Ein Törn zum Abgewöhnen

Schon vor dem diesjährigen Sommertörn wusste ich was für einen Törnbericht ich schreiben wollte. Das Thema war klar, lag geradezu auf der Hand. Zum ersten Mal würde ich einen Urlaubstörn nicht Einhand erleben. Zweisamkeit als Thema, als roter Faden durch den Törnbericht. Ich bin verliebt, seit Ende 2017 schleicht ein Lächeln beim Gedanken an einen anderen Menschen über meine Lippen. Was könnte schon schief gehen? Diese tolle Frau mit mir zusammen auf Törn? Die Unkenrufe das so ein Törn schnell zu einer Trennung führen kann wurden ignoriert. Zurecht – den immerhin das sollte nicht passieren.

Vor dem Törn sorgte ich dafür das alles nötige an Bord ist, zudem wurde der Motor noch mal von einem Profi durchgecheckt und gewartet. Nichts sollte schief gehen. Drei Wochen entspanntes segeln, motoren und einfach die Zeit genießen. Zeit, das war ganz wichtig. Ich wollte Zeit mit meiner Freundin. Wir sehen uns sonst nur am Wochenende. Zudem bin ich durch ein Fernstudium auch was die Freizeit allgemein betritt seit diesem Jahr recht eingeschränkt.

Doch Ostfriesischen Inseln würden uns schon einen tollen Urlaub bieten. Spiekeroog mit seiner blauen Lagune, Baltrum, Langeoog, diese Inseln kannte ich bereits. Und mochte sie alle. Doch auch Wangeroog und Norderney wollten wir anlaufen. Dabei aber: Ruhe. Abgesehen vom langen Schlag hin und möglicherweise zurück waren lange Schläge nicht vorgesehen. Eben ein ruhiger Törn.

Viel Zeit auf den Inseln, auch häufig in Häfen liegen. Lange Spaziergänge entlang von Stränden und über Dünen. Gemütlich in Cafés sitzen. Hatte es mich in der Vergangenheit immer weiter und weiter getrieben wollten wir dieses Jahr bewusst mehr verweilen. Zeit gemeinsam und auf den Inseln auskosten. Was könnte es schöner geben, besonders als ersten Urlaub für ein Paar? Ein Erlebnis das uns noch näher bringen würde, da war ich mir sicher! Immerhin kannte ich segeln schon von insgesamt 7 zuvor durchgeführten Törns, davon vier mit Bea Orca, eben jenem Boot mit dem wir auch jetzt auf Törn gehen wollten.

Und doch, nach dem Törn sollte es Wochen und Monate dauern – es sind jetzt etwas zweieinhalb – in denen ich mir immer wieder die gleiche Frage stellte: Will ich über diesen Törn wirklich schreiben? Mehr noch: Will ich überhaupt noch einmal auf Törn? Nicht etwa die Frage: Alleine oder zu zweit, sondern ganz allgemein: Überhaupt?

Während und auch nach dem Törn erwog ich immer wieder an Land zu ziehen, Bea Orca zu verkaufen. Letztlich viel dann aber doch die Entscheidung für ein neues Boot. Etwas größeres, komfortableres – und sportlicheres, schnelleres. Ein reinrassiges Segelboot, ein ehemaliger Offshore-Racer. Eben etwas komplett anderes. Denn Änderung, das war klar, musste sein. Bei aller Liebe zu Bea Orca, (die immer noch zum Verkauf steht 😉 ): Diese Zeit war vorbei. Ganz unabhängig von den Erlebnissen des Sommertörns: Sie mag für einen Urlaubstörn für zwei Personen groß genug sein. Wenn aber eine Person davon auf ihr wohnt ist der Platz insgesamt doch sehr begrenzt.

Und doch, dies war nicht der Grund warum ich an so vielem zweifelte. Am Bloggen. Am Segeln. An Booten ganz allgemein.

Den einen Grund gab es dabei eigentlich garnicht. Es war die Kombination aus zwei Gründen die mich dazu brachten alles was in den letzten Jahren mein Leben bestimmt hatte in Frage zu stellen.

Letztlich war es viel gutes Zureden durch meine Freundin die mich dazu brachte nicht alles hinzuwerfen. Daher ist der diesjährige Törnbericht ihr gewidmet.

Doch woran lag es das ich ernsthaft erwogen habe (und immer mal wieder auch aktuell noch erwäge) das alles – Segeln, Boote, Blog – hinzuwerfen?

