Spaziergang auf Langeoog

Blick über Langeoog. Zahlreiche Weiden bedecken die Insel

Kaum ist der Motor aus und Bea Orca fest, geht es über die Stege zum Hafenmeister – der Tatsächlich genau jetzt anwesend ist. Ich bezahle ihm 13,50 Euro für eine Nacht, dann geht es zurück aufs Boot. So ganz genau weiß ich noch nicht ob ich eine oder zwei Nächte bleiben mag. Doch das ist nicht weiter tragisch, ich habe Zeit bis morgen Mittag. Erst dann passt die Tide für mich um weiter zu kommen. Zurück an Bord koche ich mir eine Portion Hirse die, zusammen mit etwas Gemüse, zu einer schnellen Hirsepfanne wird. Mittlerweile habe ich mich sortiert und ein Foto auf Facebook gepostet. Mir wurde empfohlen unbedingt eine Kneipe zu probieren die auf der anderen Seite der Insel ist. Allerdings nicht in West-Ost-Richtung sondern Nord-Süd. Kurzerhand stehe ich auf und mache mich auf den Weg. Zeit für einen kleinen Spaziergang durch die Insel.

Plötzlich kommt mir ein Pferdewagen entgegen…

Langeoog – was hast du mir zu bieten?

Während ich einem Weg nach Norden ins Inselinnere folge schweift mein Blick über die grünen Felder. Pferde und Kühe stehen auf ihnen, weiden gemütlich auf dieser Insel. Was mich überrascht sind die Weiten. Wenn ich es nicht wüsste, man könnte meinen auf dem Festland zu sein.

Während ich dem gepflasterten Weg gen Inselinneres folge fällt mir auf, das ich keinem einzigen Fußgänger begegne. Keinem einzigen. Wer hier unterwegs ist hat entweder so ein kleines Elektrofahrzeug – oder ein Fahrrad.

Ich liebe diese Art Wegweiser…

Wie schon auf Neuwerk und Spiekeroog wachsen auch auf Langeoog zahlreiche Blumen in der Graslandschaft, überdecken die Weiden mit Gelben und rosa Flecken. Ein herrlicher Anblick, der mich glücklich lächeln lässt.

Schließlich liegt der Ort voraus. Wieder einmal kommt jemand auf mich zu, aber… ich reibe mir überrascht die Augen.

Das ist kein Elektrofahrzeug. Kein Fahrrad. Und auch, obgleich dies wohl ebenfalls überraschend wäre, kein Fußgänger. Nein. Da rollt doch ernsthaft ein Pferdewagen auf mich zu! Wenn es den Pferde sind, denn was da vor den Waagen gespannt ist, ist nicht übermäßig groß. Ponys. Oder doch Isländer? Wie auch immer, es ist ein schöner Anblick.

Langeoog. Der Ort ist eine richtige, kleine Stadt mit einem ganz eigenen Reiz…

Nachdem ich dem Gespann und der Frau, die die Zügel in der Hand hält einen schüchternes Lächeln zugeworfen habe geht es weiter. Doch schon kurz darauf bleibe ich stehen. Hier steht ein Wegweiser. Aber nicht irgend einer.

Dieser verrät mir, das die Rocky Mountains 8055 Kilometer, der Grand Canyon 8530 Kilometer, das Great Barrier Reef 14720 Kilometer und das Wattenmeer 2,1 Kilometer entfernt ist. Ich mag solche „Wegweiser“. Warum? So ganz sicher bin ich mir da selbst nicht. Vielleicht weil sie auf solch beeindruckende Orte hinweisen? Oder aber einfach weil sie uns vor Augen führen wie groß doch unsere Welt ist. Man kann es sich nur schwer vorstellen wie riesig die Welt doch ist. Reisende sagen gerne sie wollen die ganze Welt sehen. Doch man muss sich nur so einen Wegweißer ansehen, die Zahlen lesen und versuchen zu begreifen. Mehr ist nicht nötig, dann wird klar wie verwegen, nein, unmöglich ein solches Vorhaben ist. Niemand kann sich sie ganze Welt ansehen. Selbst wer sein ganzes Leben reist wird wohl nur an der Oberfläche kratzen.

Der Wasserturm, Wahrzeichen der Insel

Aber muss man das? Muss man in die Ferne schweifen, Ozeane überqueren, die Welt umrunden? Jedes Land, jede Region unseres Planeten besucht haben? Ist dies tatsächlich mehr Wert als das Paradies vor der Haustür zu erkunden? Was ist es, das so viele Reisende in die Ferne zieht? Das so mancher deutscher Reisender sich besser in Thailand, Australien oder Neuseeland auskennt als vor der eigenen Haustür, in Deutschland?

