu zeigen, die den Müll irgendwo hin werfen ist zu einfach. Denn: Es scheint mir häufig so, als würde es niemanden berühren. Wie kann es sein, das Menschen in der Öffentlichkeit einfach ihren Müll irgendwo hin werfen, auf den Boden, in die See, in die Natur? Wie kann es sein, das wir dies akzeptieren, das praktisch nie jemand – egal wie viele Menschen es sehen – reagiert und etwas sagt? Warum zum Teufel sagt niemand was?

 

Nun, es mag daran liegen das wir alle – mich eingeschlossen – die Konfrontation zu meiden versuchen. Okay. Aber: Wäre es dann nicht wenigstens etwas sich zu bücken und den Müll aufzuheben? Solange er noch an Land liegt haben wir doch eine Chance! Ist das Plastik erst einmal im Wasser, so ist es kaum noch möglich es zurück zu bekommen. Klar, einiges wird angespült. An den Strand oder in den Hafen – wo es dann mit etwas Glück vielleicht aufgesammelt wird. Aber vieles wird auch hinaus aufs Meer gespült wo es langsam zerfällt und die Umwelt für extrem lange Zeit belastet. Wenn nicht davor Tiere es fressen oder sich darin verfangen – und qualvoll daran sterben.

Und zuletzt: Warum kaufen wir so vieles was unnötig in Plastik verpackt ist? Ich bin kein prinzipieller Gegner von Plastik. Aber muss es sein, das ein paar Äpfel in einer Plastiktüte sind? Und muss man wirklich an der Supermarktkasse die Plastikbeutel mitnehmen? Wenn man tatsächlich mal nichts da hat, spontan kaufen war: Warum nicht den (etwas teureren) Papier- oder Baumwollbeutel?

An dieser Stelle möchte ich euch allen dieses Problem in Erinnerung rufen und bitten: Schaut nicht weg. Ignoriert es nicht. Ihr seht irgendwo Plastikmüll – egal ob auf See, am Ufer oder an Land: sammelt es ein, sorgt für eine ordentliche Entsorgung. Ihr seht jemanden, der seinen Plastikmüll irgendwo anders als in den Mülleimer wirft? Sprecht die Person an. Setzt euch ein gegen Plastikmüll der unser aller Meere zunehmend verschmutzt. Die See, die Natur, dieser Planet: Er ist unser aller zuhause. Egal wie nah oder fern wir von der Natur leben: Wir alle sollten uns bemühen das sie sauber und gesund ist. Wir akzeptieren keinen Plastikmüll in unserem Garten. Warum also tuen wir es überall sonst?

 

Seit dem 16. Januar 2017 wohne ich auf meinem 6,7 Meter langem Segelboot auf der Nordsee. Auf segeln-ist-leben.de berichte ich regelmäßig Montags und Donnerstags über meiner Erlebnisse, Gedanken und Erfahrungen. Neugierig? Dann abonniere meinen Blog per Mail und folge mir auf Facebook!

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Sebastian

10 Kommentare

  1. Tja, Sebastian, sollte es Dich einmal auf die griechischen Inseln verschlagen, wirst Du erkennen, daß der Kampf gegen das Plastik im Meer verloren ist. Da liegt so unendlich viel von diesem Mistzeug in der Gegend herum. Woanders soll es noch schlimmer sein. Mit der Erdölverarbeitung haben wir die Büchse der Pandora geöffnet.

  2. Hab auf koh tao mal bei einer strandsäuberung mitgemacht… Mega traurig wie die menscheheit mit dem müll ungeht. Man sollte den menschen vllt mal zeigen wie schildkröten zb an plastiktüten ersticken, vllt denken sie dann etwas drüber nach wo sie den müll hinwerfen.

    • Ja… wobei ich meine Zweifel habe ob das was helfen würde. Es ist ja nicht so als wäre die Problematik nicht bekannt… Aber jedes Stück Plastik das nicht einfach in die Natur geworfen wird hilft. Und vielleicht hilft ja auch eine gewisse Angsttherapie: Wenn genug Leute Menschen ansprechen die ihren Müll in die Natur werfen – vielleicht ist es denen dann irgendwann einfach so unangenehm, das sie es sein lassen…
      Übrigens toll das du an so einer Aktion mitgemacht hast!

