Auf nach Lauwersoog

Ich schlafe ausgesprochen lange. Die letzten Tage waren überraschend anstrengend, selbst gestern, als ich in Deinum auf die Brücke warten musste und so schon ausschlafen konnte hatte ich doch einen langen Tag vor mir. Heute ist das anders. Lauwersoog ist mein Ziel. Einfach einmal über das Lauwersmeer. Dieser eingedeichte Meeresarm der Nordsee ist heute ein Binnengewässer. Sicherlich größer als die Baggerseen die ich aus Rheinland-Pfalz von meiner Zeit mit BEA kenne. Aber eben doch vergleichsweise überschaubar. Erst um etwa zehn Uhr krieche ich langsam aus meiner kuschligen Koje, strecke mich und stehe auf. Es tut gut so entspannt sein zu können. Wäre ich jetzt lieber schon draußen im Watt oder gar bereits auf der offenen Nordsee? Natürlich. Doch das hier ist schon das zweitbeste. Ausschlafen. Gemütlich gönne ich mir noch vor dem Frühstück einen Spaziergang über die Marrekrite-Insel. Heute geht’s nur nach Lauwersoog wo ich dann ab morgen eingeweht sein werde. Aber, ich habe Glück: Befreundete Segler werden heute Abend ebenfalls in Lauwersoog einlaufen so das wir dann die Tage gemeinsam eingeweht sind. Ob es das nicht zumindest etwas besser machen wird?

Nach einem leckeren Frühstück mache ich mich daran Klar Schiff zu machen. Es geht wieder unter Menschen. Die letzten Tage war ich unterwegs, auf dem Wasser von morgens bis abends, teils gar noch länger. Da wurde schonmal mitten in der Nacht der Anker geborgen. Zwar hält sich das Chaos in starken Grenzen – klar, wann hätte es auch entstehen sollen?

Trotzdem bin ich froh als es erledigt ist und ich endlich die Leinen lösen kann.

Auf dem Lauwersmeer erwartet mich eine unerwartete und unschöne Überraschung. Es ist ruppig. Und das bei Winden die mich vom Seesegeln nicht abgehalten hätten!

Trotzdem sind zahlreiche Boote auf dem Wasser unterwegs. Die Fahrwasser sind gut betonnt, man kann sich problemlos an den Tonnen entlang hangeln. Nach meinem dritten Ärgernis vom Vortag tue ich dies auch, wohlwissend das es ansonsten zu unschönen Erlebnissen kommen kann. Zwar ist das Lauwersmeer in großen Teilen recht tief, ein Risiko mag ich aber sicher nicht eingehen.

Die kurze, hackige See will so gar nicht zu dem blauen Himmel mit nur einigen weißen Wolken passen. Und doch, hinter jeder Welle schlägt Bea Orcas Bug ins Wellental, Gischt spritzt. Es ist anstrengend vorwärts zu kommen und ich freue mich schon bald auf meine Ankunft in Lauwersoog.

Wie es da wohl ist? Bei meinem ersten und irgendwo auch beim zweiten Törn mit meinem Schlauchsegelboot BEA wollte ich dort hin. Ganz oben rechts in der Karte, so weit weg von Warns, meinem damaligen Starthafen, es war auf der eigentlichen Karte nicht mehr drauf. Ein kleiner Extraausschnitt zeigte das Lauwersmeer separat. Oder sollte ich sagen zeigt? Immerhin nutze ich auch jetzt diese Karte.

Dankenswerterweise verlaufen die Wasserwege noch so wie damals (zumindest hier). Entsprechend ist es vergleichsweise einfach sich zurecht zu finden.

Die Ufer entlang des Lauwersmeer erscheinen mir recht schön zu sein, man sieht viel Natur, dazwischen immer wieder Tiere. Ein besonderer Anblick zeigt sich mir als ich zwischen dem Nationalpark und einer kleinen Insel mit Kurs Lauwersoog einbiege. Auf einer Wiese im Nationalpark grast ganz ruhig und unbekümmert eine Herde von Pferden. Was für ein Anblick. Ich fühle mich sogleich in meine Kindheit versetzt. Damals, während einer Fahrradtour mit meinen Eltern sind wir ebenfalls in den Niederlanden einer Herde halbwegs wilder Pferde begegnet. Das war aber, da bin ich mir sicher, in Zeeland. Praktisch am anderen Ende dieses Landes. Trotzdem, es ist einfach ein toller Anblick den man so in einem dichtbesiedelten Land wie den Niederlande kaum erwartet.

Schließlich, nach eineinhalb Stunden laufe ich in den Hafen ein. Ein Steg nach dem anderen lasse ich hinter mir. Die Schilder sind deutlich: All diese Stege sind größeren Booten vorbehalten. Es muss doch auch Liegeplätze für kleinere Boote geben! Das kann doch nicht…

Endlich entdecke ich eine Reihe für kleinere Boote. Die Fender fliegen raus, die Leinen liegen bereit. Vorsichtig steuere ich eine freie Box an. Es ist verdammt eng, aber ich werde da schon durch passen, dessen bin ich mir sicher. Und hier, ohne Gezeiten, ist es auch deutlich einfacher zielsicher einen Liegeplatz anzusteuern. Doch als wir gerade mit der breitesten Stelle zwischen den Pfählen sind bleibt Bea Orca stehen. Zwar passt ihr Rumpf wunderbar durch – die Fender sind aber zu viel!

Kopfschüttelnd ziehe ich sie hoch, gebe nochmal einen kurzen Gasimpuls und lege dann an. Gestoppt durch Fender. Sachen gibt’s.

Der Steg ist beschissen. Und damit meine ich nicht etwa das es verdammt eng war beim Anlegen oder das etwas kaputt wäre, die Lage schlecht. Nein, es ist tatsächlich wörtlich gemeint. Vögel haben hier in Massen ihr Geschäft gemacht. Doch ich bin nicht wählerisch, begebe mich zum Hafenmeister und bezahle.

Dabei entdecke ich einen weiteren Steg für Boote meiner Größe – in den Bea Orca sicherlich auch mit Fendern draußen gekommen wäre. Aber jetzt liege ich. Oder doch verholen? Der andere Liegeplatz sieht dann doch besser aus…

Einige Stunden vertrödle ich auf dem Steg bevor die mir bekannten Segler ankommen. Es ist schön sich wieder zu sehen. Bisher kenne ich sie nur von Messen, jetzt sieht man sich auf dem Wasser. Gemeinsam verholen wir unsere Boote an den etwas besser gelegenen Steg und machen sie bereit für die Sturmtage. Keiner von uns ist übermäßig Begeistert ob der Aussicht auf das Wetter. Trotzdem wird es ein schöner Abend. Gerade bei schlechtem Wetter ist es schön die Zeit mit netten Gesichtern zu verbringen.

Frohes neues Jahr!

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Sebastian

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