Frieslands versteckte Kanalschätze

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Friesland – eine wunderschöne Provinz voller Natur. Traumhaft schöne Seen, große Kanäle auf denen Jollen und Yachten unterwegs sind. Faszinierende Touristenstädte. Wahrhaftig, für Wassersportler ist Friesland ein Schlaraffenland. Doch gerade Segler und die Fahrer höherer Motorboote sind eingeschränkt. Abseits der großen Kanäle und Seen versperren einem schnell feststehende Brücken den Weg. Und so mancher Kanal ist gar zu flach und zu schmal für Yachten. Und so kommt es das man auf einigen der schönsten friesischen Kanäle auch innerhalb der Saison für Stunden kein andere Boot sieht. Oder zumindest keines, das aktuell genutzt wird. Schade eigentlich – denn so mancher kleiner Seitenkanal ist mindestens ebenso sehenswert wie De Fluezen, das Sneeker Meer oder eines der anderen Friesischen Meere. Im aktuellsten Teil des Törnberichtes habe ich einen dieser Abschnitte beschrieben – heute mag ich euch eine kleine Auswahl an wunderschönen Seitenkanälen aufzeigen. Sie alle sind recht gut zu erreichen – und werden trotzdem scheinbar nur von sehr wenigen Wassersportlern erkundet. Denn wie sonst lässt es sich erklären das man auch während der Saison auf diesen Kanälen Stunden lang alleine ist? Natürlich habe ich nur einen kleinen Teil der Friesischen Kanäle befahren. Falls ihr selbst weitere kennt, die selbst für Friesland ungewöhnlich schön sind – lasst es mich doch in den Kommentaren wissen.

Ich kann und mag diese Kanäle nicht irgendwie Ordnen – sie alle sind wunderschön. Und auch unabhängig von diesen Beispielen kann ich jedem nur empfehlen: Lasst das Dinghy zu Wasser, leiht euch ein Kanu und erkundet jene kleinen Kanäle, an denen alle anderen vorbei fahren.

 

Harlingen – Witmarsum

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Von Harlingen aus geht es nach Süden. Der Ortsausgang ist nicht die schönste Strecke – doch kaum hat man diese hinter sich gebracht ist man mitten in der Natur. Schon bald kann man Kimswerd erkennen. Am Ufer liegen einige Boote. In Kimswerd kommt man an zahlreichen schönen Häusern vorbei, bevor man das Dorf langsam gen Süden verlässt. Zunächst geht es weiter durch eine recht normale Kanallandschaft. Auf der einen Seite wächst das Schilf so hoch, das man von einem flachen Boot aus zumeist nicht mehr drüber hinwegsehen kann. Auf der anderen Seite erstrecken sich Weide, stets habe ich dort Pferde gesehen die einen gerne ein Stück des Weges begleiten. Schließlich erreicht man Arum – von dem Ort sieht man allerdings nicht viel. Denn hier biegt man ab und folgt dem Kanal in Richtung Witmarsum. Nun ist man von Schilf umgeben. Wer in einem flachen Boot, einer Jolle oder einem Dinghy unterwegs ist kann nicht mehr über das Schilf drüber sehen. Wie Wände erstreckt es sich zu beiden Seiten des Kanal. Die nächste Kanalbiegung sieht man erst so ganz genau kurz bevor man bei ihr ist, sie liegt gut versteckt hinterm Schilf. Weit ist es aber nicht mehr, schon bald erreicht man Witmarsum. Von dieser Seite kommend macht der Ort im ersten Moment nicht den besten Eindruck. Trotzdem empfiehlt es sich hindurch zu fahren. Denn am anderen Ende wartet eine schöne alte Mühle und ein wunderschönes, altes Gebäude neben dem ihr einen Mühlstein findet. Hier gibt es auch Liegeplätze – es ist also kein Problem festzumachen und einen Spaziergang zu unternehmen. Solltet ihr ein Zelt dabei haben kann man beim Campingplatz gleich nebenan zelten. Der hat aber nur während der Saison geöffnet!