  3. Boa Gänsehaut! Ich dachte eben für einen Moment, das endet darin, dass Dein Schiff untergegangen ist…

    Ich beobachte bei mir selbst seid ich in der Karibik gewesen bin eine Veränderung im Einkaufsverhalten. Deutlich mehr Glas- als Plastikflschen, Ein Einkaufskorb statt Tüte, Obst und Gemüse kann man auch ohne Plastikbeutel abwiegen und hinterher die Etiketten einfach auf der Rückseite des Einkaufzettels sammeln, usw. Der Handel richtet sich nur nach dem, was gekauft wird und was nicht angenommen wird, verschwindet irgendwann. Dafür die Impulse zu setzen, fängt bei jedem Einzelnen an …

    • Neee. Bea Orca schwimmt. Aber ja, das Konsumverhalten hat sich doch deutlich geändert. Leider gibt es manches garnicht mehr ohne Plastikverpackung… Aber bei manchem ist es echt so einfach. Wie du sagtest: Loses Obst & Gemüse. Korb/Tasche statt einmaltüte…
      Glasflaschen wo möglich. Und vielleicht auch einfach mal jenes Plastik, um das man nicht oder nur schwer herum kommt ordentlich entsorgen – und auch von anderen einfordern das sie es ebenso machen. Aber vielleicht muss man auch einfach erstmal die Welt als Zuhause begreifen um hier die Wichtigkeit zu sehen…

  4. Da muss ich dir sowas von recht geben, aus den Augen aus dem Sinn. Man kann wirklich nur hoffen das die Menschheit sich mal wieder besinnt, Ich glaube die Natur ist schon genug gebeutelt.
    Wir haben eine Weide die permanent als Müllplatz benutz wird, vonTapetenresten bis hin zu alten Autoreifen.Auf den Entsorgungskosten bleiben wir sitzen.
    Da fragt man sich, welcher Kleingeist mach so ein Mülltorismus.

    • Kann ich mir vorstellen. Ich bin froh das der Hafen hier das Problem erkennt und dafür extra Tonnen und Kescher bereit stellt. So kann ich ohne riesen Aufwand wenigstens das, was ich um mein Boot sehe einfangen.
      Mülltourismus ist einfach kacke…. 🙁

  5. ich bin dafür deinen Hilferuf an die Lokalzeitung weiter zu geben. Gerade die Anwohner müssten dafür ein offenes Ohr haben …

    Was meinst du ?

    • Es ist ja nicht so als wäre der Hafen vollgemüllt. Wenn man kommt sieht es häufig sogar erstmal sauber aus. Aber wenn man hier jeden Tag über die Stege läuft sieht man eben den Müll deutlich mehr, als man es wohl von den anliegenden Häusern aus tut. So eine transparente Plastiktüte fällt erst aus wenigen Metern entfernung auf. Und: Ich hab den Beitrag zwar mit Bezug auf den Hafen geschrieben, ich sehe aber auch am Strand und auf dem Meer viel zu viel Müll… da bringt was lokales wenig bis nichts. Ist m.M. nach ein Gesellschatliches Problem – und das welt weit. Der Müll kommt sicherlich zum größten Teil von See. Und daran ändern auch hundert Artikel in der Lokalzeitung wenig bis nichts.
      Ich sehe den Beitrag übrigens weniger als Hilferuf denn als Apell – es sollte in unser aller Interesse sein unsere Meere, nein unseren Planeten sauber zu halten. Wie gesagt: Wer akzeptiert schon, wenn andere ihm Müll ins Zuhause werfen? Und warum akzeptieren dann so viele Menschen, das dieser, unser Planet – den einzigen den wir haben, unser aller zuhause – zugemüllt wird? Egal ob Nordsee, Ostsee oder Mittelmeer, Atlantik, Pazifik oder Indik – nirgendwo sollten wir so ein Verhalten an den Tag legen oder akzeptieren. Den Müll an der Küste habe ich bisher leider überall gesehen. 🙁 Da hilft m.M. nach nur, wenn wir alle – überall – aufhören so etwas zu tollerieren…
      Viele Grüße,
      Sebastian

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