Ein Zuhause auf Reisen – Vorbereitungen

Bald ist es wieder so weit: Ich werde Urlaub haben, ganze dreieinhalb Wochen. Und dann natürlich segeln gehen. Einen Törn unternehmen. Was könnte man mehr wollen? Doch zunächst ist noch einiges zu erledigen. Da wäre ein neuer Anker, der nicht richtig in die Ankerhalterung passt. Die Bordelektrik – zwar liegen seit Monaten zwei Solarpanele auf der Sprayhood, angeschlossen sind sie aber nicht – ebensowenig wie die große 150 Amperstunden Verbraucherbatterie. Dann eine Reparatur am Rigg. Und nicht zuletzt Proviant. Zwar habe ich standardmäßig für mindestens eine Woche Essen an Bord, das ist aber zu wenig. Denn unterwegs möchte ich nichts neu kaufen müssen. Doch eines nach dem anderen. Als erstes sind die baulichen Veränderungen dran.

Ich habe Glück, ein befreundeter Segler der mir bereits bei der Vorbereitung geholfen hatte hat kurzfristig Zeit. Selbst hätte ich dies nicht gemacht. Zwar traue ich mir immer mehr zu selbst zu machen. Elektrik sehe ich aber als kritisch an. Sicher, ich könnte vieles nach Anleitung machen. Das würde ich hinbekommen. Das Problem ist aber: Ich würde nicht merken wenn ich etwas falsch mache. Und das könnte natürlich ins Auge gehen. Ein Kurzschluss, ein Funke… mein Boot ist mein Zuhause, da will und kann ich bei solchen kritischen Dingen kein Kompromiss eingehen.

Die Kabel sind schon verlegt, das bereits vorhandene Netz bereits bekannt mit seinen Eigenheiten. Und so werden die Solaranlagen angeschlossen, zwei neue 12 Volt Steckdosen in Betrieb genommen – jetzt habe ich insgesamt drei – Verbraucher von der einen zur anderen Batterie umgeklemmt und am Ende das System durchgetestet. Es läuft. Der zweite Natoknochen, die Solarpanele, die neuen Steckdosen – und nicht zuletzt die deutlich größere Batterie – es klappt. Ab sofort habe ich nicht nur Solarenergie, sondern auch deutlich mehr Batteriekapazität. Die 70 Ah Batterie, die bisher meine Batterie für alles war, dient nun nur noch als Starterbatterie. Geladen wird sie gleich dreifach: Über Landstrom, die Lichtmaschine des Dieselmotors und Solar. Die neue (nun schon seit einigen Monaten in der Backskiste stehende) Batterie mit insgesamt 150 Ah – in meinen Augen recht viel – dient hingegen als Verbraucherbatterie. Sie wird geladen mithilfe von Landstrom und Solar. Während meines Törns wird mir bewusst das ich hier gegebenenfalls noch einmal nachrüsten sollte: Ein Relais (oder was auch immer man dafür benutzt) das mir erlaubt mit der Lichtmaschine sowohl Starterbatterrie als auch Verbraucherbatterie zu laden hätte mir einen entspannten Einsatz des Pinnenpilotes auf so mancher längerer Seestrecke erlaubt. Und doch: Ich bin glücklich und zufrieden mit dem System, sollte es mich doch komplett unabhängig vom Landstrom durch den Urlaub bringen – und mit vollen Batterien nach dreieinhalb Wochen in meinen Heimathafen in Cuxhaven einlaufen lassen. Einzig der Laptop musste unterwegs aus bleiben.

Am Ende bohren wir noch ein Loch in den Ankerschaft, durch den der Sicherungsstift gesteckt wird und sprühen das ganze mit Zinkspray ein. Hier mache ich einen fehler, wähle den falschen Bohrer. Zwar ist das loch dick genug für den eigentlichen Stift – nicht aber für den kleinen Knubbel, der den Stift am Ende sichert. Und so muss ich am nächsten Tag nochmal ran, nachbohren, mir eine Dose Zinkspray kaufen und einwirken lassen bevor der neue Anker endlich in seiner Halterung hängt.

