Wie viele Hände dürfen es sein?

All Hands on Deck! – Alle Hände an Deck. Gemäß „Eine Hand fürs Schiff, eine Hand für sich selbst.“ entspricht die Zahl der Hände der Größe der Crew. Doch wie groß die ist – da gibt es gewaltige Unterschiede. Vom großen Traditionssegelschiff mit voller Besatzung, über Segelfreizeiten und Scheintörns (SKS und SSS), der Familiencrew, 2er Crews, oft Paare bis zum Einhandsegler. Was man davon bevorzugt ist Geschmackssache. Die einen Lieben die Teamarbeit auf den großen Seglern, andere mögen eine kleine Crew, Zeit nur mit ihrem Partner oder der Familie. Und so mancher ist glücklich wenn er (oder sie) ganz alleine auf dem Wasser ist, Tagelang kaum einen anderen Menschen zu Gesicht bekommt.

Robin von Travel Forever hat mich mit seiner aktuellen Blogparade zum Thema „Alleine reisen, zu zweit oder als Gruppe?“ dazu angeregt diesen Beitrag zu schreiben.

Es gibt also, wie bei praktisch allen Reisenden auch bei den Seglern alles vom alleine Reisenden Individualreisenden bis zur Gruppenreise. Tatsächlich habe ich auf die eine oder andere Art in alle Drei „Kategorien“ schon rein geschnuppert.

 

Mit voller Besatzung/Gruppenreisen:

100_3122

 

Vor…. Einigen Jahren war ich mit der Schule auf einem Plattbodenschiff auf Klassenfahrt. Es hat Spaß gemacht, man war auf dem Wasser. Kaum aus dem Hafen draußen wurden die Segel gehisst. Dann ging es, ganz nach Geschmack unter Deck oder aufs Deck, ein Spiel spielen, schnacken, eine Runde Schlafen. Viel zutun war nicht, der Skipper steuerte das Boot. Es hat Spaß gemacht, hat aber für mich nicht so viel mit dem Segeln das ich liebe zutun. Für Teambildung sicherlich eine tolle Sache – doch fehlen mir zwei Dinge. Zum einen das Segeln – davon war es mir zu wenig. Das könnte man sicherlich auf anderen Schiffen haben, Segelreisen bei denen eben darauf der Fokus liegt. Wo man mehr Besatzung und weniger Mitsegler ist. Zum anderen aber die Ruhe. Irgendjemand ist immer da, irgend etwas ist immer. Trubel: Ein Dauerzustand.

 

Mit kleiner Crew:

100_3215

Kaum hatte ich 2012 meinen Segelschein wollte ich wieder aufs Wasser. Dafür habe ich mir eine Mitsegelmöglichkeit gesucht und war dann für ein paar Tage auf dem Ijsselmeer. Es hat riesig Spaß gemacht. Man konnte auch mal die Ruhe genießen, ich hatte die Möglichkeit aktiv zu segeln. Wir waren zu zweit, eine wie ich finde angenehme Größe. Mit 9 Metern war das Boot auch groß genug um sich nicht ständig auf den Füßen zu stehen. Gleichzeitig aber war auch jemand da mit dem man die Erfahrung teilen kann, mit dem man sich unterhalten kann.

Auch danach, bei einigen Tagestörns war ich zu zweit unterwegs. Eine, wie ich nach wie vor finde angenehme Größe. Man kann sich unterhalten, kommt zum Segeln und kann die Ruhe genießen. Wenn mal was passiert ist man nicht alleine. Und auch ganz allgemein, man muss sich nicht gleich um alles kümmern.

 

Einhand:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Trotzdem war ich auf allen drei Törns mit BEA alleine unterwegs.  Zugegeben. Alles andere wäre dann doch eng.

Einhandsegeln ist eine tolle Sache. Man ist freier als man es mit einer Crew, egal wie klein, je sein könnte. In die Nacht rein segeln? Tage lang nur Liegeplätze ohne Dusche, ja sogar ohne Klo? 10, 11, 12 Stunden am Tag an Bord – ohne Toilette, ohne Rückzugsmöglichkeit? Da wird es schon schwer jemanden zu finden dem das genauso viel Spaß machen würde. Im Stundentakt den Plan ändern, einfach mal sehen wohin der Wind einen treibt? Und sich dann auch noch einig sein mit all diesen wechselnden Zielen? Ich liebe die Simplizität des Segelns (ja, segeln kann einfach sein). Mit Crew verliert man praktisch immer einen Teil der Flexibilität.

