Die letzte Hanseboot – Ein erster Eindruck

Gestern, am 28.10.2017 hat die Hanseboot in Hamburg zum letzten Mal ihre Pforten geöffnet. Doch wie war es? Lohnt es sich noch einmal nach Hamburg auf die Messe zu gehen? Oder sollte man doch lieber auf die Boot in Düsseldorf warten?

Die kurze Antwort: Ja, es lohnt sich. Aber…

Und nun etwas ausführlicher:

Recht früh drehte ich eine erste Runde über das Messegelände. Schnell fiel auf: Selbst im Vergleich zum letzten Jahr ist die Messe noch einmal geschrumpft. Spürbar. Ganze Hallenbereiche die noch 2016 Ausstellungsbereich waren sind es nun nicht mehr. Auch fehlen einzelne Aussteller oder sind nur sehr eingeschränkt zu sehen. So ist Beispielsweise Bavaria ausschließlich mit Motoryachten vertreten. Segelboote dieser großen Werft sucht man vergebens.

Andere Unternehmen haben ihre Messestände verkleinert. So ist es kein Wunder wenn man beim Gang über die Messe zu erahnen beginnt warum dies die letzte Hanseboot ist. Was wohl zuerst da war: Die fehlenden Aussteller – oder das Ende der Messe?

Motorboote gibts noch viele

Doch warum sollte es sich trotzdem lohnen?

Ganz einfach: Weil noch einiges da ist. Und das auf mache weise gerade durch das schrumpfen der Messe besser als anderswo!

So hat mir beispielsweise der große Funsportbereich sehr gut gefallen. Schon lange gehe ich mit dem Gedanken schwanger mit ein SUP zu holen als spaßige Alternative zum Beiboot – zumindest in manchen Situationen. Auf ein „Trocken-SUP“ habe ich mich schon gewagt. Das kann ich jedem nur empfehlen. Aber Tipp: Ich würde es machen wenn gerade niemand hin sieht. Ist gar nicht so einfach.

Auch der Refitbereich macht einen guten Eindruck. Zahlreiche Fachaussteller, experten. Überall wird beraten, gewerkelt, vorgeführt. Ob dies primär an meiner veränderten Perspektive als Eigner liegt, nun, da ich auch selbst das eine oder andere Bastelprojekt an Bea Orca abgeschlossen habe, der Schock über den Verkauf der Boatfit im letzten Jahr überwunden ist oder es tatsächlich so ist: Ich habe ein klein wenig den Eindruck gewonnen als wäre das Leben hier noch… lebendiger als noch im letzten Jahr. Definitiv sehenswert! Und so mancher Stand den ich die kommenden Tage noch einmal besuchen mag.

Auch In der „SailZone“ – nicht alles hat ein Rigg…

Auch bei den Ausrüstern sind noch sehr viele da, tatsächlich habe ich persönlich noch keinen vermisst. Das schlendern zwischen den Ständen macht Spaß, immer wieder fällt das Auge auf etwas neues, etwas das man noch nicht kennt. Segelmacher, Motorenhersteller, Heizungsprofis, Elektronikexperten, Bootsausrüster und viele mehr bevölkern die Hanseboot. Auch hier freue ich mich noch auf so manches Gespräch. Und wer weiß, vielleicht treffe ich bei so manchem Dilemma mit dem ich schon länger schwanger gehe endlich eine Entscheidung.

Und nun zu den Booten. Für nicht wenige ein, wenn nicht der wichtigste Punkt einer Bootsmesse. Wie ich eingangs schon schrieb: Bei Segelbooten fehlt so mancher. So kommt das sie keine ganze Halle mehr füllen, hier und da stehen zwischen den Segelbooten bereits Motorboote. Und die Rede ist in diesem Falle tatsächlich bei Motorbooten ganz ohne Rigg.

Doch, es gibt sie noch: Zahlreiche Segelboote stehen hier ebenfalls.

