Für Toleranz und Menschlichkeit

Ich bin schockiert. Geradezu fassungslos. Da denkt man, man würde sich unter Seglern in intellektuellen und toleranten Kreisen bewegen. Weltoffene, häufig international reisende Menschen. Menschen, die regelmäßig in Kontakt mit anderen Kulturen kommen. Für die das Unbekannte nicht bedrohliches sondern etwas spannendes ist – etwas dem man mit Offenheit begegnet. Denn ist nicht die See selbst immer ein wenig eine Unbekannte? Ganz abgesehen von den Menschen aus anderen Ländern. Denn selbst wer unsere Küsten nicht verlässt wird wohl früher oder später in Kontakt mit ihnen kommen. Und sei es auch „nur“ ein paar Niederländer, Dänen und Schweden.

Jedenfalls ging ich davon aus unter Seglern auch nahezu automatisch unter nur unter toleranten, weltoffenen Menschen zu sein. Und: Menschen die ihre Informationen überprüfen.

Umso schockiert bin ich darüber, was die letzten Tage in der größten, deutschen Facebookgruppe zum Thema Segel passiert ist. So schlimm, das ich sogar kurz überlegt habe den für heute geplanten zweiten Teil über meinen ersten Schlag als Liveaboard zu verschieben. Der kommt jetzt aber  doch heute Nachmittag/Abend noch – ich will mir nicht von einigen Menschen einen Beitrag auf den ich mich freue versauen lassen. Nö, da mache ich nicht mit. Gibt es eben zwei an einem Tag…

 

Der erste Vorfall (den ich mitbekommen habe) ereignete sich letzte Woche. Ein Veganer postete ein Zitat in dem es darum ging, das der Mensch Tanzt und Lacht während die Erde in Flammen aufgeht. Stichpunkte Artensterben, Klimawandel, Meeresplastik… man kann natürlich darüber diskutieren ob man dieses Thema in einer Segelgruppe haben mag oder nicht. Soweit so gut.

Ich hatte zunächst Sympathie dafür. Sehe ich es doch ähnlich! Was dann aber kam hat mich zutiefst erschreckt.

Der Veganer beleidigte die Nicht-Veganer als dumm. Beschimpfte sie, machte sich über sie lustig… und stellte sich selbst als überlegen da. Widerlich. Einfach nur widerlich. So sehr ich einigen seiner Argumente und Grundgedanken zustimmen muss – was die weitreichende Ignoranz unseres eigenen Konsumverhaltens in Bezug auf diese wichtigen Themen betrifft.

Ich war schockiert. Wie kann man sich nur so aufführen? Böse gesagt: Was bringt es die Welt für die Menschen retten zu wollen, wenn man dabei jegliche Menschlichkeit verliert? Wenn man versucht den Menschen Vorschriften zu machen, ihnen ihren freien Willen zu nehmen? Die Natur wird sich selbst regulieren. Umweltschutz dient meiner Meinung nach dem Schutz der Umwelt für den Menschen. Doch ist all dies nichts wert, verliert man dabei jede Menschlichkeit.

Und doch: Noch entsetzter war ich über die Gegenreaktion. Kein Ignorieren. Keine scharfe, an ihn persönlich gerichtete Antwort. Nein: Von Zahlreichen Personen wurde sich über die Vegane Lebensweise allgemein lustig gemacht. Im besten Falle wurde sie aus Ernährungstechnischer Sicht kritisiert. Hier muss ich in teilen zustimmen: Wer sich vegan ernährt ohne auf seine Ernährung zu achten (sogenannte Puddingveganer) riskiert tatsächlich Mangelerscheinungen. Und das ein Zahnarzt verstärkt Veganer sieht, die zu wenig Calzium zu sich nehmen ist verständlich. Bei dem Rest weiß er aber vielleicht gar nicht das sie Vegan leben? Und der Kardiologe müsste im Umkehrschluss eigentlich die gleiche Sicht auf Menschen die gerne Fleisch essen haben…

Viele Argumente waren auch schlicht Unsinn. So wurde kritisiert das Veganer ja der Umwelt schaden. Immerhin ist ja bekannt das der Massenhafte Sojaanbau der Umwelt schadet. Letzteres stimmt. Nur: Dieser Massenanbau für Soja, für den in Südamerika die Regenwälder abgeholzt werden – der ist für Tierfutter bestimmt!