Auch ich verstehe den Reiz der Ferne. Doch sind es für mich weniger die Orte die mich in die Ferne locken würden denn mehr die weiten Strecken auf See, der blaue Himmel, das blaue Wasser. Geht es um die Orte, so muss ich nicht weit blicken um pure Magie zu sehen. Es reicht ein Blick vor meine Haustür, auf die Nordsee. Es ist ein unglaubliches Meer.

Die Döne 13, Kultkneipe auf Langeoog. Ein Tipp einer Leserin führte mich hier her

Die Ortschaft hat etwas städtisches, ist eine richtige Kleinstadt. Prächtige Bauten, man könnte gar sagen Villen stehen am Wegesrand. Autos gibt es hier kleine, Pferdewagen hingegen dürfen hier durch. So verkündet es ein Straßenschild.

Es ist schön hier. Sogar sehr schön. Langeoog gefällt mir deutlich besser als erwartet. Trotzdem, das allgegenwärtige Inselfeeling des Dorfes von Spiekeroog mag ich hier nicht verspüren. Deshalb ist es nicht minder schön, doch mir ist es schon fast zu groß. Zu weitläufig.

Die Nordsee. Und garnicht so weit weg: Boote – nein, Schiffe!

Schließlich kraxel ich einen Weg hoch auf die Dünen und vorbei am Wasserturm. Er ist das Wahrzeichen von Langeoog und von weitem zu erkennen.

Schließlich hole ich mein Smartphone heraus, Tippe „Düne 13 ein“. Hier gibt es zu viel, ohne die Technik oder mich durch zu fragen werde ich sie nicht finden.

Kurz werde ich nachdenklich. Während meiner Frieslandtörn im Schlauchsegelboot hätte ich jetzt angefangen mich durchzufragen. Eigentlich doch irgendwie die schönere Weiße. Dabei ist hier nicht etwa meine Schüchternheit sondern pure Bequemlichkeit Schuld daran, das ich ehr auf das Smartphone zurückgreife.

Die goldene See…

Durch eine Schöne, wenn auch stellenweise bebaute Dünenlandschaft geht es weiter. Links und rechts wachsen struppige Büsche, immer wieder stechen farbige Blüten hervor. Viel ist nicht los, die meiste Zeit bin ich alleine unterwegs.

Priele ziehen sich nahe des Strandes durchs Wasser…

Schließlich erreiche ich die Kneipe. Und tatsächlich, sie ist urig. Auf eine gewisse Weise erinnert sie mich an Old Laramies auf Spiekeroog. Dabei haben beide Kneipen nicht viel gemeinsam. Doch haben sie beide ihren ganz eigenen Charm, eigenen Charakter. Sind, jede auf ihre Weise, etwas besonderes. Und wirklich schön.

Am Strand von Langeoog. Noch hat die Hauptsaison nicht begonnen. Doch man ist bereit…

Ich kehre ein, trinke zwei Spezis. Es ist gemütlich, doch die Dauerbeschallung von Fußball treibt mich bald wieder nach draußen. Es gibt wohl nur weniges das mich so wenig interessiert wie Fußball. Ich habe es sogar geschafft die letzte Weltmeisterschaft komplett zu verpassen. Die, in der Deutschland Weltmeister geworden ist. Oder war das schon die davor? Egal. Es interessiert mich nicht und ich mag meine Zeit viel lieber am Strand verbringen.

Ich beschäftige mich mit Fotografie – und habe meinen Spaß.

Denn dieser sollte meine nächste Station werden. Eigentlich wollte ich mich nur auf den Rückweg machen. Doch wie so oft: Einfach den gleichen Weg zurück? Nicht wenn es auch anders geht.

Algen(?) nahe des Strandes. Ich gehe außen herum.

Von Düne 13 aus ist es nicht mehr weit bis zum Strand. Eigentlich nur noch einfach die Düne hinab und schon finde ich mich am langen Sandstrand von Langeoog wieder. Nur wenige Menschen hat es hier her verschlagen, trotz des wundervollen Abends. Die wenigen Anwesenden haben sich dick eingepackt, werden von dicken Pullis und Jacken vor dem noch recht frischen Abendwind getrennt. Man merkt deutlich: Es ist noch nicht Hauptsaison.

Die Sonne färbt Wasser und Strand golden.

Es ist für mich unvorstellbar das ein so toller Strand während der Hauptsaison am Abend bei diesem Wetter weitgehend leer sein könnte.

Strandgut

Als ich am Sandstrand stehe fällt mein Blick auf Fußspuren. Es mag ja noch Vorsaison sein, Frühjahr. Trotzdem, so mancher ist bereits Barfuß am Strand unterwegs. Kein Wunder – war ich auch schon im Winter in Cuxhaven. Sobald die Sonne scheint wird so ein Sandstrand ja angenehm warm.