Nun muss man sich entscheiden – hier, gleich um die Ecke gibt es noch einen weiteren, wunderschönen Kanal den zu befahren ich jedem nur empfehlen kann. Allerdings führt er noch mal ein gutes Stück von Harlingen weg. Wer paddelt oder langsam unter Motor fährt muss sich gegebenenfalls sehr beeilen um Hin- und Rückweg an einem Tag zu schaffen. Außerdem sollte man genau sehen ob das Boot auch den nächsten Kanal befahren kann – denn hier ist das Wasser flacher und die Brücken niedriger.

Harlingen Witmarsum

Daten:

Durchfahrtshöhe: 2,5 Meter, ich empfehle aber nicht mehr als 1,3 Meter da es ansonsten bei der Eisenbahnbrücke in Harlingen zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Tiefgang: 1,5 Meter

 

Skraarder Feart (von Boldward, Makkum oder Witmarsum/Harlingen)

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Zunächst muss man zum Kanal gelangen. Die geht am besten von Bolsward, Makkum oder Witmarsum.

Von Bolsward: Über das Makkumer Feart geht es nach Westen. Die Strecke kenne ich nicht. Allerdings bietet sich von Bolsward auch eine Rundfahrt an: Makkumer Feart, Skraader Feart und zurück über das Wytmarsumer Feart.

Von Makkum: Man verlässt die Stadt nach Osten über den Kanal Grutte Sylroede. Bei der Kanalgabelung wendet ihr euch nach Norden bis ihr schließlich das Skraarder Feart erreicht.

Von Witmarsum: Ich beschreibe hier den Kanal von Süden nach Norden mit Ende in Witmarsum. Von Witmarsum aus kann er einfach in umgekehrter Richtung befahren werden.

Zum Kanal: Die Einfahrt kann man schon mal übersehen. Denn der Kanal ist relativ schmal und umsäumt von hohem Schilf. Wer aber nicht übermäßig schnell fährt sollte ihn schließlich querab erkennen. Das erste Stück des Kanals führt zwischen hochgewachsenem Schilf durch. Man ist mitten im Grün und fühlt sich ein wenig wie ein Kind das durch hohes Graß läuft. Doch mit der Zeit wird es etwas lichter, immer wieder tun sich Lücken im Schilf auf. Dahinter erstrecken sich Weiden und Felder, in der Ferne kann man vereinzelt Windräder und Häuser sehen. Doch noch immer ist man mitten in der Natur während man gemächlich gen Norden treibt. Auch bei mehr Wind aus Osten oder Westen ist dieses Kanalstück dank des hohen Schilfes sehr geschützt.

Irgendwann kann man voraus den Kirchturm von Schraard ausmachen. Weit ist es nicht mehr, bald erreicht man den Ort. Es ist schön hier. Allerdings sollte man es mit anderen Augen sehen als einen der großen Touristenorte. Auch im Ort ist vieles Grün, vereinzelt führen kleine Kanäle ab. Es empfiehlt sich genau darauf zu achten wo man ist – je nach Wasserstand können auch mal Kanäle auftauchen die es normalerweise gar nicht gibt.

Schließlich verlässt man den Ort nach Norden. Bald geht es durch mehrere Brücken. Ganz in der Nähe steht ein Baum der den Kanal zu einem guten Teil verdeckt. Aus diesem Grund würde ich empfehlen den Kanal nur mit Booten bis maximal 1,50 Meter breite zu befahren. Mehr ist sicherlich möglich, dann wird es hier aber mehr als eng.

Langsam nähert man sich Witmarsum. Recht früh taucht die Stadt in Sichtweite auf – und verschwindet auch nicht wieder. Doch geht es nicht auf einem direkten Wege dort hin.

Je nach Windrichtung und Antriebsart erreicht man früher oder später Witmarsum wo sich eine Pause bei der Windmühle empfiehlt.