Soweit alles noch okay. Fehlinformationen sind weit verbreitet, es gibt noch sehr viele Vorurteile. Was mich aber erschrocken hat, das war der Hass. Hass nicht nur auf den militanten Veganer der diese Diskussion gestartet hatte (und den ich selbst immer wieder kritisiert habe). Sondern auf die gesamte Gruppe!

Man stelle sich einmal vor wie – entschuldigt bitte, aber: Wie Pervers ist das denn? Da versucht eine Gruppe von Menschen einige der größten, vielleicht sogar die Größten Probleme unserer Zeit zu lösen. Oder wenigstens einen Großen Schritt auf die Lösung zu zu machen. Klimawandel, Artensterben, Hungersnöte, die nachlassende Wirksamkeit von Antibiotika…  Themen die uns alle betreffen. Auch abseits jeglicher Tierethik (die ich als höchst individuell betrachte). Menschen die also sich selbst zurück nehmen, die aus Verantwortungsbewusstsein vor Mensch und Natur auf etwas verzichten, sich selbst das Leben erschweren, ist doch unsere ganze Kultur auf den Verzehr tierischer Produkte ausgerichtet. Menschen die all dies tun um die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Und diese Menschen werden dann dafür – man mag es nicht glauben: Angegriffen? Nicht das Individuum, nein, die ganze Gruppe. Statt sich selbst, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen oder sich einfach zu freuen das es Menschen gibt die etwas verändern wollen, statt es einfach nur zu ignorieren – wird sich darüber lustig gemacht? Diese Menschengruppe die mittlerweile in Deutschland etwa 1% der Bevölkerung ausmacht und besonders bei jungen Menschen verbreitet ist wird beleidigt, lächerlich gemacht, diskriminiert. Ich empfand es beschämend. Einerseits das Verhalten eines militanten Veganers. Und andererseits – das deutlich mehrheitliche Verhalten der Segler. Etwas tröstlich war nur, das es auch positive Außnahmen gab. Menschen, die obgleich selbst nicht vegan (oder vegetarisch) lebend das Verhalten der beleidigenden Fleischesser scharf kritisiert haben. Trotzdem: Die (gefühlte?) Mehrheit hat einfach auf eine ganze Menschengruppe geschlagen. Statt Freude das da Menschen große Probleme angehen oder wenigstens Toleranz dafür (in was für einer Welt man darum bitten muss…) gab es Beleidigungen. Disskriminierung Erschreckend.

Nun könnte man meinen: Schlimmer geht nicht mehr. Ich bin heute über Nacht von Rheinland-Pfalz zurück nach Cuxhaven gefahren. Durch einen verpassten Anschlusszug saß ich zwei Stunden in Frankfurt fest und hatte etwas Zeit durch soziale Netzwerke zu stöbern. Dabei stolperte ich über ein MAYDAY RELAY. Einen Notruf, abgesetzt wegen Lebensgefahr. Das Boot einer Organisation die Flüchtlinge im Mittelmeer rettet ist selbst in Seenot geraten und brauchte Hilfe. Warum dieses MAYDAY, immerhin ein klarer Begriff für Lebensgefahr über die Sozialen Netzwerke versendet wurde? Man kann meinetwegen mutmaßen. Und doch, was daraufhin geschah erfüllte mich mit purem entsetzen. Es war (für mich) einfach nur unerklärlich. Zu den Dingen die jeder Wassersportler, nein, jeder Mensch wissen sollte: Menschen in Not wird geholfen. Wenn das Leben eines anderen Menschen in Gefahr ist wird diesem Geholfen. Sicherlich unter Wahrung des Eigenschutzes. Aber: Man hilft.