Spätestens aber wenn ich(!) anfange beim segeln zu singen würde wohl jede Crew Meutern. Die Mischung aus Rammstein, Nena, Kinderlieder, Santiano, Katy Perry und Punk Rock – gesungen mit meinem.. Äh… Talent würde ihnen aber auch gar keine Wahl lassen. Kurz, ich segle gerne Einhand, genieße die Ruhe, die Einsamkeit. Stunden lang, alleine auf einem Kanal, links Schilf, rechts Schilf, vorne und hinten Wasser, kein Mensch in Sicht. Einen Tag auf einer einsamen Insel eingeweht. Egal, ich bin glücklich, nehme das Erlebnis in mich auf. Und muss mir keine Gedanken darum machen ob sich jemand anderes nicht vielleicht Langweilt und wo anders in will.

IMG_2343

Aber auch hier ist nicht alles gut. Mit der Zeit ändert sich das eigene Verhalten. Man wird komisch, tut und denkt Dinge die man sonst nicht so machen würde. In einem der letzten Teile des Törnberichtes habe ich darüber berichtet das mir plötzlich aufgefallen ist, das die letzte ernsthafte Körperpflege schon über eine Woche her ist! Das würde mit Begleitung wohl kaum passieren. Natürlich, wenn man alleine ist und praktisch nichts mit anderen Menschen zutun hat fällt einem das nicht so auf. Man selbst gewöhnt sich ja an den Geruch und wo niemand ist kann einem auch niemand sagen das man stinkt. Und die Tatsache, das die einzige Möglichkeit mich zu waschen ein Kanal war mit Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt mag es zu etwas gemacht haben das man gerne vergisst. Trotzdem ist es ein gutes Beispiel dafür was passieren kann wenn man alleine unterwegs ist und dabei kaum bis keine Zeit unter Menschen verbringt. Auch verwaltungstechnisch ändert sich etwas. Und wenn man anfängt sich zu freuen auch nur eine menschliche Stimme zu hören – obwohl man aus Sprachgründen kein Wort versteht – wünscht man sich plötzlich wenigstens einen Menschen um sich zu unterhalten. Da ist es eigentlich auch egal wen oder was. Glücklicherweise: Es findet sich immer jemand. Im Winter, außerhalb der Saison ist das zwar nicht immer einfach, geht aber trotzdem.

Alles in allem: Das wichtigste ist mir natürlich überhaupt zu segeln. Für einen Tag oder ein Wochenende gerne mit jemand anderem. Solange man sich gut unterhalten kann und die Vorstellungen vom Segeln zumindest halbwegs vereinbar sind reicht mir das. Ich kann auch mal aufs Singen verzichten. Je länger der Törn aber wird, desto eher würde ich alleine starten. Ich mag die Ruhe, die Möglichkeit ganz spontan zu sein. Kein anderes Ziel zu haben als glücklich zu sein. Diese Absolute Unabhängigkeit. Das Wissen, das ich für alles verantwortlich bin. Wenn etwas schief geht ist es meine – und nur meine – Schuld. Und alles was ich schaffe habe ich geschafft.

So gesehen segle ich wohl auf Törn lieber alleine. Trotzdem würde ich gerne zu zweit auf Törn gehen. Dafür müsste ich allerdings jemanden finden der genauso tickt wie ich. Jemand der, wenn wir durchgeschüttelt werden ohne Ende, das Boot kaum mehr als ein Spielball der Wellen ist und ich anfange „Versuchs mal mit Gemütlichkeit“ zu singen mich nicht etwa für verrückt erklärt – sondern mit einstimmt.

Zumindest fürs erste werde ich also wohl weiter alleine auf Törn gehen. Aber als Segler ist man ja sowieso nie wirklich alleine. Ich habe schließlich immer meine BEA bei mir – an einem Gesprächspartner mangelt es da ja nicht.

Wie seht ihr das? Wie verreist/segelt ihr am liebsten? Einhand, mit dem Partner/der Familie oder als Gruppe? Schreibt mir eure Meinung ins Kommentarfeld!

 

Sebastian

Ein Kommentar

Kommentare sind geschlossen.