Leben an Land vs Leben auf einem Boot #1

Nun lebe ich bereits neun Monate auf meinem 6,7 Meter langem Segelboot, habe erste Erfahrungen mit allen vier Jahreszeiten gesammelt. Ich genieße das Leben auf meinem kleinen Segelboot aus vollen Zügen. Häufig ist es garnicht so anders als das Leben an Land. Und doch, so mancher Unterschied, selbst wenn man ihn im ersten Moment garnicht sehen mag, aber auch manch größerer, ist mir im vergangenen dreiviertel Jahr aufgefallen. Und davon möchte ich euch nun erzählen.

Einkaufen

Liveaboard:

„You can’t eat it, drin it or whipe your Ass with it – you don’t need it“ (Du kannst es nicht essen, trinken oder dir den Hintern damit abwischen – du brauchst es nicht). Diesen Satz habe ich im internationalen Raum zum Thema Einkaufen als Liveaboard gefunden. Ganz so ausgeprägt ist es bei mir zwar nicht, es zeigt aber schon deutlich in die Richtung in die es geht. Materielles das nicht in eine dieser drei Kategorien fällt kaufe ich erstmal nicht. Punkt. Weiche ich davon ab, so ist es wohl überlegt und geplant. Oder aber ein nötiger Ersatz für etwas das kaputt gegangen und nicht (mit einem vertretbaren aufwand/meinen Fähigkeiten) reparabel ist. Dabei hätte ich noch reichlich Stauraum auf  meinem Boot frei. Um diesen aber nicht voll zu müllen ist eine gewisse Disziplin notwendig. Zudem ist da ja noch die Wasserlinie. Noch ist sie über dem Wasser. Damit das Boot gut segelt soll dem so bleiben. Also: Gewicht sparen.

Landleben:

In einer Wohnung oder gar einem Haus ist dies deutlich weniger nötig. Kaum jemand wird auf einem Boot genauso viel Platz haben wie die gleiche Person an Land hätte. Selbstredend kann man auch an Land diszipliniert einkaufen, minimalistisch leben. Verglichen mit dem Leben auf einem kleinen (Segel)boot ist das Platzangebot allerdings großzügig. Wahrlich kleine Wohnungen sind schwer zu finden – als ich in Cuxhaven gesucht habe konnte ich keine Wohnung mit weniger als 40 Quadratmetern finden! Man hat also an Land deutlich mehr Möglichkeiten für Spontankäufe und Platz zum verstauen. Dies bedeutet aber auch: Will man dies nicht, so ist mehr Disziplin notwendig.

 

Wohnkosten

Liveaboard:

Kostenkalkulation? Schwierig. Die Kaltmiete ist überschaubar und wird einmal im Jahr bezahlt wenn die Rechnung im Briefkasten landet oder durch den Schlitz am Boot geworfen wird. Meine Kaltmiete liegt bei weniger als drei Monatsmieten meiner letzten Wohnung. Und dies sind die einzigen wirklichen Fixkosten die ich habe. Der Rest verteilt sich ungleichmäßig übers Jahr. Wasser ist mit dabei, dafür kostet Duschen extra. Strom kann ich hier im Hafen für 40 Cent/Kilowattstunde kaufen, anderswo kann es auch mehr oder weniger sein. Für Handwerkliches bin ich selbst zuständig. Und was ich nicht kann, dafür muss ich selbst einen Profi beauftragen oder mir Hilfe suchen. Und manches, wie Wäsche waschen, kann man auch kaum zuhause machen. Und natürlich sind hier die Kosten im Waschsalon andere als mit einer eigenen Maschine zuhause.

Landleben (Miete):

Einmal im Monat geht ein guter Batzen Geld vom Knote. Selbst für eine kleine Wohnung sind das schnell über 300 Euro. Dafür ist alles bezahlt. Die Wohnung, der Strom, das Wasser, die Heizung, möglicherweise sogar ein Hausmeister. Bei Schäden an der Wohnung ist der Vermieter zumeist zuständig. Es ist zwar durch die gleichmäßig verteilten Kosten sehr bequem, hat aber den Nachteil recht viel zu kosten. Unter 4.000 Euro im Jahr bezahlen wohl nur die wenigsten Singles. Es kann auch schnell mehr werden.

 

Nachbarschaft

Landleben:

Als Kind auf dem Land (verzeiht, einer wirklich kleinen Stadt) kannte ich die Nachbarskinder. Doch egal ob in einer WG in München, einer Wohnung in Rheinland-Pfalz oder aber hier in Cuxhaven: An Land waren die Nachbarn für mich Fremde. Selbst nach teils über einem Jahr erkannte ich sie bestenfalls im Flur. Namen, persönliches? Fehlanzeige. Es war alles sehr anonym. Ob dies nun gut oder schlecht ist muss jeder selbst wissen.

Liveaboard:

Man kennt sich, Schnackt miteinander. Natürlich, so manches Boot im Hafen liegt praktisch immer einsam und alleine im Hafen. Doch auf so manchen Booten turnen praktisch täglich oder zumindest regelmäßig Menschen herum. Sieht man sich, so unterhält man sich, tauscht sich aus. Spontan mal jemandem helfen oder Hilfe bekommen? Klar doch, wo man kann. Allerdings ist die Nachbarschaft einer starken Fluktuation unterlegen. Streng genommen sogar zwei Fluktuationen.

Einerseits kommen und gehen ständig Leute. Wassersportler die mit ihren Booten nur für wenige Nächte im Hafen liegen und dann wieder verschwinden. Manchmal ergeben sich interessante Gespräche, häufig bleiben sie aber meiner Erfahrung nach auch für sich.