Statt nun ein MRCC anzurufen und dieses MAYDAY RELAY weiterzuleiten (so noch nicht sicher passiert doch eigentlich Pflicht?!) oder sich zu informieren ob dies eben schon passiert ist (ist es wohl) wurde diskutiert warum man nicht einfach in Lybische Hoheitsgewässer fährt und die Flüchtlinge dort ablädt. Man solle sie garnicht nach Europa mitnehmen. Ginge ja gar nicht. Es wurde spekuliert das dies alles Absicht gewesen wäre, selbstverschuldet. Man beklagte, das für diese Seenotrettung(!) nun wohlmöglich die Steuerzahler aufkommen müssten. Man stelle sich vor: Da beschweren sich Segler, Wassersportler, Menschen die selbst zur See fahren und sich sicherlich freuen das wir in Europa eine gute SAR-Infrastruktur haben, dass die Rettung von Menschen in Seenot sie möglicherweise(!) irgendwo Geld kosten könnte! Da hat man ein Boot, ein Eigenheim, ein Auto und sonstigen Luxus und beschwert sich, das man eventuell anteilig ein paar Cent für die Rettung mehrerer hundert Menschenleben ausgeben „muss“? Das ist nicht nur krank, pervers. Das ist abartig.

Doch auf die Spitze getrieben wurde dies von einem Kommentar:

„Torpedo und gut ist, wer Geld hat sich ein Platz zu kaufen kann kein Flächtling sein“

Halt, stop. Was?! Einerseits zu behaupten wer sich einen Platz kaufen kann ist per se kein Flüchtling… warum kann man nicht vor Gewalt und Krieg flüchten nur weil man Geld hat? Diese Logik ist mir absolut unerklärlich. Und zum anderen: Das ist mehr als die bereits widerliche und strafrechtlich relevante unterlassene Hilfeleistung. Das ist, jedenfalls für mich, Aufruf zum Mord.

Liebe Segler, Wassersportler, Menschen:

Freiheit ist für mich und sicherlich auch viele von euch das höchste Gut. Dazu gehört auch andere Meinungen zu akzeptieren oder wenigstens tolerieren. Egal ob es um Konsum und dessen Auswirkungen auf die Umwelt oder Flüchtlinge geht oder um Flüchtlinge, Imigration: Mir ist bewusst das dies, obgleich in meinen Augen Moralisch einfache Themen eben doch gesellschaftlich sehr schwere sind. Ich verstehe das es für jemanden der gerne Fleisch grillt schwer ist zu hören was für Folgen dieser Konsum hat. Und ich verstehe das bei dem (auch durch die Medien erzeugtem) Bild von Menschen aus Afrika allgemein, im Besonderen bei Moslems eine Gewisse Angst vorhanden ist. Woran denken die meisten Menschen bei Terroristen? Beate Zschäpe? Uwe Böhnhardt? Oder einen dunkelhäutigen Mann mit langem Vollbart der wütend brüllend ein Maschinengewehr schwingt?

Für all dies muss man Verständnis haben. Und, so schwer es auch fällt: Die Meinung anderer akzeptieren. Ja, auch wenn ich für die Aufnahme von Flüchtlingen und für Integration bin: Ich bin auch dafür zu akzeptieren das Menschen angst haben, das Menschen dies nicht toll finden. Und auch wenn ich sehr auf die Folgen meines Verhaltens inklusive Konsum achte muss ich akzeptieren das es Menschen gibt die Leben als gäbe es kein Morgen. Das fällt schwer, ist aber wichtig und nötig. Denn zur Freiheit gehört auch immer die Freiheit der Andersdenkenden.

