Isolation auf (GFK-)Booten

Isolation. Ein leidiges Thema um das man, so man in Deutschland (oder überhaupt im Norden) an Bord leben will nicht herum kommt. Kaum ein Sportboot, sieht man mal von den Etaps und einigen Stahl- und Aluschiffen ab, ist isoliert. Die typische Nutzungszeit ist der Sommer, ergänzt möglicherweise durch einige Wochenenden im Frühjahr und Herbst. Alles in allem sind die meisten Booten solange es draußen kühl ist unbewohnt. Hier erübrigt sich eine Isolation, würde höchstens für wenige Wochenenden im Jahr Sinn machen.

So ist es ein Wunder das nicht nur die Werften sondern auch die Eigner auf eine Isolation verzichten.

 

Warum isolieren?

 

Aber warum sollte man sein Boot isolieren? Bei einem Haus hält die Isolation die Wärme im inneren. Dies spart ungemein Heizkosten, so das sich dicke Isolationsschichten lohnen. Die warme Luft bleibt innen, die kalte draußen. Im Sommer möglicherweise auch umgekehrt. Zum Luftaustausch werden einmal täglich alle Fenster weit geöffnet, es wird gut durchgelüftet. Und im Anschluss wird wieder gut hochgeheizt bis es angenehm warm ist.

Im Grunde eine gute Sache – nur leider so nicht praktikabel. Ein Boot wird für gewöhnlich, anders als eine Wohnung, nicht Luftdicht sein. Zum einen wären da die üblichen Lüfter, öffnungen die eben genau dafür da sind – zum Luftaustausch. Und natürlich haben Steckschotten praktisch immer irgendwo schlitze, stellen an denen sie – und sei es auch nur ganz oben – nicht 100% abschließen. Heizt man im Winter sein Boot, so kann dies knapp unter dem Deck für einen regelrechten Zug sorgen. Ein reger Luftaustausch, der die warme Luft zügig nach draußen befördert. Auch im Sommer findet dieser, wenn auch nicht ganz so intensiv, statt.

Und: Das ist verdammt gut so. Anders als in einer Wohnung oder gar einem Haus ist die Luftmenge in einem Boot überschaubar, nur wenige Qubikmeter befinden sich zur gleichen Zeit unter Deck. Wäre es ein luftdicht verschlossener Raum, die Kohlenstoffdioxid-Konzentration würde bei Personen im Inneren viel zu schnell steigen, der Sauerstoffgehalt zugleich rapide abfallen. Alles in allem eine Situation die unbedingt vermieden werden sollte.

Bei einem Regen Luftaustausch versteht es sich allerdings von selbst, das eine Isolation die Wärme bestenfalls bedingt unter Deck zu halten vermag. Warum also sollte man ein Boot isolieren?

Die Antwort ist ganz einfach: Schwitzwasser. Sobald die Temperaturen zu sinken beginnen fängt es an sich überall zu bilden. Unterm Deck, in Schapps, an den Scheiben – einfach überall. Und spätestens wenn man morgens von kaltem Wasser das einem in einem stetigen Rhythmus von oben aufs Gesicht tropft geweckt wird hat es sich mit jeglicher Liveaboard-Romantik. Und genau hier setzt die Isolation an. Durch ein Verschieben des Taupunktes aus dem Boot verhindert sie die Kondensation – und somit die Entstehung von Schwitzwasser.

 

Wo isolieren?

 

Doch wo sollte man isolieren? Die Frage lässt sich wohl nur mit einem „das hängt davon ab…“ beantworten. Ideal ist es wohl, das gesamte Boot zu isolieren. Und das schön dick, ganz nach dem Motto „viel hilft viel“. Doch wirklich nötig ist dies nicht. So wird sich beispielsweise unterhalb der Wasserlinie ehr selten Schwitzwasser bilden – hier ist in den meisten Fällen eine Isolation zu verzichten. Auch habe ich keine Probleme mit Schwitzwasser am offen zugänglichen Stellen am Rumpf wo bereits Teppich an den Wänden zu finden ist. Auch hier: Kein Schwitzwasser.

Auf die Fenster habe ich verzichtet. Diese wären etwas aufwändiger zu isolieren, müssten im Idealfall gar ausgetauscht werden. Solange ich nicht an sie ran komme habe ich mit dem sich hier tatsächlich bildenden Kondenswasser kein Problem – und so nehme ich die Kältebrücken meiner großen Fenster sowie der Metallrahmen in Kauf.

Isoliert habe ich abgeschlossene Bereich über die Wasserlinie wie beispielsweise Regale. Hier steht, auch in einem Boot, die Luft. Hinzu kommt eine schlechte Einsehbarkeit. Und so ist das Risiko von Schwitzwasser gleich doppelt hoch. Einerseits sieht man die Bildung nicht gleich, andererseits kann sich schnell Schimmel bilden. Beides ist nicht akzeptabel.

Zum anderen der Bereich unter Deck, besonders über den Kojen. Die ganze Nacht atmet man ein und aus, die Luftfeuchtigkeit steigt. Gerade hier ist das Risiko von Schwitzwasser besonders hoch. Doch auch im Salon habe ich isoliert – wenn auch nur eingeschränkt. Denn: Teilweise habe ich zwischen Deck und Salon eine weitere Verkleidung die ein wenig isoliert – und reicht. Unter Deck zu isolieren hat den Nachteil das es recht bald schwerer wird Veränderung wie neue Beschläge an Deck vorzunehmen. Sicher, es gibt schlimmeres – wo aber nicht nötig habe ich gerne darauf verzichtet.