Es ist bereits Wochenende – und so geht es an den nächsten Programmpunkt. Einkaufen. Zwar hatte ich mir eine Proviantliste geschrieben – mich aber kurz darauf von ihr verabschiedet. Ich will ins Wattenmeer. Geplant sind 3 ½ Wochen in Ostfriesland – nun, mit An- und Abreise ehr 2 ½ bis drei, aber… ich segle nicht über den Atlantik und auch nicht nach Grönland. Wo ich hinsegle gibt es im Zweifelsfall genug Supermärkte, wenn mir etwas fehlt kann ich es problemlos nachkaufen. Trotzdem sollte es so einiges werden. Zunächst geht es am Samstag Morgen zum Wochenmarkt. Äpfel, lange haltbar, lecker und zugleich günstig werden in rauen Mengen gekauft. Fast zehn Kilo Äpfel verschiedenster Sorten wanderten an Bord. Bis auf einige Wenige sollten alle beim verzehr noch gut sein. Und: Gerade so reichen, bis ich vier Wochen später wieder nach Cuxhaven kam.

Doch natürlich reichen Äpfel alleine nicht. Und so ging es nach dem Frühstück ein zweites Mal auf den Wochenmarkt. Fünf Kilo Kartoffeln sowie je drei Kilo Zwiebeln und Möhren, dazu noch Lauch, Zuchini, Knoblauch…

Zum würzen kamen zudem noch insgesamt sieben – wie sich später herausstellte ehr milde – Chilis sowie zwei Bündel Petersilie an Bord. Ich habe hier gute Erfahrungen mit Trocknen gemacht sodass ich sie einfach an einem Draht aufhängen kann. So hält es sich extrem lange – und ich habe ein paar Kräuter an Bord.

Zwar  fehlen noch einige Lebensmittel, allerdings heißt es jetzt erstmal: Auf zum Bootsausstatter. Mir ist augefallen das ich kein Sika- oder Pantera mehr an Bord habe (später sollte ich doch noch welches finden…). Zudem habe ich nur einen Docht für meine Feuerhand. Wie lange der wohl reicht? Ich habe keine Ahnung. Sika und sogar neue Segelhandschuhe (die alten fallen bald außeinander) sind kein Problem. Doch die Dochte sind hier ausverkauft. Glücklicherweiße kann man mir einen Laden gleich um die Ecke empfehlen – einen Segelmacher der keine Segel macht – wo ich tatsächlich noch welche bekomme.

 

Am Nachmittag geht es dann um jene Dinge, die ich auf dem Wochenmarkt nicht bekomme. Zwei Mal wandere ich mit zwei – am Ende prallgefüllten – Fahrradtaschen in den Supermarkt. Da wären 2 Kilo Haferflocken und zusätzlich noch 1,6 Kilo eines Breis aus dem ich mir häufig ein Frühstück mache. Dann noch Apfelmark – letztlich Apfelmus ohne Zucker. Hier hätte ich am liebsten mehr gekauft, doch nach fünf Gläsern mit je 700 Gramm steht kein Glas mehr im Regal. Auch okay – es solltet reichen. Bei einem längeren Törn hätte ich aber definitiv gerne mehr dabei. Und gerade bei längeren Schlägen ist es, wie ich finde, eine gute Nascherei für zwischendurch.

 

Natürlich geht es auch nicht ohne warme Mahlzeiten. Da wären zwei Kilo Vollkornnudeln. Zum Backen ein Kilo einer Körnermischung. Ein Kilo Hirse – mittlerweile eine meiner Lieblingsbeilagen. Noch ein Pfund Bulgur und ein Pfund Milchreis. Zudem noch je ein Pfund getrockneter Bohnen, Linsen und Kichererbsen. Am Öl will ich erst vorbei gehen, bleibe dann aber doch stehen. Ich habe zwar noch eine Flasche an Bord. Aber abhängig davon wie viel ich backe… außerdem: Es hält sich ewig, selbst wenn ich es unterwegs nicht brauche… Kurzerhand wandert auch noch eine Literflasche Öl in meine Tasche. Für den Milchreis wandern noch drei Tüten Milch in meine Tasche. Und wenn man schon dabei ist: Drei Packungen Sahne.