Ein Grund liegt ganz klar in den Menschen. Ich habe noch auf keinem Törn so schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. Mangelnde Kameradschaft ist noch freundlich ausgedrückt. Offene Verachtung, Beleidigung, Gemeinheiten. Und das unter Seglern, in Ostfriesland. Wo mir immer erzählt wurde (und ich es noch 2017 selbst erlebte) das man einander Kameradschaftlich behandelt, jeder jeden Grüßt, man sich kennt.

Ein anderer Grund liegt in der einfacher Tatsache das ich am Ende des Törns beinahe obdachtlos geworden wäre. Etwas wo mir – im wahrsten Sinne des Wortes (womit wir wieder bei den Menschen, Seglern wären) gesagt wurde ich sei selber Schuld. Das ich nicht nach dem Urlaub in ein zur Hochsaison teures Hotel oder in eine Ferienwohnung musste sondern weiter auf Bea Orca wohnen konnte verdanke ich wiederum der Tatsache das es sie eben doch noch gibt, die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. Und das manchmal so groß, das man es selbst nicht glauben mag.

Der diesjährige Törn Bericht wird komplett anders als die der letzten Jahre.

Zunächst ganz allgemein: Er wird unregelmäßiger. Ich mache wie erwähnt ein Fernstudium. Da ist Freizeit begrenzt. Ich tippe diesen Text als Entspannung nach über drei Stunden in denen ich an einer Hausarbeit geschrieben habe. Mal mag ich das – mal nicht. Wenn nicht hat für mich neben Freundin und Arbeit das Studium ganz klar Vorrang vor dem Blog. Seit mir also nicht böse wenn es mal eine Woche keinen Beitrag gibt. Sie kommen – ganz bestimmt. Zudem wird es auch im Text ggf. Lücken geben wo es zu persönlich wird. Das kann eine Stunde  aber auch ein Tag sein.

Doch noch viel größer wird der Unterschied im Ton sein.

Ihr sucht einen tollen Törnbericht zum entspannen? Schöne Orte, tolle Abenteuer, liebe Menschen? Eine Geschichte über das Segeln in den Horizont, eine Geschichte zum Auf-die-nächste-Saison-freuen?

Etwas um Noch-nicht-Seglern Lust aufs Segeln zu machen?

Etwas um zu Träumen?

Dann solltet ihr ganz schnell dieses Fenster schließen, euren Verlauf löschen und die nächsten Monate auf diesem Blog nicht vorbei zu sehen.

Natürlich, diese Momente wir es geben. Diesen tollen Moment wenn alles perfekt ist. Es gab ihn. Aber: Er war selten. Sehr selten. Und so wird es eine grimmige Geschichte. Eine Geschichte mit Frust, Angst und Verzweiflung. Eine Geschichte in der man Fluchen will (und manchmal zum Missfallen der Freundin auch flucht). Eine Geschichte in der man alles hinwerfen will. In der man Weint, zusammenbricht.

Aber auch eine Geschichte in der man aufsteht. In der man sich gegenseitig wieder hoch hilft. In der man lernt was es bedeutet nicht allein zu sein. Wenn jemand dann für einen da ist, jede Sekunde, wenn es am schwersten ist.

Eine Geschichte darüber das Wunder dann geschehen, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet. Und dass man, wenn man die Hoffnung schon aufgegeben hat, die tollsten Menschen trifft.

Ihr seid bereit für eine Achterbahn aus Hoffnung, Verzweiflung, Tränen, existenzielle Ängste und Liebe? Den wohl oder übel spannendsten Törnbericht seit es segeln-ist-leben.de gibt? Seid bereit einen komplett anderen Törnbericht zu lesen? Dann holt Rettungsweste und Lifeline, pickt euch ein. Denn bald geht es los. Ich weiß: So mancher wird diesen Winter hier über Bord gehen. Aber das ist okay. Denn es ist unser Weg, unsere Geschichte. Nächstes Jahr werden wir es noch einmal versuchen. Mit einem anderen Boot. In einem anderen Revier. Und – hoffentlich – mit anderen Erlebnissen. Denn noch so einen Törn hält keiner von uns aus. Zudem: Ich will wieder einen tollen, kuschligen und vielleicht etwas langweiligen Törnbericht schreiben. Wiederholt sich das was wir dieses Jahr hatten, so war es das mit Boot und segeln. Denn dieses Jahr hatten wir das was niemand will – besonders nicht wenn es der erste Segeltörn der Freundin ist:

Ein Törn zum Abgewöhnen.