Aber: Egal ob ich für oder gegen etwas bin: Nie, Nie, Nie darf ich beleidigend, diskriminierend oder gar Gewaltverherrlichend werden. Wir haben in Deutschland ein Grundgesetz dessen erster (und vielleicht wichtigster) Paragraph ist:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Unantastbar. Punkt. Egal was ist: Das ist ein Leitsatz an den wir uns alle halten sollten. Und jegliche Diffamierung einer Menschengruppe Aufgrund von Aussehen, Herkunft, Religion oder Weltanschauung steht im krassen Gegensatz dazu und ist nicht zu akzeptieren. Wer dann auch noch zur Gewalt Aufruft, der hat sich so weit von jeglichen Moralischen Grundsätzen entfernt, das ich mich frage wie man einen solchen Menschen je wieder in unsere Gesellschaft integrieren soll.

Eine Bitte: Egal wie eure Meinung ist, denkt an diesen einen einfachen, schönen Satz:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Einfach, oder? Es gibt keine, wirklich keine einzige Rechtfertigung dafür gegen diese einfache Richtlinie zu verstoßen. Egal was ihr denkt was der andere für ein Problem verursacht. In der Sekunde, in der ihr gegen diesen einen Satz verstoßt – in der Sekund werdet ihr, wird eurer Verhalten zu dem größeren Problem. Seit neugierig, tollerant, offen. Informiert euch. Habt eine Meinung. Vertreten diese. Aber: Tut all dies mit Anstand und unter Wahrung dieses einfachen Leitsatzes, der ganz oben in unserem Grundgesetz steht. Die Würde eines jeden Menschen darf unter keinen Umständen angetastet werden.

Danke.

 

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Sebastian

10 Kommentare

  1. Ihre Menschlichkeit und Ihre Bereitschaft zu Toleranz und das Eintreten für eine freie und faire Diskussion ist aller Ehren wert – dies möchte ich ausdrücklich betonen.
    Ebenfalls ist es richtig, diese Hasspostings ala „Torpedo“ als das zu kritisieren, was sie sind: unqualifizierte Hasspostings von sehr einfach strukturierten und empathielosen Mitmenschen.
    .
    Allerdings frage ich Sie – und hier sind wir im Austausch der Sachargumente – warum Sie für die Aufnahme und Integration von sog. Flüchtlingen, d.h. eigentlich Migranten sind?
    Welche Argumente bringen Sie zu dieser Auffassung ?
    Welche Kenntnis besitzen Sie über das Wachstum der Bevölkerung in Afrika und dem arabischen Raum?
    Ist Ihnen die Scharia und die Kairoer Erklärung der wichtigsten islamischen „Würdenträger“ zum Thema Menschenrechte bekannt?
    Wie genau sollen den Ihrer Auffassung nach die europäischen Außengrenzen geschützt werden?
    Wie glauben Sie, gehen die türkischen Behörden mit „reisebereiten“ Migranten um, die entgegen des Deals der EU mit dem Diktator Erdogan, sich Richtung EU aufmachen und erwischt werden?
    Ist es also moralisch in Ihrem Sinne richtig, dass die EU den türkischen Sultan die Drecksarbeit machen lässt und damit entsprechende Bilder an der EU-Außengrenze vermeidet?
    Wären Sie bereit, sich für eine Volksabstimmung zum Thema Migration in Deutschland/Europa einzusetzen, weil dieses Thema in so viele Lebensbereiche der Menschen hierzulande eingreift, dass die Menschen dazu ein demokratisches Mitbestimmungsrecht haben sollten?
    .
    Es gäbe noch viele weitere Fragen, die zu diskutieren sich lohnen würde.
    Sie als Segler gehören scheinbar (?) zu einer doch eher schon privilegierten Klasse und ich frage mich, ob Ihnen die Auswirkungen der ungesteuerten Migration auf die Mehrheit der einheimischen Bevölkerung auch nur ansatzweise bewusst ist?
    Denken Sie mal noch ein paar Jahre weiter und nicht nur an jetzt, hier und heute.
    .
    Ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute und vielleicht konnte ich Sie ein ganz klein wenig zum Überdenken einiger Ihrer Positionen anregen.
    Wenn nicht, dann bleibt trotzdem mein Respekt vor Ihrer Fähigkeit zu offenen, kritischen Worten aus Ihrem Statement – die Menschlichkeit muss erhalten bleiben, da bin ich ganz bei Ihnen.
    Sollten Sie Interesse an dem einen oder anderen Sachbuch zu o.g. Themen haben, so kann ich Ihnen gern weiterhelfen.