Irgendwie habe ich es mir der drei – denn auch von süßem Senf sollten drei Gläser mitkommen.

Nun ging es zu den Konserven. Besonders gehackte Tomaten. Für so vieles zu gebrauchen. Und so wanderten mal eben ganze zehn Dosen an Bord.

Fast vergessen hätte ich Mehl. Und so wandern noch zwei Kilo Roggen- und ein Kilo Weizenmehl als Vollkorn an Bord. Dinkel habe ich ja noch mehr als genug. Und wenn ich schon dabei bin kommt auch noch Backpulver (Hefe habe ich noch) und Zucker mit.

Erst an der Kasse fällt mir ein was ich fast vergessen hätte: Hefeflocken (Hefe, nicht Hafer!). Sie sind eine alternative zu Streukäse auf z.B. Nudeln. Auch eine Art Käsesoße lässt sich auch ihnen herstellen. Im Gegensatz zu Käse sind sie aber auch ungekühlt und ohne sie in Öl einzulegen lange haltbar. Über ein Jahr.

Endlich ist genug zu Essen an Bord. Zum trinken nochmal den Wasserschlauch nehmen und den Tank füllen – fertig.

Später kaufe ich noch einige Liter Spiritus und Petroleum – das eine zum Kochen, das andere für meine Feuerhand-Laterne.

Jetzt bin ich so weit, könnte für einige Wochen Autark leben. Und tatsächlich: Vier Wochen später habe ich noch Essen für mehr als zwei Wochen und Wasser für mehr als eine Woche an Bord. Unterwegs gekauft habe ich mir nur wenig, aus Essen war ich kaum. Und so bin ich noch immer recht zufrieden mit meinen Einkäufen, erwäge gar öffters so einzukaufen und dafür nur noch alle zwei, drei oder gar vier Wochen richtig einkaufen zu gehen. Nur beim Obst – gerade jetzt im Sommer – würde es wohl scheitern Da gibt es zu viel leckeres das sich eben nicht so lange hält.

Die neue Woche begann. Am Mittwoch wollte ich los. Bea Orca war fertig. Fast. Denn das wichtigste fehlte noch. Einkaufen? Hätte ich auch unterwegs gekonnt. Neue Elektrik? Notfalls hätte ich unterwegs auch ohne gekonnt, Lichtmaschine sei dank. Und im Zweifelsfall eben im Hafen über Landstrom. Doch eine Sache gab es die gemacht werden musste – ohne würde ich nicht in Urlaub starten können. Beim Riggcheck der letzte Woche gemacht wurde, nachdem das Rigg eines Nachbarliegers in Bea Orca gestürzt war, ist ein Schaden aufgefallen. Ein Vorstag – das an dem meine Rollanlage hängt – muss erneuert werden. Zwar habe ich ein doppeltes Vorstag, die Wahrscheinlichkeit das, selbst wenn das beschädigte Stag reißt das Rigg fällt: Unwahrscheinlich. Doch wenn: Ich wusste bescheid, welche Versicherung würde da zahlen? Nein, das Risiko will ich nicht eingehen. Und so verlege ich Bea Orca am Dienstag morgen zur Werft bevor es zur Arbeit geht. Leider gibt es komplikationen und so kann die Reperatur nicht durchgeführt werden.  Es wird knapp: Ich will in weniger als vierundzwanzig Stunden auf See sein! Doch man versichert mir: Das klappt. Und so verbringe ich die letzte Nacht vor dem Törn nicht etwa im Hafen sondern in der Werft. Bea Orca liegt hier unter dem Kran. Und sie wieder rüber in den Hafen bringen nur um sie am nächsten Morgen wieder hier her zu legen? Das kann man sich auch sparen…

Zu Fuß geht es nochmal in die Citymarina, meinen Liegeplatz von Rot auf Grün wechseln (ich bin länger weg, da kann sich ja ruhig ein Gastlieger dort hin legen).

Am nächsten Tag mache ich etwas früher Feierabend und bin um kurz nach Drei auf der Werft.