Sebastian

11 Comments

  1. Hallo Sebastian,
    Niederschläge dürfen uns nicht von dem abringen, was wir im Herzen tragen. Rückblickend überwiegt doch die Euphorie über die geglückten Momente, und hier entsteht die Sehnsucht. Die Sehnsucht in den langen Winterabenden nach Meer, nach Boot und nach fernen oder nahen Gestaden, die uns Anfang des Frühjahres in die dunklen Ecken unseres Bootes kriechen lässt, und die unsere Konten leert, dafür das Bücherregal mit Segelliteratur von Weltenbummlern und unsere Seglerherzen mit Freude überlaufen lässt.
    Insofern, ich folge gerne deinem Blog, und ich folge Dir nach .. und ziehe auch noch diesen Winter auf mein Boot. Und Du hast Recht, dann ist das Boot eben nicht Hobbygerät, sondern Existenz.
    Gruß – Marcel.

  2. Moin Sebastian

    ich würde auch gerne weiterlesen. Wie kann ich deinen Blog denn abonieren oder speichern? Habe das noch nie gemacht. LG Klaus.

  3. Hallo Sebastian,
    wann kann man mit etwas mehr Informationen rechnen? Wir sind dieses Jahr auch im ostfr. Watt gewesen. Haben schönes und auch Dinge zum Kopfschütteln erlebt.
    Ich würde mich freuen wenn du weiter schreibst. Habe es immer gerne gelesen

    Gruß Rainer

  4. Bin eher zufällig hier gelandet und dann direkt bei diesem Beitrag hängen geblieben. Ich werde mitlesen – auch wenn es wohl anders ausfallen wird, als übliche Törnberichte. Aber auch die dunklen Seiten sollten dargestellt werden und nicht immer nur die Schokoladenseite. Ich bin schon sehr gespannt!

    Gruss,

    Sascha

  5. Hey, Sebastian!
    Ich stimme den Vorschreiberlingen vollumfänglich zu.
    Außerdem erwarte auch ich die Fortsetzung deines Berichtes mit Spannung – nicht weil ich mich an deinem Unglück laben, sondern aus ihm lernen will.
    Ich lebe wie du dauerhaft auf meinem Schiff (im MM), und ja, Törns zum Abgewöhnen aus den unterschiedlichsten Gründen kenne ich zuhauf. Nichts aber könnte mir das Gefühl der Freiheit des Lebens an Bord meines (bescheidenen) Schiffes ersetzen.
    Hiervon haben die Mitglieder des Segeln-Forums – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht den Hauch einer Ahnung. Dieses – ich mag die Begrifflichkeit kaum verwenden – aus meiner Sicht schlimmste deutsche Wassersport-Forum ist – wiederum: von Ausnahmen abgesehen – ein Sammelbecken aus Neidern, Hetzern und spießigen, typisch-deutschen Biedermännern. Mit den seerechtlichen Vorschriften kennen sie sich (und auch das meist nur vorgeblich) aus – mit dem Leben nicht. Vor dem haben sie nur eines: die sog. German Angst. Deswegen wird dort jeder Vortrag auch nur des Hauches eines alternativen Lebensentwurfes hinter dem rettenden Schild der Anonymität des Internets in den Boden gestampft, jedes nicht-konforme Ansinnen inquisitorisch und – selbstverständlich – gruppendynamisch verfolgt und jedes Glück der anderen geneidet. Deutsches „Klein-Klein“ in seiner reinsten Form. Grässlich. Und peinlich.
    Lass dir von diesen bedauernswerten Spießern bloß nicht den Spaß an deinem Blog verderben.
    Fair winds!
    Björn

  6. Hej Sebastian,
    schön, dass Du wieder bloggst. Das mit dem neuen Boot wusste ich ja schon, aber ich freue mich auf die kommenden Berichte. Der Winter naht… was gibts da Besseres als dramatische Geschichten.
    Man liest sich, liebe Grüße,
    Stefanie

  7. Moin, du scheinst da etwas falsch verstanden zu haben: Sinn eines blog ist es Aktuelles zu veröffentlichen und nicht ein halbes jahr später einen Fortsetzungsroman zu starten…

    So long

  8. Hallo Sebastian,
    ich freue mich auch schon auf den Bericht.
    Brauchst dir keinen Stress machen wegen der Zeitlücken zwischen den Veröffentlichungen. Bitte nimm dir die arroganten und blöden Kommentare im Segeln-Forum nicht zu Herzen. Es gibt auch andere Meinungen.

  9. Hi Sebastian,

    lass dir das blos nicht von den anderen kaputt machen. Die armen Seelen freuen sich ein Loch im Bauch wenn die deinen Bericht lesen .

    Ich finde es super was du machst,
    herzliche Grüße
    Uwe

  10. Moin Sebastian,
    ich freue mich trotzdem auf deinen Bericht und bin schon gespannt auf das neue Boot und das neue Revier. Zur Not kommst du halt nach Nordfriesland, denn hier wird Hilfsbereitschaft wirklich noch großgeschrieben.

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