Mein Eindruck ist: Dies dürfte primär durch das Fehlen von Segelbooten von Bavaria herrühren. Ganz klar, wenn sich eine große Werft so zurückzieht lässt dies eine Lücke. Doch waren einige andere da:

Hanse, Dehler, Jeanneau, Saffier, Dragonfly, Bente sowie zahlreiche weitere Kleinkreuzer lassen sich in den Hallen finden. Auch der Freundeskreis klassischer Yachten sowie zahlreiche Klassenvereinigungen mit ihren Jollen sind in den Hallen und freuen sich über Gespräche.

Und zuletzt: Motorboote. Hier fällt es mir mangels Aufmerksamkeit für dieses Thema in den letzten Jahren schwer eine Aussage zu treffen. Doch: Es sind eineinhalb Hallen voller Motorboote ganz verschiedenen Types. Von schnellen Gleitern bis zu gemächlichen Verdrängern, von kleinen, offenen Booten bis hin zu großen Yachten: Alles ist dabei.

Ausrüster gesucht? Da sind einige da…

Die Messe war am ersten Tag durchaus gut besucht, nicht aber überlaufen. Wartezeiten waren – wenn überhaupt vorhanden – nicht lange. Und nur sehr selten überhaupt ein Thema. Egal  ob bei Händlern, Ausrüstern, Handwerkern, Vereinen oder an den Booten: Bei Interesse war schnell jemand zur Stelle der Fragen beantworten und Dinge vorführen konnte. Die Atmosphäre war überhaupt sehr offen und freundlich, geradezu familiär. Immer wieder trifft man auf bekannte, wird in Gespräche verwickelt. Die Menschen haben oder nehmen sich Zeit, unterhalten sich mit einem, gehen auf einen ein. Etwas das in Düsseldorf durchaus bedeutend schwerer werden kann.

Doch halt – greife ich nicht vor?

Denn einen wichtigen Punkt der Hanseboot habe ich bisher ausgeklammert. Die Vorträge.

Die Boatfit-Bühne. Hier werde ich am Montag Mittag zum Thema „Leben an Bord“ Interviewt.

Hier sehe ich keinerlei Einstriche im Vergleich zu den letzten zwei Jahren.

Da wäre die Boatfit-Arena mit wahrlich interessanten Vorträgen von Experten von denen ich als Eigner profitieren kann. Egal ob Dieselpest, Schweißen, Kleben oder Segelnotreparaturen: Dies und so viel mehr wird hier auf der Bühne angesprochen und aufbereitet. Gerade für neue Bootseigner und alle, die noch nicht mit dem handwerklichen Wasser aller Meere gewaschen sind definitiv mehr als einen Blick wert.

Egal ob Eigner oder Charterer: Auf der Meet the Expert-Bühne werden Themen in den Mittelpunkt gestellt die für uns interessant sind. Ob Seenotrettung, erste Hilfe oder Wetterkunde: Über dies und mehr kann man hier einiges lernen.

Gut besucht, nicht aber überlaufen

Noch nicht ganz überzeugen konnte mich die Segel-Campus-Bühne des DSV. Einzelne Vorträge wie über den Umgang mit dem Treibanker oder Hilfeleistung durch Helikopter im Seenotfall kann ich mir ganz interessant vorstellen. Vorträge über den neuen Sportbootführerschein und Jugendarbeit in Vereinen dürften aber primär für jene interessant sein die in Vereinen aktiv sind und sich dort selbst mit eben diesen Themen beschäftigen. Oder vielleicht auch nicht? Nun, dies muss jeder für sich selbst entscheiden.