    • Muss das sein? Alleine die feststellung das ich als Segler ja scheinbar zur privilegierten Klasse gehöre zeugt für mich deutlich davon das du dich weder mit mir noch meinem Blog auseinander gesetzt hast. Ich wohne auf einem einfachen, 6,7 Meter langem Segelboot, führe ein einfaches aber glückliches Leben. Tatsächlich ist mein Leben sogar günstiger als das der meisten an Land. Priviligiert… Nun gut. Der fairniss halber: Ich habe auch schon kommentiert ohne weiter mich mit der Seite beschäftigt zu haben.
      Um auf deine Frage einzugehen, das gelingt mir sogar mit einem Wort. Einem Wort, das ganz oben im Titel dieses Beitrages bereits vorkommt:
      Menschlichkeit.
      Selbstredent müssen sich Menschen die hier her kommen integrieren. Und natürlich ist dies nicht einfach. In einzelfällen vielleicht sogar unmöglich. Hier sehe ich aber die Integration von rechtextremen in unsere Gesellschaft mit den Werten, die sie für mich verkörpert als noch schwerer an. Traurig wenn man bedenkt, das diese Menschen dann allerdings hier aufgewachsen sind…
      Jedenfalls: Ja, natürlich muss sich ein Flüchtling in Europa integrieren. Und natürlich muss es folgen haben wenn er dies nicht tut. Aber sie zunächst einmal aufzunehmen, auch wenn es uns Geld und Zeit kostet – das sehe ich als unsere Pflicht als Menschen an. Taten sind immer die Taten einzelner. Und nur weil ein Flüchtling sich nicht integriert, vielleicht gar kriminelle Handlungen vollbringt, gibt dies uns nicht das Recht Menschen die auf der Flucht sind pauschal von unseren Grenzen fern zu halten. Wer aus einem Kriegsgebiet flieht, der hat unseren Schutz verdient. Diesen Schutz einem Menschen zu verweigern empfinde ich persönlich als unmenschlich. Einem Menschen in Not muss geholfen werden.
      Selbstredend spiegelt dies meine persönliche Meinung wieder. Aber hey – das hier ist mein Blog, da darf ich diese nach belieben breittreten 😉

  2. Ja, es gibt keine Streitkultur in diesem Medium und „Unterhaltungen“ bestehen zu größten Teil aus Pöbeleien, Beschimpfungen und Distanzlosigkeitfn.

    Mir ist das zu viel und ich habe mich deshalb abgemeldet und meinen Account gelöscht.
    Seitdem lebe ich ruhiger.

    Handbreit – Andreas

  3. Ich freue mich, bei einem Blogger mitlesen zu dürfen, der sich so klar für das höchste Gut einsetzt: Die Freiheit jedes Einzelnen.
    Vielen Dank für dieses Statement. Hier bin ich richtig.
    Liebe Grüße von Kari

  4. So traurig es ist, Willkommen im emphatielosen Jahrzehnt. Da wird über alles und jeden gehetzt, Verganer, Flüchtlinge, Segler, Reisende, Zooliebhaber, Schwule, Lesben, Moslems, Christen – ich könnte die Liste noch stundenlang weiter schreiben – jeder, der eine andere Meinung oder Einstellung hat wird niedergemacht. Und das mit allen Mitteln und besonders gerne mit alternativen Fakten, die teilweise hanebüchen sind. Eine Diskussion, mit Respekt dem Anderen gegenüber, sucht man doch oft vergebens. Tolleranz für andere Meinungen – Fehlanzeige.