Die andere Fluktuation ist die der Liegeplatzinhaber, Leute die hier ihren Heimathafen haben. Egal ob die Boote im Winter an Land stehen oder im Wasser bleiben, regelmäßig an Bord sind nur die Wenigsten. So ist es im Winter wahrlich ruhig im Hafen. Dafür kommen mit steigenden Temperaturen immer mehr von ihnen wieder in den Hafen, beginnen zu werkeln und Zeit an Bord zu verbringen. So ist der Winter ruhiger, der Sommer dafür geselliger.

 

Reisen

Landleben:

Vor dem Urlaub wird fleißig gepackt. Nur nichts vergessen! Möglicherweise wird gar eine Liste erstellt. Oder man wirft einfach alles rein, schleppt Massen mit – von denen man das Meiste gar nicht braucht. Dann geht es in den Urlaub. So mancher schafft es zu Fuß von der Haustür aus, häufiger ist wohl das Auto, Bahn oder Flugzeug. Am Ende des Urlaubs geht es wieder zurück. Egal ob Eigner oder Chartersegler, man wird zumeist versuchen am Ende wieder im Heimathafen zu sein. Gelingt dies allerdings nicht, so macht man es eben an einem Wochenende oder bezahlt das Charterunternehmen dafür. Zwar ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. Denn am Ende des Urlaubs geht es wieder nach Hause in die Wohnung.

Liveaboard:

Packen? Ha! Man nimmt einfach sein Zuhause mit. Die Leinen werden gelöst und es geht raus aus dem Hafen, auf Törn. Vergessen kann man nichts – man hat ja alles dabei. Und durch die fehlende Anreise entfällt auch die Schlepperei. Allerdings hat dies auch einen Preis. Am Ende des Urlaubs muss das Boot wieder im Heimathafen sein. Sonst wird es schwer zur Arbeit zu kommen, bei größerer Entfernung könnte gar ein Hotel oder eine Ferienwohnung nötig werden. Zieht sich dann die Überführung zurück in den Heimathafen hin so kann dies schnell recht teuer werden. Man wird also tunlichst versuchen so zu planen das dies gelingt.

Ein weiterer Unterschied ist mehr im inneren. Als Liveaboard reise ich nicht einfach. Ich ziehe um. Egal wo ich auf meinem Törn hin komme, auf jeder Insel und in jedem Land das ich besuche bin ich zuhause. Denn mein Zuhause habe ich stets dabei.

 

GEZ

Sie finden dich. Überall.

Landleben:

Jeder kennt sie denn sie erwischen wirklich jeden. Die GEZ. Zuverlässig treiben sie das Geld ein und mühen sich dabei nicht gerade darum gemocht zu werden. Mit einer Wohnung kommt man nicht drum herum.

Liveaboard:

Fernseher? Habe ich nicht. Interessiert aber auch nicht. Wie gesagt: Die kommen an jeden ran. Solange man einen Wohnsitz in Deutschland hat bezahlt man. Womit nun auch endlich eine der häufigsten Fragen (ja, tatsächlich!) beantwortet wäre. Auch ich zahle GEZ.

 

So manches ist beim Leben an Bord anderes. Manches hingegen auch recht ähnlich. Ich genieße es aus vollen Zügen.

Doch dies war noch nicht alles – denn es gibt einen Zweiten Teil „Leben an Bord vs Landleben“! Seit also sicher meinem Blog zu folgen um das nicht zu verpassen.

Dieser Beitrag entstand als eine erste Reaktion zu meiner aktuell laufenden Umfrage. Mit eurer Meinung könnt ihr mir helfen diesen Blog besser zu machen.

Welche Unterschiede zwischen Landleben und Leben auf einem Boot könnt ihr euch noch vorstellen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen! Es hat euch gefallen? Dann teilt den Beitrag doch mit euren Freunden!

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Sebastian

4 Kommentare

  1. Der GEZ-Skandal (keinen Fernseher an Bord) ist doch bedtimmt mal was für AKTE 2017 oder ähnliche Report-Magazine…. Mannomann die kriegen aber auch wirklich jeden…. 😢💻⛵

    • Durchatmen. Ich hab ja ein Radio das ich nutze. Und Extra 3 schaue ich mich gelegentlich auf YouTube ab. Ich ärgere mich da nicht übermäßig drüber – auch wenn ich das alte, Geräteabhängige System besser fand.

  2. Wie machst du es mit sozialen Kontakten? Herz meines Hauses ist ein großer Tisch, um den sich gern Freunde versammeln, es wird zusammen gekocht, gegessen, genossen, geredet und gelacht. Unterschied zum Boot?

    • Nun ja, riesige Partys auf dem Boot sind kaum möglich. Bei gutem Wetter könnte man durchaus mit 8 Personen gemütlich an Bord sein – dann halt die Hälfte im Cockpit. Bei schlechtem vier, je nach Umfang auch weniger. In den meisten Häfen gibt es die Möglichkeit im Hafen zu grillen. Allerdings, das muss ich ganz klar sagen: Für große Gruppen ist ein kleines Segelboot schlicht ungeeignet. Da ich aber schon ewig nicht mehr in der Verlegenheit kam große Gruppen irgendwo zu begrüßen (selbst meine Geburtstage beschränken sich seit Jahren maximal auf meine nächsten Verwandten) ist das für mich kein Thema. Prinzipiell muss ich aber sagen: Seit ich auf meinem Boot wohne habe ich deutlich mehr mit anderen Menschen zu tun. Aber meisten ehr dann einer Person auf einmal, höchstens eine kleine Gruppe.
      Viele Grüße,
      Sebastian

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