Und natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder die Bühne „Leben an Bord“. Hier erzählen Wassersportler von ihren Erlebnissen, geben Tipps und versuchen nicht nur zu informieren sondern auch zu inspirieren. So hat mich, obwohl mir bereits bekannt, der Vortrag von Holger Peterson zum Thema „Wie wir im Norden segeln“ sehr begeistert. Es ist einfach großartig was für ein vielseitiges Revier wir in Norddeutschland haben. Und Holger gelingt es einfach immer wieder dies in 30 Minuten zu präsentieren. Gerne auch hätte ich seinen Vortrag „Mein Boot ist mein Zuhause“ gehört – habe mich aber verquatscht. Zum Glück hält er ihn nochmal nächste Woche Samstag um 12.30 Uhr. Auch wenn das nicht im Programm steht 😉

Alles in allem freue ich mich auf die nächsten 8 Tage in Hamburg. Sicherlich werde ich nicht jeden Tag von Anfang bis Ende auf der Hanseboot sein, mir endlich auch einmal Zeit für die Stadt nehmen. Doch klar ist: Ich werde auch täglich auf der Messe sein, mich mit Leuten Treffen, Vorträge anhören – und so manchem Verkäufer Löcher in den Bauch fragen.

Voll bestückt: Der Funsport-Bereich.

Meinen Verlag, millemari. findet ihr übrigens in B1 D100 (1. Stock, gleich neben der Bühne Leben an Bord). Und ich? Ich freue mich auf Montag und Dienstag, wenn ich insgesamt drei mal auf Bühnen stehen werde.

Am Montag wird mich Hinnerk Weiler ab 12.30 Uhr zum Thema Leben an Bord auf der Boatfit-Bühne live für das Segelradio interviewen. Ich bin schon gespannt was er mich fragen wird.

Später, ab 16.30 Uhr geht es für mich dann auf die Leben an Bord-Bühne wo ich mich riesig darauf freue euch zu erzählen wie es ist, als Anfänger auf der Nordsee zu segeln. Ohne See-Vorerfahrung – und Einhand.

Die Bühne „Leben an Bord“ – hier findet ihr mich Montag Nachmittag und Dienstag Mittag

Und dann am Dienstag, um 13.00 Uhr geht es wieder ganz einfach zu: Auf der Bühne Leben an Bord geht es minimalistisch zu – denn ich erzähle unter dem Titel „Schnell kann Jeder“ über meine Törns mit meinem Schlauchsegelboot BEA.

Fazit: Die Hanseboot ist keine riesige Messe mehr, wer Düsseldorfer Verhältnisse erwartet wird enttäuscht. Doch hat dies auch eine Kehrseite: Kaum bis keine Wartezeiten, Aussteller die sich noch Zeit für einen nehmen. Und ein Vortragsprogramm das sich wahrlich nicht verstecken muss. Vielleicht sieht man sich die kommenden Tage? Es würde mich sehr freuen. Ihr findet mich immer mal wieder am millemari.-Stand. Und im Zweifelsfall auf Facebook nachsehen wo ich mich an den einzelnen Messetagen herumtreiben werde.

Und? Wie stehst du zur letzten Hanseboot? Wirst du hin gehen – oder warst es vielleicht gar schon? Wie hat es dir gefallen? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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Sebastian

3 Comments

  1. Nein….., ich war dieses Jahr nicht dort. Und auch die letzten Jahre mußte ich jedes Mal ein wenig länger überlegen, ob ich mir tatsächlich die 120 Kilometer ans Bein binde.

    Meine erste Hanseboot hatte ich glaube ich 88´……: damals da sogar in der Hardcore-Version als Schwiegersohn in spe von jemandem, der da ausgestellt hat und der mich dann gleich für ein paar Tage zum Dienst auf dem Stand verdonnert hat.

    Das Mädel war toll ( ich hätte sie heiraten sollen ) und die Messe war pures Abenteuer für mich als jemand, der vorher keinerlei Kontakt mit Wassersport hatte.

    Auch die folgenden Jahre war die Hanseboot dann immer ein Event auf das ich mich besonders gefreut habe….: Düsseldorf war zwar nett und groß, aber die Hanseboot war anders.