Im Idealfall weiß man bereits wo sich Schwitzwasser bildet und isoliert zielgerichtet. Hierbei sollte man aber bedenken das die Problematik überall dort wo man nicht isoliert hat umso intensiver wird. Im Zweifelsfall also: Viel hilft viel.

 

Meine Erfahrung:

Im November 2016, es stand schon fest das ich bald an Bord ziehen würde, war Isolation ein wichtiges Thema. Ich hatte mir eine dicke Rolle (es waren 8 Quadratmeter) selbstklebendes Armaflex mit einer Dicke von 19 mm gekauft. Dank Dampfsperre bestand kein Risiko einer Kondensation in den Isolationsmatten. Prinzipiell ist die Anwendung denkbar einfach. Zurecht schneiden, Schutzfolie von der Seite mit dem Klebstoff abziehen und aufkleben. Was könnte leichter sein?

Gut, Metallteile muss man zunächst noch extra überziehen mit beispielsweise Sikaflex oder Pantera, aber dann kann man wunderbar kleben. Das ganze geht eigentlich ganz einfach, ist geradezu selbsterklärend. Natürlich sollte man sich im Voraus überlegen wo man isolieren mag und die Flächen gut entfetten, doch ansonsten ist es einfach.

Jedenfalls im Sommer. Nun war es dummerweise gerade November, die Luftfeuchtigkeit lag regelmäßig im Bereich um die 100%. Trotz Luftentfeuchter im Boot hieß es erstmal alles trocken wischen. Dabei durfte ich aber nicht atmen – sonst bildete sich sogleich wieder Schwitzwasser. Bereits hier musste ich im wahrsten Sinne des Wortes zum Atmen nach draußen gehen. Nachdem ich dann auch noch mehr und mehr der Flächen entfettet habe war dies sowieso besser. So praktisch organische Lösemittel sind, sie sind nun mal auch gesundheitsschädlich. Wer nicht gerade mit einer Gasmaske arbeitet wird beim großflächigen Arbeiten mit diesen Chemikalien unter Deck schnell eine unangenehme Dosis einatmen.

Im Cockpit wurden nach und nach die benötigten Stück zurecht geschnitten. Dann anlegen – zunächst noch mit der Folie. Wenn alles passt die Folie abziehen und aufkleben.

Also: Alles in allem recht einfach.

Nun beließ ich es zunächst so und zog an Bord. Allerdings störte mich – bereits im Voraus abgesehen – recht bald das Schwarz. Denn Armaflex ist schwarz und schluckt so das ganze schöne Licht auf das ich auch unter Deck nicht verzichten mag.

Und so verkleidete ich schließlich das Armaflex mit einfacher Klebefolie.

 

Tipps und Wichtiges beim Isolieren:

  • Der Untergrund muss 100% trocken und fettfrei sein. Sonst hält das Isolationsmaterial nicht oder schlimmer noch, es bildet sich schimmel
  • Im Sommer (oder in einer beheizten Halle) isolieren. Natürlich geht es auch ohne, ist dann aber bedeutend aufwendiger.
  • Metallteile zuvor leicht abisolieren, beispielsweise mit Sika
  • Viel hilft viel. Ruhig dickes Isolationsmaterial (z.B. 19 mm) nutzen
  • Wer kein selbstklebendes Isolationsmaterial verwindet: Unbedingt auf den Klebstoff achten. Dieser muss mit dem Isoliermaterial kompatibel sein. Manche Klebstoffe können es auch angreifen!
  • Auch bei der Verkleidung hierauf achten. Wird die Dampfsperre beschädigt oder gar zerstört droht Schimmel IN der Isolation!
  • Auf Arbeitssicherheit achten. Gerade beim Arbeiten mit Lösemitteln unter Deck unbedingt für eine gute Durchlüftung sorgen und auf Brandschutz achten.

Wer sein Boot isolieren will, egal ob für ein paar Wochenenden am Rande der Saison oder zum ganzjährigen Leben an Bord der sollte dies unbedingt tun. Es ist nicht sonderlich kompliziert und ein zeitlich wie auch finanziell überschaubarer Aufwand. Man sollte allerdings bedenken das die Isolation naturbedingt Platz im Boot verbraucht und zudem nicht ganz einfach zu entfernen ist. Wie sich dies auf einen Verkauf auswirkt kann ich nicht abschätzen. Entsprechend kann ich nicht empfehlen das eigene Boot „nur für den Fall“ zu isolieren.

Natürlich betrifft das was ich in diesem Beitrag geschrieben habe nur meine persönliche Meinung und Erfahrung – mit meinem kleinen GFK-Boot. Auf größeren Yachten und anderen Baumaterialien stellen sich gleich wieder andere Fragen. Wer ernsthaft überlegt auf sein Boot zu ziehen oder auch nur öfters mal in den kühlen Jahreszeiten an Bord zu sein, dem empfehle ich gerne Holgers Buch „Mein Boot ist mein Zuhause„.

Wie steht ihr zum Thema Isolation auf Booten? Habt ihr euer Boot schon isoliert oder wollt es tun? Was sind eure Gedanken und Erfahrungen? Lasst es mich in den Kommentaren hier und auf Facebook wissen.

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Sebastian

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