Brechend rollen die Wellen von der offenen Nordsee auf den Strand während ich langsam mich auf den Rückweg mache. Beeindruckend mit welcher Kraft die See hier an der Insel arbeitet. Ich liebe solcherlei, Orte, an denen man die Macht der See zu erahnen glaubt.

Unzählige Quallen liegen dort, wo vor wenigen Stunden noch Wasser war.

Doch trotz kräftigem Wind und Wellen sind da, wie es scheint, gar nicht so weit weg Fischkutter auf der Nordsee unterwegs. Sind sie tatsächlich so nahe unter Land? Oder sieht es nur so aus. Sah ich bei der Ansteuerung meines ersten Seegatts möglicherweise ähnlich aus für jene Menschen, die am Strand von Wangeroog spazierten? Entfernungen zu schätzen wenn man hinaus aufs Wasser schaut fällt mir noch immer nicht ganz einfach. Solange ich Bezugspunkte an Land habe ist dies kein Problem. Aber auf offenem Wasser, gar hier, ohne Tonnen und andere Seezeichen: Wie soll einem dies nur gelingen?

Einer der schönsten…

Obwohl die Sonne noch recht hoch steht kann man beobachten wie sie sich zügig dem Horizont nähert. Wenn ich mich nicht beeile werde ich erst nach Sonnenuntergang am Boot ankommen. Vielleicht sollte ich einen Schritt zulegen, um…

Ich beginne zu lachen. Um was? Den Sonnenuntergang im Salon zu verbringen? Wohlmöglich in der Koje?

…Sonnenuntergänge…

Oder meinetwegen auch im Cockpit? Bin ich denn verrückt? Ich habe hier diesen traumhaft weiten, schönen Sandstrand und Laufe hier in Richtung Westen. Was könnte ich mehr wollen denn hier den Sonnenuntergang zu erleben? Nein, wenn überhaupt sollte ich eher langsamer werden, sicher gehen nicht vor dem Sonnenuntergang den Strand zu verlassen.

…des Törns.

Da ich allerdings nicht gut darin bin wirklich langsam zu gehen beschließe ich der Einfachkeit halber mehr zu fotografieren. Dieser Strand gibt so viele Motive her, da ist das gar kein Problem.

Zahlreiche Vögel bewegen sich um mich herum

Während sich auf der einen Seite bunte Strandkörbe wirr aneinander reihen, bunte  Farbtupfer auf dem Strand, liebkost auf der anderen Seite die See am Strand. Die Wellen brechen sich schon ein ganzes Stück entfernt, was hier ankommt sind ruhige, flache Wellen. Zusammen mit dem sich langsam orange färbenden Himmel bilden sie hier ein wundervolles Farbenspiel. Eine Harmonie aus Gelb, Orange und Rottönen die wieder einmal beweist: Die See kennt so viele verschiedene, nein, alle Farben. Und jede Einzelne steht ihr ausgezeichnet.

Durch Zufall entdecke ich diesen kleinen Burschen

Es ist irgendwo nahe Niedrigwasser und ich kann statt am Sandstrand über den Meeresgrund laufen. Hier fühlen sich zahlreiche Vögel wohl. Flache Priele verlaufen nahe des Strandes, führen teilweise auch jetzt noch Wasser. Immer wieder entdecke ich auch Quallen die hier auf dem nicht übermäßig feuchtem Sand liegen. Ob sie so eine Strandung überleben? Oder ist so etwas das Todesurteil für eine Qualle? Zweiteres mag ich mir kaum vorstellen. Hier liegen so viele Quallen. So viele Quallen, die können doch nicht bei jedem Niedrigwasser sterben!

Schließlich ringe ich mich durch, mache auch von ihnen Fotos. Sie sehen beeindruckend aus, ihr transparentes Farbenspiel im Sand.

Die Sonne: Weg. Doch die Aussicht bleibt wundervoll

Nach unzähligen Fotos ist es schließlich so weit, die Sonne macht sich an unterzugehen. Einige Wolkenschleier hängen am Himmel. Doch heute stören sie nicht, nein, sie verleihen diesem so schon schönen Sonnenuntergang eine ganz besondere Note. Begeistert mache ich noch mehr Fotos, es sind nun schon unzählige während des Strandspaziergangs entstanden. Zwar ist jedes Foto groß, kostet mich im Mittel über vierzig Megabyte. Doch mit entsprechend großen Speicherkarten ist auch dies kein Problem mehr. Lächelnd freue ich mich über die Kamera. Es war die richtige Entscheidung sie zu kaufen. Ich freue mich bereits jetzt darauf, die Bilder auf dem Blog zu verwenden. Und all die Einstellungen die man anpassen kann um ein noch besseres Foto zu bekommen!