    Irgendwie familiärer….., intimer…., vielleicht auchein wenig ehrlicher und bodenständiger.
    Meist hab ich damals zwei Tage auf der Messe verbracht und hatte anschließend immer noch das Gefühl, nicht alles gesehen zu haben.

    Irgendwann wurden die Abstände zwischen den Messebesuchen dann länger…., zwar hab ich etliche Jahre lang reichlich Booote anderer Menschen gesegelt, gewartet, repariert oder mitgebaut, aber für Messe war oft gerade keine Zeit.

    Vor ein paar Jahren hab ich dann doch tatsächlich den Schritt zum eigenen Schiffchen gemacht ( war vorher nicht nötig )….: natürlich was besonderes mit Reparaturstau.

    Also endlich nach diversen Jahren Abstinenz wieder Hanseboot mit großem Wunschzettel in der Tasche……: aber plötzlich enttäuschend……

    Plötzlich reicht ein Tag um einmal hin-und zurück über die Messe zu laufen……., plötzlich sind viele der z.T. sehr speziellen Aussteller nicht mehr da…, der Platz zwischen den Hallen wo es sonst immer von interessanten Ausstellern gewimmelt hat ( auch wenn die nicht immer was mit Booten zu tun hatten ) plötzlich verwaist…

    Zusammengefasst….: die Würze fehlte. Eben das was die Hanseboot so liebenswert gemacht hat.
    Und im nächsten Jahr fehlte sie noch ein bisschen mehr, sowie im darauffolgenden.

    Vieles von dem was ich auf meinem Zettel hatte finde ich nicht mehr, oder eben ohne Auswahl.
    Ich brauchte letztes Jahr gerade noch mal zwei…drei Stunden um wirklich langsam und interessiert über die Messe zu kommen.

    Die Boote…? Fast nur noch die langweiligen Massenboote der Branchenriesen….: nix mehr mit Fahrtenkat´s, kleinen englischen Werften oder Booten aus den USA / Osteuropa ect.
    Auch beim Zubehör oder bei der Technik kaum noch Aussteller die was anbieten was ein bisschen spezieller ist oder wenigstens außerhalb des Katalogsortiments der zwei…drei großen Zubehördiscounter.

    Ich mochte die Hanseboot und ich finde es schade, daß es sie nun nicht mehr geben soll.

    Allerdingst vermisse ich damit “ meine “ Hanseboot, wie sie vor 10…15 Jahren noch war und nicht die wie ich sie in den letzten vier…fünf Jahren erlebt habe.

  2. Hi Sebastian.
    Ich war mal wieder am Dienstag da, und zwar hauptsächlich der Vorträge wegen.
    Wenn nicht noch weitere interessante Vorträge anschließend gefolgt wären, hätte ich noch mal das persönliche Gespräch gesucht. Aber danach warst Du wohl unterwegs. Schade, dass die Messe wegfällt. Aber sie hat auch echt nachgelassen. Ich war um 12 Uhr da, habe mir bis etwa 16 Uhr Vorträge angehört, ein paar vorgeplante Anlaufstellen abgearbeitet und noch einen Rundgang gemacht. Um 18 Uhr war ich wieder draußen. Mindestens genauso schade, dass die boatfit futsch ist. Aber in Bremerhaven soll es ab 2018 ein entsprechendes Pendant geben. Ich hoffe, dass dies vom Erfolg verfolgt sein wird.
    P.S. Habe heute Rückmeldung bekommen. Die Stadtbibliothek inventarisiert in Kürze ein Buch namems „Schnell kann jeder.: Mit Bea, dem Schlauchboot, 500 Kilometer durch Friesland“…..
    Ich glaube es wird interessant. 🙂

    Grüße aus Bremerhaven.
    Markus

    • Moin, ich blogge darüber wöchentlich seit kurz nach dem Törn. Das erst im Nachhinein geschrieben wird ist eigentlich normal. Tut mir leid das du da was falsch verstanden hast – aber das hat nichts mit Märchen erzählen zu tun…

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