Wenn der Wohnsitz segeln geht #2

Kurzerhand lege ich Ruder, fahre eine Wende. Dann noch ordentlich abfallen – und auf einem angenehmen Raumschotskurs Kurs Kugelbake anlegen. Geht doch. Angenehmes Segeln bei tollem Wetter. Die Logge, die ich im Winterlager ordentlich von Pocken befreit habe funktioniert wieder. Wir machen vier Knoten fahrt. Vermutlich könnte ich auch wieder mehr Segel setzen. Aber wofür? Ich habs ja nicht eilig. Obwohl wir jetzt gegen den Strom fahren kommen wir überraschenderweiße vorwärts: Mit etwa einem Knoten über Grund geht es auf die Kugelbake zu. Soll mir recht sein. Eigentlich ja gut zu wissen, das ich unter Segeln sogar gegenan ein klein wenig Strecke mache. Bisher hatte ich das nur einmal unter Motor probiert – erfolglos. Aber da… ja, doch, das geht.

Anders als sonst so häufig läuft keine Musik. Ich singe auch nicht. Beides erscheint mir abwegig. Das Säuseln des Windes, das Rauschen der See – das ist heute meine Musik. Dieser Klang, der Klang der Freiheit. Meiner Freiheit. Ich und Bea Orca, mein Zuhause, wir sind da wo wir hin gehören. Dabei bin ich, wie ich mir selbst eingestehen muss, eigentlich ein Schönwettersegler. Und das auch noch ohne jegliche sportliche Ambition! Der Spruch „Gentalmen segeln nicht gegen den Wind“ – wie für mich geschaffen. Und doch: Auf dem Wasser, auf See… hier gehöre ich hin. Mal im Hafen, mal unterwegs, mal vor Anker. Doch: Immer auf See. Denn sie ist mein Zuhause.

Ein wenig erleichtert stelle ich fest, das sich eine Befürchtung von mir nicht bewahrheitet hat. Wie würde es wohl sein mit seinem Wohnsitz, seinem Zuhause auf See zu sein? Zu segeln? Die Frage hatte mich zugegebenermaßen gequält. Würde ich mich entspannen können? Oder wäre ich ständig voller Sorge?

Jetzt erscheinen mir diese Gedanken geradezu ironisch. Ja, ich wäge ab, gehe kein unnötiges Risiko ein. Und weiß, das ich jetzt mehr verlieren würde als im letzten Jahr. Doch: Ich habe ein noch größeres Vertrauen ins Boot, bewege mich sicherer an Bord als ich es je zuvor habe. Dies ist mein Zuhause. Auf See wie im Hafen. Und bald auch wieder vor Anker.

Die Zeit scheint nur so davon zu fliegen, schon bald ist die Kugelbake querab. Mit eineinhalb bis zwei Knoten geht es mittlerweile über Grund gen Hafen. Wann ich wohl die Segel bergen sollte? Ich entscheide mich für den Hafen des SVC. Wenn der querab ist kommt das Groß runter. Die Genua kann ich ja dann kurz vor der Hafeneinfahrt zur Citymarina einrollen.

Die Jan Cux II passiert mich relativ nahe. Hier, vor Cuxhaven ist das kaum zu vermeiden. Die Wellen sind hoch und Steil, doch ich bin vorbereitet. Der Kurs wird angepasst und so erwischt es mich von vorne statt schräg von der Seite. Gischt, kaltes Wasser fliegt übers Deck, der Bug sticht förmlich in die Welle ein. Kaum hat sich Bea Orca wieder aufgerichtet knallen wir in die nächste Welle. Mehrmals wiederholt sich das ganze, dann haben wir es geschafft und ich lege wieder Kurs auf den Hafen. Das Großsegel ist schnell unten. Doch als ich auf Höhe der alten Liebe die Genua einrollen will kommt es zum Problem: Die letzten zwei bis drei Quadratmeter wollen einfach nicht rein. Erst später im Hafen sollte ich feststellen, das offensichtlich die Leine nicht genug auf der Rolle aufgerollt war. Doch jetzt ist es zu spät, die Brücke öffnet sich bald. Ich werfe die Genua los und fahre mit flatternder Genua die letzten Minuten bis in den Hafen.

Anlegen funktioniert ohne Probleme. Ich nehme noch vor meinem Liegeplatz den Gang raus und treibe ganz gemütlich in Position. Einzig das ich schon wieder die Heckleine nicht rechtzeitig über bekomme und somit zunächst die Bugleinen festmache ärgert mich. Aber hey: Keine Schäden, gemütlich rein gekommen… erfolgreiches Manöver.

Nach dem Schlag sitze ich noch lange im Cockpit. Die letzten Wolken haben sich verzogen, das Wetter ist herrlich. Zeitweise sitze ich nur mit T-Shirt bekleidet in der Sonne, genieße die Wärme auf meiner Haut. Es fühlt sich gut an. Segeln mit dem eigenen Zuhause? Aber klar doch!

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Sebastian

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