Witmarsum nach Süden

Daten:

Durchfahrtshöhe: 0,8 Meter

Tiefgang: 1 Meter

Breite: Mir sind keine offiziellen Angaben bekannt, ich würde aber auf keinen Fall mehr als 1,50 Meter empfehlen

 

Makkum – Workum

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Man verlässt Makkum nach Süden auf dem Kanal gleich hinter dem Abschlussdeich. Nach Osten hin erstrecken sich weite Felder und Weiden, vereinzelt wächst Schilf. Immer wieder wird der Kanal breiter, gleich daneben finden sich größere Wasserflächen. Es geht durch wunderschöne kleine Ortschaften, kaum mehr als eine Ansammlung einiger weniger Häuser. Mit etwas Glück sieht man Schafe die auf dem Deich grasen. Man ist draußen auf dem Land, mitten in der Natur. Obgleich direkt neben dem Kanal eine Straße verläuft, hört und sieht man nur selten Autos. Es ist wunderschön hier. Schließlich macht der Kanal eine Biegung, man entfernt sich vom Deich. Bald darauf biegt man nach Osten ab und erreicht kurz darauf Ferwoude. Weiter geht es nach Süden auf einem extrem flachen Kanal. Es empfiehlt sich vor der Brücke auf den aktuellen Wasserstand zu sehen – ich bin beim ersten Anlauf mit meinen 0,5 Meter unter der Brücke aufgelaufen und musste das Schwert ein gutes Stück aufholen.

Weiter geht es durch das flache Wasser, links und recht Weiden und Felder. Immer wieder muss man sich klein machen um unter den Brücken durchzukommen. Der Kanal führt vorbei an verschiedenen Höfen. Im vergleich zu anderen Seitenkanälen ist dieser sehr offen, man kann weit sehen. Bereits früh ist Workum zu erkennen. Das letzte Stück führt schließlich durch die Stadt, links und recht recken sich hohe Häuser empor. Bei Nacht ist dieses letzte Stück wahrhaft dunkel.

Makkum Workum

Daten:

Tiefgang: Bis Ferwoude 1,1 Meter, ab dort sehr flach, 0,5 Meter – oder auch weniger

Durchfahrtshöhe: Bis Ferwoude 0,9 Meter. Danach sind die Brücken noch niedriger, ich empfehle das Befahren nur mit einem Schlauchboot oder einem Kanu

 

 

Stavoren – Molkwerum

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Der Weg aus Stavoren heraus ist nicht der schönste – er führt durch ein Industriegebiet. Doch kaum hat man das hinter sich gebracht findet man sich in einer traumhaften Landschaft wieder. Es geht über einen süßen Kanal immer neben dem Deich zum Ijsselmeer her. Schafe grasen auf dem Deich, gelegentlich sieht man vielleicht einen Spaziergänger. Auf dem Deich gibt es ein altes Bauwerk, vermutlich ein Unterschlupf oder ein kleines Bunker das sich in die Landschaft formt. Auf der anderen Seite erwartet euch pure Natur. Weite Schilffelder, große Wasserflächen. Es ist wunderschön. Man kommt an einem süßen alten Haus vorbei, das idyllisch neben einem großen Baum und hinterm Deich steht. Schließlich erreicht man Molkwerum – ein Ort der es wert ist anzulegen und ihn sich anzusehen.

Stavoren Molkwerum

Daten:

Tiefgang: 0,8 Meter

Durchfahrtshöhe: 1,1 Meter

 

Ihr habt einen (oder mehrere) dieser Kanäle schon befahren – oder kennt andere Seitenkanäle in Friesland die man unbedingt mal gesehen haben sollte? Haut in die Tasten und lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Sebastian

2 Kommentare

  1. Hej, wunderbar ist der Kanal von Uitwellingergaa! Geht auch nur mit gelegtem Mast. Dicht gefolgt vom Kanal zwischen Joure und Goingarijp. Oder vom Sloter Meer nach Balk!

    • Hallo Denise,
      entschuldige die verspätete Antwort, ich war die letzten Tage viel unterwegs. Das der Kanal bei Uitsellingergaa traumhaft ist glaube ich gerne. Zwar war ich auf ihm noch nicht, allerdings ist die Landschaft in den Seen in der Nähe (u.A. Wite Brekken) ein Traum.
      Balk wird mir jetzt schon zum wiederholten male empfohlen – ich glaube, sollte es mal Wettermäßig hinhauen werde ich es mir mal ansehen 🙂
      Grüße,
      Sebastian

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