„Alles gut, Reperatur durchgeführt, das gewünschte zweite Vorfall (was bringt mir ein doppeltes Vorstag wenn ich nur ein Fall habe) ist montiert. Schönen Urlaub!“

Geschafft. Glücklich lächelnd gehe ich an Bord. Es ist geschafft. Die Elektrik läuft. Der Anker hält. Das Rigg ist montiert. Und es ist alles an Bord was ich brauche. Ich könnte die kommenden dreieinhalb Wochen auf See verbringen, vor Anker liegen – und mir würde nichts fehlen. Ich Schlüpfe in meine Ölzeugjacke, ziehe die Rettungsweste an und rufe bei der Brücke an. Doch was ich dort höre…

Und jetzt? Ich bin gefangen. Die Brücke kann im Augenblick nicht geöffnet werden. Wann es wieder geht? Das kann man mir nicht sagen…

 

Dies ist der erste Beitrag zu meinem diesjährigen Törn – „Unterwegs Zuhause“. Ihr wollt mit kommen und keinen Beitrag mehr verpassen? Dann abonniert segeln-ist-leben.de doch per Mail!

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Sebastian

8 Kommentare

  1. Du könntest mal die Handläufe auf Deck lackieren….sehen ganz schön gammelig aus.

    • Wird noch gemacht. Gibt aber wahrlich wichtigeres – besonders da es mich selbst nicht wirklich stört…

  2. Ahoi Sebastian,

    zuerst einmal gute Fahrt für deinen Sommertörn.

    Eine kleine Anregung hab ich für dich noch. Ich habe einen sog. B2B Lader von Sterling eingebaut. Du kannst von der Starter-Batterie, die von der Lichtmaschine geladen wird, direkt deine Verbraucherbatterie laden. Zum einen mit der optimalen Ladekurve, denn das kann man bei dem Gerät einstellen und zum anderen immer nachdem deine Starterbatterie voll ist. Das Gerät gaukelt der Lichtmaschine vor, dass weiterhin Strom gebraucht wird und lädt die 2. Batterie. Das Gerät trennt beide Stromkreise sicher voneinander und braucht nicht viel Platz. Es gibt ein Modell für eine Batterie und auch eines um zwei weitere Batterien zu laden. Alternativ geht auch ein A2B (Alternator to Batterie). Mir hat damals das kleine B2B Modell gereicht. Seit dem habe ich mein Boot nie wieder am Landstrom gehabt. Die Motorstunden haben bislang immer gereicht meine beiden Batterien zu füllen.

    Das wäre dann ein Projekt für den Herbst, wenn du wieder da bis.
    Also dann, Handbreit!

    Michael

    • Moin & danke für den Tipp. Ich befürchte mein Sommertörn ist vorbei. Jetzt hoffe ich darauf das auch mal an einem Wochenende das Wetter gut ist…
      Den B2B Lader behalte ich mal im Hinterkopf. Ich hatte an einen manuellen Schalter gedacht. Den man eben bei langen Strecken umswitcht. Wenn ich da mal vergessen würde zurück zu switchen… solar läd beide batterien. Und im Zweifelsfall kann ich meine maschine auch per Hand starten. Werde mir das ganze aber nochmal bei gelegenheit ansehen. Denn ja – im Augenblick ist es nicht übermäßig dringend. Für ein Wochenende reicht solar + volle Batterie mehr als aus.
      Viele Grüße,
      Sebastian

  3. Hefeflocken auf Nudeln? Das schmeckt? Ich nehm da doch lieber Parmesan (oder einen anderen Hartkäse), der hält sich auch ohne Kühlung ewig. Eier übrigens auch.

    Gruß, Jörg!

    • Schonmal probiert? Das hat geschmacklich nichts mit Hefezopf, Kuchen o.Ä. Zu tun – sondern ist Käsig. Und das sich Parmesan ungekühlt auf einem Boot mehrere Monate bis zu einem Jahr hält… Ohne Einlegen…?

  4. Hi.
    Viel Spaß und allzeit gute Fahrt auf deinem Törn.
    Viele Grüße vom Kabouter auf der Schlei.
    SuM

    • Danke 🙂 Der Törn ist leider mittlerweile vorbei – aber es war sehr schön 🙂
      Viele Grüße,
      Sebastian

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