Immer wieder lasse ich die Kamera herab sinken, mein Auge vom Sucher auftauchen. Dieser Sonnenuntergang ist zu schön um ihn rein mit Fotografieren zu verbringen. Es ist einfach ein herrlicher Anblick.

Der Mond, nur eine feine Sichel, ist bereits aufgegangen

Schließlich, kurz vor einem Zaun an dem der Sandstrand in Zone Eins übergeht, überquere ich auf einem kleinen Pfad die Dünen. Die Sonne ist längst untergegangen. Der Wasserturm ist mittlerweile weit in der Ferne, unweit von hier liegt der Yachthafen.

Auf den letzten Metern ist Grün die Hauptfarbe, sie zeichnet das Bild der Landschaft mit Büschen und Bäumen. Dazwischen eine Weide mit Rindern. Sie haben lange Hörner und noch längeres Fell, vermutlich irgend eine spezielle Sorte.

Es wird Zeit zum Boot zurückzukehren. Von denen Dünen blicke ich zurück gen See…

Gerne wäre ich noch weiter gelaufen, hätte mir noch mehr von der Insel angesehen. Sie ist riesig. Und wirklich, wirklich schön. Doch es ist schon spät, bald könnte ich nichts mehr erkennen.

Kaum liege ich in meiner Koje klappen auch meine Augen zu. Es war ein anstrengender Tag. Obgleich ich nicht dort gelandet bin wo ich hin wollte: Ich bin froh einen Blick auf Langeoog geworfen zu haben. Und auch auf den morgigen Vormittag auf der Insel bin ich gespannt.

Von den Dünen blicke ich hinab auf den trockengefallenen Strand

Was ist eure Lieblingsecke auf Langeoog? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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Sebastian

8 Comments

  1. Schade, daß Deine schönen Bilder so klein sind. Kannst Du die (oder die schönsten) ev. in größerer Auflösung online stellen?

    • Naja, die Originaldatein sind über 30 MB groß, die JPEG immernoch bis zu 10 MB. Das wären regelmäßig über 100 MB – pro Beitrag. Für die Ladezeiten allgemein und mobile Leser um Besonderen eine Katastrophe. Ich muss leider radikal komprimieren 🙁 Hab aber schon ne Lösung:) Mehr dazu demnächst.
      Freut mich wirklich sehr das die Bilder gefallen!

      • Ja, für Licht und Stimmung hast Du ein Händchen. Mit der ISO kannst Du ruhig bis auf 200 runtergehen, dann wird zwar die Belichtungszeit etwas länger, aber das Bildrauschen wird noch geringer. 1/60s schafft man mit etwas Übung noch freihändig. Ein Einbeinstativ nimmt kaum Platz weg und ermöglicht noch längere verwacklungsfreie Aufnahmen.
        Die Originaldateien sind natürlich viel zu groß, aber wenn Du die Bildgröße bei 1280×719 (od. ähnlich) läßt, wird die Dateigröße kaum größer. Ein gutes Tool um mehrere Dateien gleichzeitig zu bearbeiten (Batchbearbeitung) ist IrfanView.
        Gruß, Jörg!

  2. Hallo Sebastian, von der Nordsee kenne ich von den Inseln leider nur Sylt und Texel und habe auch noch keinen Segelschlag dort genießen können. Durch deine lebendige Dokumentation über das Segeln im Wattenmeer zwischen den Inseln bekomme ich so langsam Einblicke in die bezaubernden Landschaften und die unberechenbare Nordsee mit ihren vielen Seiten.

    Vielen Dank dafür und herzliche Grüße
    Edda

    • Hallo Edda,
      Es freut mich sehr wenn es dir gefällt. Ich bin ja ein absoluter Nordseefan. Alleine schon die Deutsche Bucht ist unglaublich vielfältig. Vielleicht schaffst du es ja auch mal dich hier umzusehen 🙂
      Viele Grüße,
      Sebastian

  3. Hallo Sebastian,

    oh wow, was für unglaublich schöne Bilder und ein stimmungsvoller Text. Seitdem ich in Berline wohne – und das sind mittlerweile schon 19 Jahre – bin ich totaler Ostseefan geworden. Ich erinnere mich aber an meine Ferien in der Kindheit. Da waren wir in Esens-Bensersiel und im Zuge dessen auf Langeoog. An so richtig viel erinnere ich mich nicht mehr, aber Deine Fotos haben da irgendwas hervorgekramt in mir. Und jetzt hab ich so richtig Bock auf Nordsee 🙂
    Viele Grüße,
    Sandra

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