    Eigentlich sollte man meinen, das Internet und die Socialen Medien würden es leicht machen, sich vielseitig zu informieren, ein Thema von mehreren Seiten zu betrachten. Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Man lebt in seiner Meinungsblase, alle gegenteiligen Fakten werden als Lügenpresse oder Fakenews abgestempelt. Man findet ja genug schräge Seiten im Netz, welche auch noch die abstrusesten Gedanken bestätigen.

    Manchmal glaube ich, das Internet ist kein Seegen, weil es Zugang zu so viel Wissen bietet. Ich denke im Moment eher, das Netz ist ein Fluch, wo jeder noch so empathielose Mensch seine Bestätigung findet.

    LG Thomas

    • Es beißt sich an dieser Stelle leider die Katze selbst in den Schwanz: die Meinungsblasen, von denen du sprichst, Thomas, werden vielfach begünstigt durch bestimmte Algorithmen der sozialen Netzwerke, d.h. nach einer Weile sult sich jeder, der nicht absichtlich und bewusst über diesen selbstgemachten Tellerrand blickt, im seiner eigenen Themen- und allzu oft auch Anschauungspfütze. Den Tellerrand mache ich mir, indem ich bestimmte Seiten, die ich bevorzuge, weil sie „meine“ Themen behandeln, anklicke. Inzwischen kein Geheimwissen mehr, daß jeder sich mit seinen Klicks seine ganz spezielle Blase schafft, die nur aktiv erweitert werden kann, wenn mensch überlegt, wie er bspw. durch die Lupenleiste gezielt nach Stichworten außerhalb seiner gewohnten Interessen- oder Meinungslandschaft sucht. Oder mal einen weiterführenden oder abwegig erscheinenden Zufallsfund (in Form von Links z.B.) aufruft.
      Ich habe selbst gewisse Schwierigkeiten damit, versuche mir diese Tatsache aber immer wieder zu vergegenwärtigen. Bei anderen Medienformaten sieht’s oft nicht viel anders aus, etliche Formate, die der Durchschnittskonsument dort „aufnimmt“, hat eine Journalistin einmal treffenderweise als „sozialpornografisch“ bezeichnet.
      Ich denke, der Satz „Du bist, was du isst“ hat schon einen gewissen Wahrheitsgehalt. Dem steht aber ein „Du denkst und verhältst dich so, wie du es siehst.“ in nichts nach. Klar kann ich wählen. Wenn das Angebot jedoch überwiegend mit Gewalt, Hetze, Emphatielosigkeit, starrer Meinungmache durchsetzt ist, kann sich jede_r selbst ausmalen, wie sich das auswirkt.
      Und noch einen Schritt weiter gedacht, kann mensch sich fragen, wer denn welches Interesse daran hat, daß das Angebot ist, wie es ist. Aber das führt an dieser Stelle erstmal zu weit.
      Jedenfalls teile ich Deinen Verdacht auf den „Fluch“, der eigentlich das Potential zum „Segen“ hätte, leider.

  5. Lieber Sebastian!
    Vielen Dank für diese wirklich guten, überfälligen Sätze! Leider werden diese von solchen, die beleidigen, diffamieren, pöbeln in den seltensten Fällen gelesen. Aus der Anonymität heraus lässt es sich wunderbar herziehen. Wir glauben (viele glauben) diese wunderbaren- von Dir geschilderten Zustände- mit „Mein Haus mein Auto, mein Schaukelpferd…“ könnten niemals vorbei sein. Aber wir sahen und sehen doch, wie fragil der Friede ist! Und dann könnten wir (unsere Kinder?) zu denen gehören, die flüchten möchten!

    Deine Ausführungen in Sachen SAR sind klar und brauchen keinerlei Kommentar!
    Gruß Christoph

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